Mathe­matik und Statistik

Zahlenkolonne aus Eins und Null auf grünem Hintergrund.

Die Arbeitswelt im Überblick

Akademiker/innen aus den Bereichen Mathematik und Statistik werden überall dort gebraucht, wo strukturierte Lösungen für komplexe Probleme gefragt sind. Analytisches Denken und Flexibilität sind grundlegend für den beruflichen Erfolg. Welche Trends bestimmen das Arbeitsumfeld?

Ohne sie hätte es die Pyramiden nie gegeben, ebenso wenig wie die Relativitätstheorie: Mathematik ist die Grundlage für die unterschiedlichsten menschlichen Errungenschaften und eine wichtige Hilfswissenschaft für Physik, Chemie und Biologie, für das Ingenieurwesen oder die Wirtschaftswissenschaften.

Die konkreten Aufgaben von Mathematikern und Mathematikerinnen sind abhängig von ihrem jeweiligen Tätigkeitsfeld. Technomathematiker/innen simulieren beispielsweise die Aerodynamik von Flugzeugen. Statistiker/innen prognostizieren, wie sich die Bevölkerung in 50 Jahren zusammensetzen wird. Und Wirtschaftsmathematiker/innen behalten im Unternehmen die Geschäftszahlen im Blick.

Wenn du in einem der Berufe rund um die Mathematik arbeiten willst, solltest du neben der Begeisterung für Zahlen, Formeln und Gleichungen auch eine analytische, strukturierte Arbeitsweise mitbringen. Weiterhin kann es wichtig sein, über den Tellerrand deiner eigentlichen Disziplin hinauszublicken: Je nach konkretem beruflichen Einsatzbereich sind interdisziplinäre Kenntnisse hilfreich oder sogar gefordert, etwa in Informatik, BWL oder dem Ingenieurwesen. Außerdem werden Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke immer wichtiger – in der Abstimmung mit deinen Kollegen und gegebenenfalls auch gegenüber Kunden. Solche sozialen Kompetenzen erleichtern den beruflichen Ein- und Aufstieg ebenso wie Fremdsprachenkenntnisse.

Ein klassischer Einsatzbereich für Mathematiker/innen ist die Forschung und Entwicklung – sei es an Hochschulen und Instituten, wo zumeist Grundlagenforschung betrieben wird, sei es in den Entwicklungsabteilungen der Industrie, wo es um angewandte Forschung, um neue Produkte und Verfahren geht. Auch die IT-Branche ist ein wichtiger Arbeitgeber. Mathematiker/innen können ihre Fähigkeiten zum Beispiel beim Programmieren von Software einsetzen. Weitere Chancen bieten sich im Controlling von Unternehmen oder im Finanzwesen, also bei Banken und Versicherungen. Dort geht es zum Beispiel darum, finanzielle Risiken von Wertpapieren zu beurteilen oder mithilfe statistischer Modelle Marktanalysen zu erstellen.

Statistiker/innen sind oftmals in der Markt- und Meinungsforschung anzutreffen, wo sie Daten etwa zum Konsum- oder zum Wahlverhalten der Bürger erheben und auswerten. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten, etwa bei statistischen Ämtern, Sozialversicherungen und anderen Bereichen des Öffentlichen Dienstes.

Was die Beschäftigungsentwicklung betrifft, so zeichnet Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, ein positives Bild: „Die analytischen Kompetenzen von Mathematikern und Statistikern sind in vielen Tätigkeitsfeldern gefragt. Auch wenn sich wenige Stellen explizit an diese Gruppe richten, bieten sich Berufseinsteigern in vielen Bereichen dennoch gute Perspektiven."

Das Zeitalter der Globalisierung steht ganz im Zeichen der Vernetzung – von Menschen, Unternehmen und ganzen Volkswirtschaften. Das bringt Chancen mit sich, birgt aber auch Risiken. Absolventen und Absolventinnen aus Mathematik und Statistik sind zum Beispiel gefragt, wenn es um die Risikoabschätzung auf den globalen Finanzmärkten geht. Oder sie prognostizieren im Auftrag von Versicherungsunternehmen, welche Schäden durch den Klimawandel drohen, etwa durch Dürren oder die Überflutung von Küstengebieten. Auch im Bereich der Sicherheitstechnik sind die Fachkenntnisse von Mathematikern gefragt – etwa was die Entwicklung von Verschlüsselungssystemen betrifft.

In der IT-Branche gilt „Big Data“ als großer Zukunftstrend. Die gigantischen Datenmengen, die in Unternehmen jede Minute anfallen, sollen ausgewertet und genutzt werden. Hierfür sind nicht nur leistungsfähige Rechner vonnöten: Die Kunst ist es, einen Algorithmus zu entwickeln, der die wichtigen Informationen aus dem Meer von Daten fischt. In diesem Zusammenhang entstehen derzeit neue Berufsbilder, für die fundierte Kenntnisse in Mathematik und Statistik sehr nützlich sind. <<

Portrait von Günter M. Ziegler.

Interview mit Professor Günter M. Ziegler, Institut für Mathematik an der FU Berlin und Präsidiumsmitglied der Deutschen Mathematiker-Vereinigung

Alle Karrierechancen offen

Herr Ziegler, welche Trends gibt es in der Branche?
Günter M. Ziegler: In den vergangenen 30 Jahren haben sich Mathematiker über die Theorie-Arbeit hinaus zu praktisch interessierten und breit einsetzbaren Fachleuten entwickelt, die ihr Know-how zur Lösung konkreter Probleme anwenden können. Beispiele hierfür sind Wirtschafts-, Techno- oder Ingenieurmathematiker. Mathematiker sind aber auch bei der Entwicklung von Computerspielen und Effekten für Kinofilme aktiv dabei. Sie sind die Vordenker der Software, mit der später 3-D-Welten „real“ wirken.

Welche Anforderungen müssen Bewerber erfüllen?
Günter M. Ziegler: Wer als Mathematiker in der Industrie arbeiten möchte, sollte schon während des Studiums über den Tellerrand hinausschauen: Neben den Noten zählen auch Programmierkenntnisse, Praktika sowie Kommunikationsfähigkeit. Am Ende stehen Mathematikern viele verschiedene Karrieren offen: von der Forschung und Entwicklung über Beratung bis ins Spitzenmanagement. <<

Wie wahrscheinlich ist ein Unfall mit einem Auto? Wie hoch ist das Risiko, sich beim Fußballspielen zu verletzen? Was kostet eine lebenslange Rente? Damit ein Unternehmen solche Risiken versichern und finanzieren kann, braucht es Mathematiker und Statistiker. Sie können auch komplexe Modelle entwickeln, mit denen Unternehmen gesteuert oder bewertet werden. Bewerber sollten gerne in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten. Mathematiker und Statistiker werden an den unterschiedlichsten Stellen im Unternehmen gebraucht – auch in Führungspositionen.

Von Bewerberinnen und Bewerbern erwarten wir einen mindestens guten Abschluss in Mathematik oder Statistik. Je nach Einsatzgebiet sollten sie über Kenntnisse in Stichprobentheorie oder Zeitreihenanalysen in mindestens einer Programmiersprache oder Statistiksoftware sowie über gute Englischkenntnisse verfügen. Außerdem kommt es auf Teamfähigkeit und Genderkompetenz an. Auch ein Teil unseres IT-Personals verfügt über ein abgeschlossenes Mathematikstudium. Qualifikation und Engagement sind Kriterien für den beruflichen Aufstieg.

Für Mathematiker und Statistiker gibt es bei Union Investment interessante Beschäftigungsmöglichkeiten. So sind etwa das quantitative Portfoliomanagement und das Risikocontrolling von hohem mathematischen Sachverstand geprägt. Auch in der Entwicklung von Produkten sowie in der Marktforschung bieten sich Betätigungsfelder. Neben ausgeprägter Teamfähigkeit und hoher Lern- und Leistungsbereitschaft sollten Interessenten auf jeden Fall Kapitalmarkt-Know-how mitbringen, idealerweise erworben durch praktische Erfahrungen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Angewandte Mathematik, Numerische Mathematik
  • Datenübernahme und -aufbereitung, Datenanalyse
  • 
Fachpublikationen erstellen

  • Finanz-, Versicherungs-, Wirtschaftsmathematik

  • Lehrtätigkeit (Hochschule)
  • 
Modellbildung, Simulation (IT)
  • 
Programmieren

  • Projektmanagement

  • Statistik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Flexibilität
  • Kommunikationsstärke
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft (regelmäßige Weiterbildung)
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit (innerhalb eines Projektteams arbeiten)
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/mathematik-und-statistik