Metall­erzeugung und Metall­bau

Kesselöffnung mit Rührstange und geschmolzener Bronze

Die Arbeitswelt im Überblick

Ob Stahl, Aluminium oder Metall-Verbundstoffe, ob Hüttentechnik oder Metallbau: In dieser Arbeitswelt wird mit verschiedenen Materialien in ganz unterschiedlichen Bereichen gearbeitet. Wie steht es um die Möglichkeiten und Trends am Arbeitsmarkt?

Diese Arbeitswelt wird von Ingenieuren und Ingenieurinnen bestimmt, die neue Produkte und Verfahren entwickeln sowie Produktionsabläufe planen, organisieren und kontrollieren. Die Arbeit in Werkhallen oder auf Baustellen, wo es durchaus auch mal laut oder schmutzig sein kann, ist vielen Akademikern dieser Arbeitswelt nicht fremd. Allerdings werden die meisten Tätigkeiten mittlerweile im Büro am Computer erledigt. So können die Eigenschaften neuer Werkstoffe oder die Stabilität von Stahlkonstruktionen oder Gussteilen mittels spezieller Software heute virtuell berechnet, simuliert und getestet werden.

Im Bereich Metallerzeugung arbeiten vornehmlich Ingenieure für Hüttentechnik oder Werkstofftechnik, die zum Beispiel die Produktion von Stahl steuern und überwachen. Stahl- und Metallbauingenieure dagegen konstruieren etwa Brücken, Pipelines und andere Bauwerke aus Metall. Sie übernehmen leitende Aufgaben in der Herstellung, berechnen die Statik von Bauteilen oder überwachen als Bauleiter/in die Konstruktion vor Ort.

Neben dem jeweiligen Fachwissen aus dem Studium ist im Arbeitsleben vor allem technisches Verständnis gefragt, ebenso wirtschaftliches Denken und Kundenorientierung. Weil die Ingenieure und Ingenieurinnen dieser Arbeitswelt oft an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Abteilungen sitzen, benötigen sie auch Organisations- und Kommunikationstalent. Außerdem sollten sie flexibel sein, was Arbeitszeiten und Geschäftsreisen anbelangt.

Gießereien, metallverarbeitende Unternehmen, Baugesellschaften oder die Automobil- und Schiffbauindustrie – es gibt ganz unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten in diesem Bereich. Ein wichtiger Arbeitgeber ist zum Beispiel die Stahlindustrie: Die Branche besteht aus wenigen, aber zumeist großen Unternehmen. Die metallverarbeitende Industrie dagegen ist ebenso wie das Stahl- und Metallbaugewerbe vornehmlich mittelständisch geprägt. Je nach Größe des Unternehmens bieten sich Ingenieuren und Ingenieurinnen unterschiedliche Möglichkeiten zur Spezialisierung.

Laut Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, fanden die Ingenieure der Metallerzeugung und des Metallbaus in den letzten Jahren einen soliden Arbeitsmarkt vor: „In manchen Regionen gibt es sogar punktuelle Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Die gestiegene Zahl an Studierenden und Absolventen in den vergangenen Jahren dürfte nun zum Abbau dieser Engpässe beitragen."

In der Metallerzeugung und -verarbeitung gibt es Zulieferbetriebe für viele Industriezweige – etwa für die Automobilindustrie, den Maschinen- und Anlagenbau oder die Bauwirtschaft. Gleichzeitig ist die Branche aber stark in den Welthandel eingebunden und steht im harten internationalen Wettbewerb. Nicht nur aufgrund der steigenden Energie- und Rohstoffpreise gilt es daher, die Produktionsprozesse weiter zu verbessern und noch effizienter zu gestalten. Dieses Ziel kommt darüber hinaus der Umwelt zugute. So werden Metalle immer öfter recycelt – Kupfer zum Beispiel, das für die Herstellung von Computerhardware benötigt wird.

Ingenieure aus den Bereichen Metall- und Werkstofftechnik sind auch an der Entwicklung neuer Materialien und innovativer Produkte beteiligt. In Automobilen etwa sollen künftig noch mehr Leichtmetalle anstelle des lange üblichen Stahls verbaut werden. Das senkt das Gewicht und damit auch den Verbrauch des Fahrzeugs.

In puncto Herstellungsverfahren gibt es ebenfalls immer wieder Innovationen. Beispiel 3-D-Druck: Hierbei wird ein Ausgangsmaterial in Pulverform – etwa Metall oder Kunststoff – mittels Laser geschmolzen und Schicht für Schicht zu einem dreidimensionalen Bauteil aufgebaut. Anders als beim herkömmlichen Metallguss verbraucht man deutlich weniger Material, da die Werkstücke nicht mehr zugeschnitten und gefräst werden müssen. Jedoch sind mit dem Verfahren in der Regel auch höhere Produktionskosten verbunden. <<

Portraitaufnahme von Dieter Mewes

Interview mit Dieter Mewes, Leiter der VDG-Akademie, Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Gießereiindustrie (bdguss)

Eigene Ideen umsetzen

Herr Mewes, welche Anforderungen müssen junge Ingenieure in der Gießereibranche heute erfüllen?
Dieter Mewes: Man braucht natürlich vor allem die entsprechenden Fachkenntnisse, die man während des Studiums erwirbt. Daneben kommt es aber immer mehr auf die sogenannten Soft Skills an: Einsatzbereitschaft, logisches und analytisches Denken und Verantwortungsbewusstsein sind von Vorteil. Außerdem sollte man den Willen mitbringen, etwas zu verändern. Kreativität ist ebenfalls gefragt: Eigene Ideen entwickeln und diese konsequent umsetzen gehört zu den Anforderungen eines Ingenieurs in der Gießereibranche.

Wie entwickelt sich die Branche? Lassen sich Trends für die nächsten Jahre erkennen?
Dieter Mewes: Es wird immer mehr zu einer Spezialisierung kommen. Deswegen wird der Bedarf an Ingenieuren langfristig weiter zunehmen. <<

Im Bereich Metallbau und Feinmechanik werden die Produkte immer komplexer – und diese Entwicklung betrifft auch unmittelbar die Luft- und Raumfahrttechnik. Hochschulabsolventen, die in diesem Bereich in Ingenieurpositionen einsteigen wollen, sollten daher nicht nur über theoretisches Fachwissen verfügen, sondern auch über einen Bezug zur Praxis – insbesondere zum jeweiligen Produkt. Ein duales Studium, das Hochschulstudium und Praxiserfahrung verbindet, ist dafür ideal. Auch möglichst viele Praktika in der Branche geben einen guten Einblick. Flexibilität, Teamarbeit und interkulturelle Kompetenz sind ebenfalls wichtig.

Als weltweit agierender Automobil- und Industriezulieferer sind wir auf der Suche nach hoch qualifiziertem Nachwuchs. Neben der fachlichen Qualifikation legen wir Wert auf Teamfähigkeit, Innovationsgeist und auf die Fähigkeit zum Querdenken: also auf Bewerber, die mit uns wirklich die Mobilität von morgen gestalten wollen. Dazu gehören auch Flexibilität, globales Denken und Handeln. Wichtig sind uns dabei relevante Praktika. Auslandserfahrungen sind von Vorteil, weitere interkulturelle Erfahrungen kann man in unserem global vernetzten Unternehmen auch „on the job“ sammeln.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Betriebswirtschaft
  • CAD (Computer Aided Design)
  • Entwicklung
  • Fertigungstechnik
  • Gießereitechnik
  • Konstruktiver Ingenieurbau
  • Maschinentechnik
  • Projektmanagement
  • Qualitätsprüfung und -sicherung
  • Stahlbaukonstruktion (Planung, Überwachung)
  • Technische Mechanik
  • Verfahrenstechnik
  • Werkstoffprüfung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • Umgang mit Technik
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/metallerzeugung-und-metallbau