Mikro­system­technik und Optische Techno­logien

abstrakte Technik Illustration

Die Arbeitswelt im Überblick

Mikrosystemtechnik und optische Technologien bilden die Grundlagen für zahlreiche Produkte und Anwendungen – ohne sie gäbe es keine Smartphones, keine Industrielaser, kein schnelles Internet. Welche beruflichen Entwicklungen und technischen Trends bestimmen diese Arbeitswelt?

Sie sind winzig und stecken in nahezu jedem Elektrogerät: Mikrosysteme sorgen dafür, dass Smartphones enorme Rechenleistung auf kleinstem Raum bieten und dass Fahrzeuge selbstständig in Parklücken steuern. In vielen Produkten kommen auch optische Technologien zum Einsatz: Sie sind beispielsweise grundlegend für die Kamera im Handy und die Abstandssensoren im Fahrzeug, aber auch für Präzisionslaser in der Medizintechnik oder für die schnelle Datenübertragung in Glasfaserkabeln.

Die Ingenieure und Ingenieurinnen dieser Arbeitswelt sind an der Entwicklung solcher Technologien beteiligt. Sie forschen an der weiteren Miniaturisierung von Bauteilen oder an Methoden, um die gebündelte Kraft des Lichts als Werkzeug einzusetzen. Sie entwickeln neue Produkte, erstellen Konstruktionszeichnungen am Rechner, bauen Prototypen und testen diese gründlich im Labor. Zu finden sind sie auch in den Werkhallen der Industrie, wo sie zum Beispiel in verantwortlicher Position die Herstellung von Mikrochips der nächsten Generation überwachen. Ganz allgemein übernehmen Ingenieure und Ingenieurinnen oft Führungsaufgaben: Sie leiten Entwicklerteams, sind für die Zeitpläne und das Budget eines Forschungsprojekts verantwortlich und stimmen sich mit den Geschäftspartnern ab. Besonders viel Kundenkontakt haben Ingenieure und Ingenieurinnen der Augenoptik: Je nach beruflichem Schwerpunkt können sie auch beratend in Optikerfachgeschäften arbeiten.

Wie in allen Ingenieurberufen solltest du auch für eine Tätigkeit in dieser Arbeitswelt großes Interesse an Technik und Naturwissenschaften mitbringen. Da Teamarbeit und Kundenberatung oft zum Beruf gehören, sind gleichzeitig Kommunikationsstärke und weitere soziale Kompetenzen gefragt. Insbesondere im Tätigkeitsfeld Forschung und Entwicklung solltest du zudem kreativ sein, aber auch systematisch und konzentriert arbeiten. Nicht zuletzt sollten Ingenieure und Ingenieurinnen auch Englisch sicher beherrschen und mit Kenntnissen jenseits ihres Fachgebiets punkten, etwa in Bereichen wie Projektmanagement oder BWL.

Typische Arbeitgeber in diesem Bereich sind beispielsweise Unternehmen der optischen Industrie oder Hersteller von Mikrochips. Die Hochschulabsolventen und -absolventinnen dieser Arbeitswelt sind jedoch beruflich nicht auf einen bestimmten Wirtschaftszweig beschränkt: Sowohl optische Technologien als auch Mikrosystemtechnik kommen in zahlreichen Branchen zum Einsatz, etwa in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, im Maschinenbau, in der Elektrobranche und der Medizintechnik oder im Bereich der Erneuerbaren Energien. Für forschende Ingenieure und Ingenieurinnen bieten sich Chancen bei Hochschulen und Instituten. Auch eine Selbstständigkeit ist grundsätzlich möglich, insbesondere im Bereich Augenoptik.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, betont: „Bei einer räumlichen und branchenmäßigen Flexibilität dürften die Jobaussichten für Berufseinsteiger aus den Bereichen Mikrosystemtechnik und optische Technologie nicht schlecht sein."

Die Zukunft der Mikrosystemtechnik gehört „smarten“ Systemen, die Daten aus ihrer Umgebung sammeln und basierend darauf selbstständig Aktionen durchführen. Ein Beispiel sind Fahrerassistenzsysteme, die automatisch Hindernissen ausweichen oder eine Bremsung einleiten – schneller, als dies ein menschlicher Fahrer je könnte. „Smart“ sind aber auch die intelligenten, untereinander kommunizierenden Roboter der automatisierten Fabrik. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von „Industrie 4.0“.

Ob Outdoor-Brillengläser, die nicht beschlagen, oder Kontaktlinsen mit Gleitsichtfunktion – die optische Industrie hat ebenfalls zahlreiche Innovationen zu bieten. Eine interessante Zukunftstechnologie sind auch Datenbrillen, mit denen der Mensch in virtuelle Welten eintauchen kann. Optische Technologien werden zudem in der Metallindustrie eingesetzt: Beim Laserschmelzen etwa wird aus Metallpulver Schicht für Schicht ein dreidimensionales Produkt aufgebaut. <<

Portrait von Inga Goltermann.

Interview mit Inga Goltermann, Leitung der Mitgliederbetreuung und Prokuristin beim IVAM Fachverband für Mikrotechnik

Neugier und Innovationslust

Frau Goltermann, welche Trends gibt es in der Branche?
Inga Goltermann: Der Trend ist die Vernetzung von Mikrosystemen für Anwendungen in nahezu allen Lebensbereichen. Das reicht von 3-D-Druckverfahren über verschiedenste Medizintechniksysteme bis hin zu Consumer Electronics oder Umwelttechnik. Assistenzsysteme beispielsweise werden uns zukünftig 24 Stunden am Tag begleiten können.

Wie lauten die Anforderungen an Berufseinsteiger?
Inga Goltermann: Neben der ausgewiesenen fachlichen Kompetenz der Absolventen legen Unternehmen großen Wert auf Einsatzbereitschaft, Neugier und Innovationslust.

Wenn sich Akademiker weiterentwickeln wollen ...
Inga Goltermann: … und eine Selbstständigkeit, zum Beispiel über ein Start-up, anstreben, sollten sie sich betriebswirtschaftliches Fachwissen aneignen und sich vernetzen. Stetige Kontaktpflege innerhalb der Branche ist ein Muss. Dies ist etwa über Netzwerke wie unseren Verband möglich. <<

Als innovativer Automobilzulieferer sind wir kontinuierlich auf der Suche nach guten Absolventen, vor allem der Studienrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau, Informatik, Physik und Wirtschaftsingenieurwesen. Unser Bedarf wird weiter wachsen und die Entwicklungsperspektiven sind hervorragend. Gearbeitet wird in interdisziplinären, internationalen Teams – daher achten wir bei Berufseinsteigern neben fachlichen Kompetenzen vor allem auf Soft Skills wie Kommunikations- und Teamfähigkeit.

Engagierte und motivierte Absolventen aus den Bereichen Maschinenbau, Optoelektronik, Informatik oder Physik, die bereits erste Praxiserfahrungen im Bereich Lasertechnik gesammelt haben, bekommen bei uns früh Verantwortung übertragen. Sie können sich aktiv in strategierelevante Projekte einbringen – und dies in einem zukunftsweisenden Umfeld digitaler Transformation mit agilen Entwicklungsteams. Wir verfügen über hochklassig ausgestattete Labore für Laserforschung mit umfangreicher Simulationssoftware, filigraner Messtechnik und modernen Analyseverfahren.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • CAD-, CAM-, CIM-Systeme anwenden
  • Elektronik
  • Feinwerktechnik, Fertigungstechnik
  • Hochfrequenztechnik
  • Informationstechnologie, Informatik
  • Kalkulation
  • Kundenberatung, -betreuung
  • Mess-, Steuer-, Regeltechnik (MSR)
  • Mikrocomputer- und Mikroprozessortechnik
  • Mikroelektronik und Mikrosystemtechnik
  • Optik, Optoelektronik
  • Projekt- und Qualitätsmanagement
  • Technische Mechanik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • unternehmerisches Denken und Handeln
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/mikrosystemtechnik-und-optische-technologien