Mecha­tronik und Auto­matisierungs­technik

Roboter in verschiendster Ausführung im Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik

Die Arbeitswelt im Überblick

In dieser Arbeitswelt kombinierst du Kenntnisse aus Elektrotechnik, IT, Mechanik und Maschinenbau für die Produkte von morgen – zum Beispiel für Roboter in der „intelligenten Fabrik“. Welche Chancen und Entwicklungen gibt es in Mechatronik und Automatisierungstechnik?

Die Aufgabe der Ingenieure und Ingenieurinnen dieser Arbeitswelt ist es, Systeme zu entwickeln und zu betreuen, die technische Prozesse automatisch steuern und regeln. Ein bekanntes Produkt sind zum Beispiel Industrieroboter, die dank einer umfangreichen Sprach-, Bilderkennungs- und Tast-Sensorik sehen, hören und präzise greifen können. Aber auch im Automobil stecken viele Komponenten, die Mechanik und Elektrotechnik kombinieren – zum Beispiel elektronische Fahrerassistenzsysteme, die etwa den Bremsvorgang automatisch auslösen.

Viele Automatisierungs- und Mechatronik-Ingenieure und Ingenieurinnen übernehmen Aufgaben in der Produktionsplanung, der Wartung von Maschinenparks oder der Entwicklung neuer Technologien. Andere sind im technischen Vertrieb oder im Kundenservice anzutreffen und beraten oder schulen Kunden im Umgang mit den komplexen Systemen.

Neben dem Fachwissen aus dem Studium rund um Elektrotechnik, Robotik, Mechatronik oder Maschinenbau benötigt man in dieser Arbeitswelt eine analytische und systematische Arbeitsweise. Ebenso sind Ideenreichtum und Lernbereitschaft gefordert. Da man meist mit Spezialisten aus unterschiedlichen Fachgebieten zusammenarbeitet, sind darüber hinaus Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke sehr wichtig. Nicht zuletzt wird eine ausgeprägte Kundenorientierung erwartet: Wer komplexe Technik verständlich erklären kann, punktet insbesondere im Service und im Vertrieb.

Ein wichtiger Arbeitgeber für die Ingenieure und Ingenieurinnen dieser Arbeitswelt ist die Elektroindustrie. Darüber hinaus bieten sich berufliche Möglichkeiten im Maschinenbau, in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrttechnik, oder in vielen weiteren Industrien. Also in allen Industriezweigen, in denen die Automatisierung eine Rolle spielt.

Der Arbeitsmarkt für Experten der Mechatronik und Automatisierungstechnik ist vergleichsweise positiv, berichtet Dr. Jens Stephani von der Bundesagentur für Arbeit. „Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf relativ geringem Niveau, und die Beschäftigung zeigt sich stabil."

Die deutsche Elektroindustrie ist im Bereich der industriellen Automatisierungstechnik führend auf dem Weltmarkt. Während die Produktion von „Consumer Electronics“ wie etwa Fernseher oder Handys weitestgehend nach Asien verlegt wurde, sind technisch hochkomplexe und oftmals in Einzelfertigung hergestellte Investitionsgüter – etwa elektronische Steuerungen für ganze Produktionsstraßen – oft weiterhin „made in Germany“. So kann die deutsche Elektroindustrie sogar von der Globalisierung und dem Aufbau von Produktionskapazitäten in anderen Ländern profitieren.

Ein Schlüssel zum Erfolg ist es, den technologischen Vorsprung zu verteidigen. Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ arbeiten die Ingenieure und Ingenieurinnen dieser Arbeitswelt daran, mit der „intelligenten“ Fertigung die vierte industrielle Revolution – nach Dampfmaschine, Elektrifizierung und dem Einsatz von Computern – weiter voranzubringen. Ein Beispiel: Lässt die Leistung einer Bohrmaschine nach, wird dies von Sensoren in der Maschine automatisch erkannt. Das System bestellt selbstständig einen neuen Motor, bucht eine/n Servicetechniker/in und passt die Produktionsprozesse an die Einbauzeit an.

Ein weiteres Beispiel betrifft Industrieroboter. Durch immer genauere Sensoren und fortschrittliche Steuerungstechnik können Zusammenstöße zwischen Mensch und Maschine verhindert werden. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die industrielle Produktion. In diesem Zusammenhang spricht man auch von der Vision des „robot farming“: Mehrere kleine Roboter assistieren den mit Datenbrillen und Smartwatches ausgestatteten menschlichen Mitarbeitern direkt am Arbeitsplatz. <<

Portrait von Dr. Michael Schanz.

Interview mit Dr. Michael Schanz, Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.

Einen Blick auf andere Fachrichtungen werfen

Herr Schanz, welche Branchentrends gibt es im Bereich Mechatronik/Automatisierungstechnik?
Michael Schanz: Elektroingenieure der verschiedenen Fachrichtungen werden wieder so intensiv gesucht wie vor der Wirtschaftskrise. Es gibt aber Unterschiede in den Regionen.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Michael Schanz: Ingenieure der Elektrotechnik bringen ein breites Fundament technischer und physikalischer Kenntnisse mit. Die Mathematik dient dabei als Werkzeug. Im Studium sollte man sich einen Überblick über die verschiedenen Fachrichtungen verschaffen, bevor man sich ab Mitte des Studiums spezialisiert. Damit fällt es leicht, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten und auch einmal die Fachrichtung zu wechseln. Aus einem technischen Vorgang eine Verallgemeinerung abzuleiten und aus diesem Modell neue Ideen entwickeln zu können, das zeichnet Ingenieure aus.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Michael Schanz: Absolventen haben sehr gute Einstiegschancen. Kommunikative und teamfähige Ingenieure haben gute Chancen auf eine Karriere im technischen Management. Eine ähnlich hohe Reputation haben Spezialisten, die Ideengeber für viele andere sind. <<

Wir stecken mitten in der vierten industriellen Revolution. Im Rahmen von Industrie 4.0 sind Kompetenzen im Bereich Mechatronik und Automatisierungstechnik unverzichtbar. Das Fraunhofer IPA bietet Absolventen in diesem Bereich hervorragende Arbeitsbedingungen, verbunden mit der Möglichkeit, mit hohem Industriebezug zu promovieren. Schon im Studium finden Sie bei uns Hiwi-Jobs und Entfaltungsmöglichkeiten im Rahmen von Studien-, Bachelor- und Masterarbeiten. Der Trend zur Digitalisierung unserer Wirtschaft bietet jungen Leuten mit entsprechendem Interesse ein ganz besonders spannendes Forschungs- und Arbeitsfeld.

In der Industrie 4.0 rücken Mensch und Technik enger zusammen. Das bedeutet aber nicht, dass Ingenieure mehr Qualifikationen aufweisen müssen, sondern vor allem andere. Durch die steigenden Anforderungen in der Automatisierungstechnik wird es wichtiger, dass Ingenieure ihre Karriere interdisziplinär aufbauen. Sie werden etwa enger mit Softwareentwicklern zusammenarbeiten. Wir bieten entsprechend nicht nur Absolventen der Ingenieurwissenschaften, sondern auch der Informatik spannende Perspektiven. Deren Know-how wird in der Automatisierungstechnik künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.

In der Automatisierungstechnik fällt der Start leicht, wenn man Grundkenntnisse in Mechanik und Elektronik hat. Das erleichtert die Kommunikation in interdisziplinären Teams, in denen mechatronisches Know-how schon in frühen Phasen der Produktentwicklung gefragt ist. In der Praxis entwickeln Ingenieure meist einen persönlichen Schwerpunkt – entweder in der mechanischen Konstruktion oder in der Entwicklung elektronischer Baugruppen. Doch schon mit der Auswahl der Hochschule wird eine wichtige Weiche gestellt.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Elektronik, Elektrotechnik
  • Entwicklung
  • Fertigungstechnik
  • Forschung
  • Informationstechnik, Computertechnik
  • Konstruktion
  • Mess-, Steuer-, Regelungstechnik (MSR)
  • Projektmanagement
  • Prozessleittechnik
  • Qualitätsprüfung, Qualitätssicherung
  • Schaltungstechnik
  • Technische Informatik
  • vertiefte fachspezifische technische Kenntnisse: Automatisierungstechnik, Prozessautomatisierung, Fertigungs-, Auftragssteuerung, Mechatronik, Mikroelektronik, Mikrocomputer-, Mikroprozessortechnik, Mikrosystemtechnik, Maschinentechnik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische und systematische Arbeitsweise
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kreativität (immer neue technische Lösungen finden)
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/mechatronik-und-automatisierungstechnik-3