Öffentliche Sicher­heit

Polizeiauto

Die Arbeitswelt im Überblick

Für andere Menschen in Notsituationen da zu sein, ist die wichtigste Aufgabe für all diejenigen, die im Bereich Öffentliche Sicherheit arbeiten. Wie sind hier die Beschäftigungsmöglichkeiten? Welche Trends zeichnen sich ab?

Zum Arbeitsalltag von Feuerwehrleuten, Polizeibeamten/-beamtinnen und Beschäftigten im Justizvollzugsdienst gehört weit mehr als das, was wir aus Filmen und Büchern kennen. Beamte und Beamtinnen mit Hochschulabschluss übernehmen schwerpunktmäßig Leitungs- und Organisationstätigkeiten: Sie organisieren die internen Abläufe, erstellen Einsatz- und Dienstpläne oder kümmern sich beispielsweise um Aufgaben wie die Öffentlichkeitsarbeit. Meist steht man in engem Kontakt mit den Kollegen und Kolleginnen im Außeneinsatz, teilweise ist man auch selbst vor Ort unterwegs, geht auf Streife, nimmt Kontrollen vor oder koordiniert Einsätze und Rettungsmaßnahmen.

Egal ob im Büro oder am Ort des Geschehens – die Rechts- und Dienstvorschriften zu kennen ist die Grundlage dieser Arbeitswelt. Wenn Recherche und Ermittlung Bestandteil des Berufsalltags sind, können psychologische, naturwissenschaftliche oder technische Kenntnisse verlangt sein. Im Polizei- und Kriminaldienst erfordern die Einsätze teils auch den Gebrauch der Schusswaffe: Hier gilt es, schnelle, aber stets verantwortungsvolle und angemessene Entscheidungen zu treffen, da oft keine Zeit für langes Abwägen bleibt. Auch bei der Feuerwehr sollte man sich in jedem Moment bewusst sein, dass der Dienst mit besonderen Gefahren verbunden sein kann.

Wer im Bereich Öffentliche Sicherheit arbeiten will, sollte also Planungsgeschick, Entscheidungsstärke, Führungskompetenz und Verantwortungsbewusstsein mitbringen. Auch ein Gespür für den angemessenen Umgang mit Menschen ist wichtig – egal ob Betroffene in Brandfällen beruhigt oder ob angespannte Situationen bei der Polizeiarbeit oder im Justizvollzug durch geschickte Kommunikation entschärft werden müssen. Körperliche Fitness ist ebenso unerlässlich wie psychische Stabilität.

Die Akademiker/innen der Arbeitswelt Öffentliche Sicherheit können sowohl beim Bund und bei den Ländern als auch bei den Kommunen Beschäftigung finden. Den weitaus größten Teil dieses Bereichs machen Polizisten und Polizistinnen sowie Bundespolizisten und -polizistinnen aus. Auch außerhalb dieses Segments gibt es viele Beamte und Beamtinnen, die für die Öffentliche Sicherheit sorgen, zum Beispiel bei der Feuerwehr, in der Gewerbeaufsicht, im Justizvollzug oder bei den Nachrichtendiensten. Übrigens: Es gibt auch Chancen, im Ausland zu arbeiten. Polizisten etwa können an UN-Missionen teilnehmen.

Grundsätzlich ist es möglich, direkt nach dem Abitur in die gehobene Beamtenlaufbahn zu starten – und während des Vorbereitungsdienstes praktische Erfahrungen in der jeweiligen Dienststelle zu sammeln sowie an einer Hochschule des Öffentlichen Dienstes zu studieren. Für den höheren Dienst ist mindestens ein Master oder Staatsexamen gefordert. In den technischen Dienst dagegen gelangt man in der Regel über ein natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium an einer regulären Hochschule und einen anschließenden Vorbereitungsdienst.

Im Zuge der Reform des Beamtenrechts wurden diese Laufbahngruppen in vielen Bundesländern reformiert und umbenannt, die Voraussetzungen für den Berufseinstieg sind zum Teil sehr unterschiedlich. Für die Berufswahl ist es also wichtig, sich bereits im Vorfeld gründlich zu informieren.

Beamte und Beamtinnen dieser Arbeitswelt erleben, wie sich ihr Arbeitsumfeld zunehmend internationalisiert. Sie stehen nicht nur in Kontakt mit Bürgern aus anderen Kulturkreisen und Sprachräumen, sondern kooperieren auch verstärkt mit Berufskollegen aus anderen Ländern. Denn viele Bedrohungslagen – etwa der internationale Terrorismus oder grenzüberschreitende Kriminalität – erfordern heute eine effektive transnationale Zusammenarbeit. Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz werden im Berufsalltag also immer wichtiger.

Ein weiterer Trend: Polizeibeamte setzen auf modernste Computertechnik – etwa auf Statistiksoftware zur Identifizierung von Kriminalitätsschwerpunkten. Ebenso sind sie verstärkt im Netz tätig. Sie ermitteln in Fällen von Cyberkriminalität, also zum Beispiel bei Internet-Betrug, elektronischem Datendiebstahl oder Hacker-Angriffen. <<

Portrait von Arnold Plickert

Interview mit Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen

Soziale Kompetenz gefragt

Herr Plickert, welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Arnold Plickert: Verkehrsunfall oder Wohnungseinbruch – Polizisten werden gerufen, wenn andere Menschen Hilfe brauchen. Oft müssen Polizisten auch einen Konflikt schlichten, der ohne ihre Hilfe aus dem Ruder laufen würde. Neben einem soliden Fachwissen brauchen Polizistinnen und Polizisten körperliche Fitness und große soziale Kompetenz. Berufseinsteiger sollten deshalb nicht nur Sport treiben, sondern auch einen guten Schulabschluss mitbringen. Einstellungsvoraussetzung ist in NRW das Abitur oder eine Berufsausbildung mit Fachhochschulreife.

Polizisten machen in NRW einen Bachelorabschluss. Was wird in dem Studium vermittelt?
Arnold Plickert: Das Bachelorstudium Polizeivollzugsdienst ist ein praxisorientierter Studiengang. Die jungen Kommissaranwärterinnen und -anwärter lernen dort alles, was sie später in den ersten Jahren als Polizeibeamte brauchen. Neben Wissensvermittlung an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung gehören zum Studium auch Trainingseinheiten an einem polizeieigenen Ausbildungszentrum und Praktika in den Polizeibehörden. Am Ende der dreijährigen Ausbildung steht der Bachelorabschluss, an den sich später problemlos weitere Ausbildungsgänge anschließen lassen. <<

Mit einer Ausbildung oder einem Bachelorstudium bei der Polizei Baden-Württemberg legst du den Grundstein für vielfältige Karrierewege: Im Streifendienst stellst du dich als Erste/r der jeweiligen Einsatzsituation, als Einsatzbeamter/Einsatzbeamtin gewährleistest du den Ablauf von großen Veranstaltungen. Spezialisten der Kriminal-, Verkehrs- oder Wasserschutzpolizei, von Hundeführer-, Reiter- oder Hubschrauberstaffeln unterstützen immer dann, wenn besondere Kenntnisse, Mittel oder Technik benötigt werden. In den kommenden Jahren stellt die Polizei Baden-Württemberg jährlich 1.400 Polizistinnen und Polizisten ein.

Bei der Feuerwehr sind rund zehn Prozent der Mitarbeiter im gehobenen und höheren Dienst. Bewerber müssen einen technischen oder naturwissenschaftlichen Abschluss haben, bevor sie bei uns weiter ausgebildet werden. Zur Auswahl gehört auch ein körperlicher Eignungstest, denn einen Feuerwehrmann nur im Büro, den gibt es gar nicht. Im Gespräch klopfen wir ab, warum der Bewerber gerade zu uns will. Hat er Mut zu Entscheidungen unter Stress, ist er teamfähig? Denn im Einsatz ist beides extrem wichtig.

Das Land Nordrhein-Westfalen bildet Diplom-Verwaltungswirtinnen und Diplom-Verwaltungswirte (FH) aus, die Verwaltungsdienststellen und Vollzugsabteilungen in einer Justizvollzugsanstalt leiten, für die Verwaltungen der Justizvollzugsanstalten verantwortlich sind und denen bei besonderer Qualifikation auch die Leitung von Justizvollzugsanstalten übertragen werden kann. Neben den beamtenrechtlichen Voraussetzungen müssen die Bewerberinnen und Bewerber mindestens die Fachhochschulreife nachweisen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • ermitteln und recherchieren
  • Katastrophenschutz
  • Kriminologie
  • Prävention
  • Rettungsmaßnahmen
  • Sachbearbeitung
  • Sicherheitstechnik
  • Strafvollzugs- und Strafvollstreckungsrecht

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • didaktische Fähigkeiten für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern
  • Entscheidungsstärke bei Einsätzen und Ermittlungen
  • Führungskompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Kontaktfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/offentliche-sicherheit