Maschinen- und Anlagen­bau

Nahezu voll automatisierte Systeme sorgen für die Herstellung unterschiedlicher Produkte in der Elsdorfer Molkerei Heideblume.

Die Arbeitswelt im Überblick

Die beruflichen Möglichkeiten im Maschinen- und Anlagenbau sind vielfältig: Du kannst etwa neue Maschinen entwickeln, die Fertigung überwachen oder in der Kundenbetreuung tätig sein. Wie sind die Beschäftigungsmöglichkeiten in diesem Bereich? Welche Trends zeichnen sich ab?

Es gibt kaum ein Produkt, das heute noch ohne maschinelle Hilfe hergestellt wird. Und stets wird an der Verbesserung der Verfahren in der maschinellen Fertigung gearbeitet: Maschinen und Produktionsanlagen leisten immer mehr und werden trotzdem kleiner, leichter und energiesparender. Das ist den Ingenieuren und Ingenieurinnen aus dem Maschinen- und Anlagenbau zu verdanken.

Der größte Teil der Arbeit fällt zumeist nicht in der Produktionshalle, sondern am Computer an. So entwirfst du als Konstruktionsingenieur/in neue Bauteile mithilfe spezieller Konstruktionssoftware. Und als Serviceingenieur/in kannst du die Programmierung der Maschinen teils per Fernwartung vom Schreibtisch aus vornehmen. Als Inbetriebnahmeingenieur/in dagegen kontrollierst du den reibungslosen Ablauf eines Fertigungsprozesses auch direkt in der Werkhalle.

Über Fachwissen hinaus werden im Berufsleben weitere Fähigkeiten verlangt. So sollten Hochschulabsolventen Planungs- und Organisationsfähigkeit sowie eine analytische Arbeitsweise mitbringen. Für die Zusammenarbeit mit Kunden und Kollegen sind außerdem Kommunikationsstärke, Teamfähigkeit und Flexibilität gefragt. Gerade wenn du in der Forschung und Entwicklung arbeitest, solltest du auch Pioniergeist und Kreativität mitbringen. Und nicht zuletzt wird von Ingenieuren erwartet, dass sie wirtschaftlich denken und die Kosten eines Projekts nicht aus den Augen verlieren.

Der wichtigste Arbeitgeber für die Ingenieure dieser Arbeitswelt sind die Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus – vom regionalen Mittelständler bis hin zum international operierenden Industriekonzern. Es bieten sich aber auch Chancen in anderen Branchen. So setzen der Automobilbau und zahlreiche weitere Industriebereiche ebenfalls auf die Kenntnisse dieser Absolventen. Weitere Optionen gibt es in Ingenieurbüros oder an Hochschulen und Forschungsinstituten.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, schätzt die Beschäftigungslage positiv ein: „Ingenieure der Maschinen- und Fahrzeugtechnik finden einen guten Arbeitsmarkt vor. Nachdem es in den vergangenen Jahren sogar punktuell Engpässe an qualifizierten Kräften gegeben hatte, dürfte die gestiegene Zahl an Studierenden und Absolventen nun zum Abbau dieser Engpässe beitragen.“

Obwohl sich der deutsche Maschinen- und Anlagenbau mit harter internationaler Konkurrenz konfrontiert sieht, gilt die Branche als ein Gewinner der Globalisierung. Gründe sind der wirtschaftliche Aufschwung und steigende Produktionsleistungen in Schwellenländern wie China oder Indien, die oftmals auf Maschinen und Produktionsanlagen „made in Germany“ beruhen. Gerade bei hochkomplexen, oftmals in Einzelfertigung hergestellten und entsprechend teuren Maschinen gleichen die hohen Qualitätsstandards und der technologische Vorsprung die höheren Kosten des Produktionsstandortes Deutschland weitestgehend aus.

Um diesen Innovationsvorsprung auch in Zukunft zu halten, sind große Anstrengungen nötig. Als Schlüsseltechnologie gilt hierbei die weitere Automatisierung von Fertigungsprozessen: Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ sollen die Fabriken der Zukunft von „intelligenten“ Maschinen bevölkert werden – zum Beispiel von selbststeuernden Industrierobotern, die dank eingebauter Sensoren automatisch menschlichen Arbeitskräften ausweichen.

Ein weiterer Aspekt von „Industrie 4.0“ betrifft die riesigen Datenmengen, die in der computergesteuerten Produktion anfallen: Diese können ausgewertet und die Ergebnisse dann zur Verbesserung der maschinellen Prozesse genutzt werden. Hier droht der deutschen Industrie Konkurrenz durch US-amerikanische Internetkonzerne, die starke Kompetenzen in puncto Softwaretechnik besitzen. Hochschulabsolventen und -absolventinnen, die fit sind im Bereich IT und neue Technologien, sind in der Branche dementsprechend gefragt – bei Großunternehmen ebenso wie bei kleineren Mittelständlern, die sich fit für die digitale Zukunft machen wollen. <<

Portrait von Jörg Friedrich.

Interview mit Dr. Jörg Friedrich, Abteilungsleiter Bildung des Verbandes für Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)

Innovativ, kundenorientiert und ressourcenschonend

Herr Friedrich, welche Anforderungen müssen Berufseinsteiger erfüllen?
Jörg Friedrich: Maschinenbau bedeutet: innovative Produkte und Dienstleistungen, die in enger Abstimmung mit dem Kunden entstehen. Im Unternehmen arbeiten Ingenieurinnen und Ingenieure Hand in Hand mit Facharbeiterinnen und Facharbeitern. Das im Studium Erlernte muss jederzeit in der Praxis anwendbar sein. Berufseinsteiger sollten daher kundenorientiert handeln und kommunizieren können. Basis dafür ist eine solide Ausbildung in den ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen.

Wie entwickelt sich die Branche?
Jörg Friedrich: Der Maschinen- und Anlagenbau ist eine Schlüsselindustrie und ein Treiber von Innovationen. Produktion, Vertrieb und Service erfolgen weltweit. Die Maschinen werden intelligenter und zunehmend miteinander vernetzt, der Service internationaler und komplexer. Durch höhere Energieeffizienz der Maschinen und den schonenden Umgang mit Ressourcen trägt der Maschinenbau maßgeblich zum Umwelt- und Klimaschutz bei. <<

Für die Entwicklung unserer modernen Technologien sind hoch qualifizierte und motivierte Ingenieurinnen und Ingenieure entscheidend. Durch unsere vielseitige Produktentwicklung bieten wir Ingenieuren eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten: neben dem Bereich Maschinenbau auch in Mechatronik, Elektrotechnik und technischer Informatik. Unsere Getriebe sind hochkomplexe Produkte – daher sind neben einem guten Studienabschluss vor allem das Interesse und die Leidenschaft für innovative Technologien sowie Kreativität wichtig, um erfolgreich in das Berufsleben zu starten.

Ein erfolgreiches Studium mit der Fachrichtung Fahrzeugtechnik, Maschinenbau oder Elektrotechnik und praktische Erfahrungen – idealerweise bereits zuvor eine technische Ausbildung – sowie ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit bilden die optimale Grundlage für den Einstieg in den Bereich der technischen Überwachung. Nach einem achtmonatigen Traineeprogramm erwartet Berufseinsteiger ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld: die Prüf- und Sachverständigentätigkeit. Der ständige Kundenkontakt bereichert dabei die Arbeit.

Erfolgreiche Ingenieure verfügen über die Fähigkeit, sich in technische Problemstellungen hineinzudenken und Lösungen zu entwickeln. Daneben benötigen sie gute Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge sowie eine strukturierte Denk- und Arbeitsweise. Den optimalen Berufseinstieg ermöglichen gute Englischkenntnisse, Kommunikationsgeschick sowie hohes Verantwortungsbewusstsein. Für Studieninteressierte bieten wir vielseitige duale Studiengänge an, und Absolventen können die Luftfahrt entweder als Direkteinsteiger oder über unser Traineeprogramm für sich entdecken.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Anlagenplanung und -bau
  • Entwicklung
  • Fertigungstechnik
  • Konstruktion
  • Maschinentechnik
  • Mathematik
  • Projektierung
  • Qualitätsmanagement
  • Technische Mechanik
  • Technische Physik
  • Verfahrenstechnik
  • Werkstoffprüfung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/maschinen-und-anlagenbau-2