Medizin- und Reha­technik

Bildschirm digitales Röntgengerät

Die Arbeitswelt im Überblick

Ein effizientes Gesundheitswesen wäre ohne moderne Technik nicht denkbar. Experten der Medizin- und Rehatechnik halten die Geräte am Laufen, programmieren Software und forschen an der Technik von morgen. Welche Entwicklungen gibt es in dieser Arbeitswelt?

Überall im Gesundheitsbetrieb stößt man auf die Arbeit von Akademikern und Akademikerinnen aus dem Bereich Medizintechnik: Sie entwickeln die Geräte, die im Praxis- und Krankenhausalltag eingesetzt werden, zum Beispiel Endoskope oder EKG-Geräte. Auch die Software im Medizinwesen stammt von Ingenieuren oder spezialisierten Informatikern: Sie entwickeln beispielsweise Programme für die Computersteuerung medizinischer Geräte oder optimieren die Vernetzung der Daten und das Patientenmanagement in Krankenhäusern. Im Bereich Rehatechnik liegt der Schwerpunkt auf Geräten und Hilfsmitteln, die Menschen mit Einschränkungen das Leben erleichtern – etwa Hörgeräte, Prothesen, künstliche Gelenke und Rollstühle. Im Rettungswesen steht dagegen die Technik im Vordergrund, die bei Bränden, Hochwassern und anderen Katastrophen zum Einsatz kommt. Rettungsingenieure übernehmen oft die technische Planung oder die Leitung der Einsätze.

Je nach konkretem Tätigkeitsbereich entwickeln, programmieren oder verkaufen Medizintechniker/innen medizintechnische Systeme. Die Arbeit findet meist am Rechner im Büro statt, man legt aber auch selbst mit Hand an – etwa bei der Reparatur und Wartung der Geräte beim Kunden vor Ort.

Wenn du in diesem Bereich studieren und arbeiten willst, musst du in jedem Fall technisches und naturwissenschaftliches Interesse mitbringen. Zudem solltest du gerne an Problemlösungen tüfteln, sehr sorgfältig arbeiten und gut organisieren können. Kommunikationsstärke ist ebenso gefordert wie gutes Englisch, denn die Medizintechnikbranche ist international geprägt.

Ein wichtiger Arbeitgeber ist die medizintechnische Industrie; die Branche erzielt einen wichtigen Teil ihrer Erlöse im Ausland. Neben der Industrie gibt es für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt zahlreiche weitere Optionen: bei Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen, in Sanitätshäusern, orthopädischen Werkstätten und Ingenieurbüros. Auch eine Selbstständigkeit ist möglich. Zudem gibt es Optionen in der Forschung an Hochschulen und Instituten. Insbesondere im Rettungsingenieurwesen ist der Öffentliche Dienst ein wichtiger Arbeitgeber, zum Beispiel bei Berufsfeuerwehren. Aber auch private internationale Hilfswerke bieten Stellen an.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet von guten Perspektiven am Arbeitsmarkt Medizin-, Orthopädie- und Rehatechnik: „Die Gesundheitsbranche benötigt technische Experten. Allerdings bilden akademisch ausgebildete Fachkräfte in diesem Bereich – gegenüber Facharbeitern und Meistern – zahlenmäßig nur eine kleine Gruppe."

Die Medizintechnik gilt als eine der innovativsten Branchen Deutschlands. Es wird zum Beispiel an Lösungen für die sogenannte Telemedizin geforscht: So kann man schon seit einer Weile die Vitalfunktionen von Risikopatienten durch Sensoren am Körper auch von zu Hause aus ermitteln und per App an den behandelnden Arzt übertragen. Diese Kommunikation von Maschine zu Maschine, auch „Internet der Dinge“ genannt, gilt als wichtiger Wachstumsmotor der Medizintechnikindustrie. Auch in der Rehatechnik gibt es viele Innovationen. So sind etwa 3-D-Scanner im Einsatz, um damit Körperpartien abzutasten. Dadurch könnte demnächst beispielsweise die Notwendigkeit entfallen, aufwendige Gipsabdrücke herzustellen.

Übrigens: Der Smartphone- und Internet-Boom hat nun auch die Medizintechnik erfasst. Jeden Monat kommen zahlreiche Gesundheits-Apps auf den Markt, die etwa Blutdruckmessungen auswerten oder Leberflecken auf Auffälligkeiten scannen. Das könnte neue Arbeitsmarktchancen für Informatiker/innen mit medizinischen Kenntnissen mit sich bringen. <<

Portraitaufnahme von Manfred Beeres

Interview mit Manfred Beeres vom Bundesverband für Medizintechnologie (BVMed) in Berlin

Medizintechnologische Revolution

Herr Beeres, welche Anforderungen werden im Bereich Medizintechnologie an Berufseinsteiger gestellt?
Manfred Beeres: Bewerber sollten eine ausgeprägte Teamfähigkeit mitbringen, da Fachkräfte in der Medizintechnik die Fähigkeit brauchen, über Disziplinen hinweg zu denken, also beispielsweise die Sprache und Anforderungen von Ärzten verstehen müssen. Die Unternehmen suchen keine fertigen Spezialisten, sondern Fachkräfte mit einem soliden Wissensfundament, die sich im Studium spezielles Wissen im Bereich Medizintechnik angeeignet haben: Elektrotechniker, Informatiker, Maschinenbauer, Physiker beispielsweise.

Welche Branchentrends gibt es?
Manfred Beeres: Die internationalen Entwicklungen in der Medizintechnologie sind unter anderem gekennzeichnet durch fortschreitende Miniaturisierung, verstärkten Einsatz von IT-Technologien, die Entwicklung neuer Biomaterialien mit verbesserter Verträglichkeit und die Integration biotechnologischer Verfahren. Klar ist: Die Entwicklung der Medizintechnologie ist noch lange nicht auf ihrem Höhepunkt. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass der Fortschritt noch rasanter zunehmen wird. Wir stehen am Beginn einer medizintechnologischen Revolution.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Akademiker?
Manfred Beeres: Die Karriereaussichten sind ausgesprochen gut. Unsere Unternehmen bieten qualifizierten Mitarbeitern sowohl national als auch international interessante Perspektiven. <<

Wir entwickeln und fertigen Technik für das Leben, unter anderem Geräte für Krankenhäuser. Darauf verlassen sich die Kunden. Verantwortungsbewusstes Arbeiten, ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und Teamfähigkeit sind deshalb ein Muss für unsere Mitarbeiter. Einsteigen können Abiturienten bei uns schon mit einem dualen Studium: Von unseren Studierenden erwarten wir ein hohes Maß an Eigeninitiative, da sie manchmal auch Teilprojekte übernehmen. Dabei ist es erforderlich, selbstständig, ziel- und ergebnisorientiert zu arbeiten und komplexe Zusammenhänge zu verstehen und zu erfassen.

Kommunikative Stärke ist wichtig, um Kunden zu akquirieren und zu beraten. Auf Menschen zuzugehen und Kontakte zu pflegen gehört dazu. Wenn ein Kontakt zustande gekommen ist, stehen wir zudem als Ansprechpartner in allen Bereichen zur Verfügung. Wir unterstützen zum Beispiel sowohl Arbeitgeber, die einen Arbeitsplatz behindertengerecht ausstatten, als auch die Benutzer unserer Produkte selbst. Deshalb sollte man keine Berührungsängste mit behinderten Menschen haben. Bei uns gibt es viele Quereinsteiger – das Fachliche des Berufs kann man sich gut aneignen.

Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz arbeiten im Bereich der operativen Gefahrenabwehr – also wenn das Unglück, der Schaden, der Brand oder die Verletzung bereits eingetreten sind. Für die Organisation, Vorbereitung und Beschaffung der Einsatzgeräte und Fahrzeuge sowie für die Führung im Einsatzdienst sind umfangreiche Fachkenntnisse notwendig, ebenso wie die Fähigkeiten, interdisziplinär zusammenzuarbeiten und komplexe Zusammenhänge zu erfassen. Eine besondere Herausforderung ist es, im Einsatz unter Stress verschiedene Schutzziele gegeneinander abzuwägen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Akustik, Audiometrie
  • Elektrotechnik, Elektronik
  • Entwicklung
  • Konstruktion
  • Medizinische Informatik
  • Medizintechnik, Biomedizinische Technik
  • Mess-, Steuer-, Regeltechnik (MSR)
  • Orthopädie-, Rehatechnik
  • Prothesenfertigung (Orthopädie)
  • Rechtskenntnisse (Medizinprodukte)
  • Systemsoftware (Entwicklung, Programmierung, Analyse)

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kundenorientierungt
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • systematische Arbeitsweise
  • Teamfähigkeit
  • unternehmerisches Denken und Handeln
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/medizin-und-rehatechnik-3