Lehr­amt

Schulkreide, Tafel, Schule

Die Arbeitswelt im Überblick

Als Lehrer oder Lehrerin hast du viel mit Menschen zu tun – und mit Fächern, die dich interessieren. Welche Bedingungen und Möglichkeiten gibt es am Arbeitsmarkt. Was sind aktuelle Trends?

Sie sind in der Primar- oder Sekundarstufe tätig, an Gesamtschulen oder Gymnasien, allgemeinbildenden oder beruflichen Schulen – je nach Schulart und Klassenstufe kann sich der Berufsalltag von Lehrerinnen und Lehrern oft stark unterscheiden. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten. Auf Grundlage des Lehrplans und des Wissensstandes ihrer Klasse bereiten Lehrer/innen den Unterricht vor. Dafür greifen sie nicht nur auf bestehende Unterrichtsmaterialien zurück, sondern werten auch aktuelle Fachliteratur und Medien aus. Sie erstellen Klassenarbeiten, korrigieren und bewerten diese – und das nicht selten abends oder am Wochenende. Gute Lehrer/innen wissen lernschwache und begabte Schüler gleichermaßen zu fördern und schaffen es auch, Einwandererkinder, die die Sprache nicht gut beherrschen, in ihren Unterricht zu integrieren. Außerdem führen Lehrer/innen Elterngespräche und kümmern sich um die Organisation von Klassenfahrten und anderen Schulveranstaltungen.

Grundvoraussetzung für den Beruf ist, dass du gerne mit Menschen arbeitest und keine Scheu hast, vor einer größeren Gruppe zu sprechen. Wichtig sind auch gute Nerven, Geduld und Durchsetzungsfähigkeit. Zudem solltest du Selbstdisziplin mitbringen und dich gut organisieren können – wenn du Aufgaben gerne mal auf den nächsten Tag verschiebst, könntest du später im Beruf Probleme bekommen. Als Lehrer/in solltest du Freude an deinem Fach haben und die auch weitergeben können. Zudem benötigst du Kenntnisse in Didaktik und Pädagogik. Diese erwirbst du im Studium und im anschließenden Lehramtsreferendariat.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet, dass sich der Arbeitsmarkt für Lehrer in den vergangenen Jahren zwar grundsätzlich positiv entwickelt hat: „Die Situation stellt sich jedoch nach Bundesländern, Schulformen und Schulfächern unterschiedlich dar.“

Wie die Beschäftigungssituation in Zukunft aussehen wird, ist nur schwer vorherzusehen. Viele Prognosen rechnen eigentlich mit grundsätzlich sinkenden Schülerzahlen in den kommenden Jahren und einem dementsprechend rückläufigen Lehrerbedarf. Was aber passiert, wenn mehr Migranten mit schulpflichtigen Kindern nach Deutschland kommen? Und wie verändert sich der Bedarf, wenn die Politik das Rentenalter für Lehrer/innen herauf- oder heruntersetzt? Solche gesellschaftlichen Entwicklungen und politischen Entscheidungen sind nicht immer vorhersehbar. Die Lehrerbedarfsprognose von heute kann also morgen schon veraltet sein.

Je unsicherer die Prognosen, desto wichtiger ist Flexibilität: Wer Lehramt studieren will, sollte nicht nur hinsichtlich der Unterrichtsfächer variabel sein, sondern auch die Bereitschaft mitbringen, nach dem Studienabschluss in ein anderes Bundesland oder an eine andere Schulform als ursprünglich geplant zu wechseln. Zudem gibt es nicht nur beim Staat, sondern auch im privaten Bildungsbereich Stellen.

Bildung ist Ländersache, weshalb sich die Schulsysteme in Deutschland sehr stark unterscheiden. Auch die beruflichen Bedingungen können verschieden sein. Während beispielsweise ein Teil der Bundesländer ihre neuen Lehrer und Lehrerinnen verbeamtet, beschäftigt sie der andere Teil stattdessen auf Angestelltenbasis. Die Studienwege ins Lehramt unterscheiden sich ebenso – in manchen Bundesländern wurde der Zugang vornehmlich auf Bachelor und Master umgestellt, in anderen ist weiterhin das Staatsexamen maßgeblich. Generell gilt: Der Lehrerberuf und die Lehramtsausbildung wandeln sich beständig. Wenn du über ein Lehramtsstudium nachdenkst, solltest du dich daher vorab genau über den aktuellen Stand informieren, etwa bei den Hochschulen und auf den Internetseiten der jeweiligen Kultusministerien. Diese stellen auch länderspezifische Bedarfsprognosen bereit.

Die Bildungsstandards der einzelnen Bundesländer sollen in Zukunft mehr und mehr vereinheitlicht werden, um eine bessere Vergleichbarkeit der Leistungen zu erreichen und auch den Wechsel in ein anderes Bundesland für Schüler/innen und Lehrer/innen zu erleichtern. Dieser Trend zeigt sich auch in der steigenden Bedeutung von Bildungs-Vergleichsstudien wie PISA. <<

Heinz-Peter Meidinger (Bayern), Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverband (DPhV) in Berlin (BE), am Freitag (08.11.13).

Interview mit Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes

Humor hilft im Unterricht

Herr Meidinger, wie hat sich das Berufsbild des Lehrers in den vergangenen Jahren verändert?
Heinz-Peter Meidinger: Natürlich hat die wachsende Heterogenität der Schülerschaft die Anforderungen an den Lehrerberuf verändert. Diagnosefähigkeit und individuelle Förderung sind wichtiger geworden. Aber trotz fortschreitender Digitalisierung wird die zentrale Rolle der Lehrkraft als wesentliches Medium des Lernprozesses erhalten bleiben. Wer den Lehrer der Zukunft auf eine Rolle als Lernbegleiter oder Moderator reduzieren will, irrt sich.

Welche Fähigkeiten sollten Lehrerinnen und Lehrer mitbringen?
Heinz-Peter Meidinger: Es sind mehrere Persönlichkeitsmerkmale, die angehende Lehrkräfte bereits ins Studium mitbringen sollten: Erstens sollten sie Kinder mögen, also Empathiefähigkeit mitbringen. Zweitens sollten sie für ihre Fächer brennen und ihre Begeisterung dafür auf die Kinder übertragen können. Und drittens sollten angehende Lehrkräfte Humor haben. Der hilft, den Unterricht aufzulockern, und zeigt überdies, dass man sich selbst nicht zu ernst nimmt.

Hamburg stellt in den kommenden Jahren für alle Schulformen neue Lehrkräfte ein. Besonders groß ist der Lehrerbedarf beispielsweise in den Fächern Physik, Mathematik, Chemie, Kinder- und Jugendpflege sowie in Elektro- und Metalltechnik. Auch „Darstellendes Spiel“ ist derzeit ein Mangelfach. Außerdem werden insbesondere Sonderpädagogen benötigt. Lehrkräfte sollten sich den komplexen Anforderungen der Schule stellen wollen – unterrichten, erziehen, beraten und fördern – und sich für schulische Entwicklungsprozesse engagieren.

Wer sich für den Lehrerberuf entscheidet, sollte vor allem gern mit Schülern arbeiten und sich für seine Unterrichtsfächer begeistern können. Im sächsischen Schuldienst sind die beruflichen Perspektiven für Absolventen der Lehramtsstudiengänge sehr gut, denn in den nächsten Jahren werden viele Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt. Einen besonders großen Einstellungsbedarf gibt es für Lehrkräfte an Oberschulen und berufsbildenden Schulen sowie für Sonderpädagogen. Fachspezifisch ist der Bedarf für Lehrkräfte in den MINT-Fächern besonders hoch.

Sehr gute Chancen auf eine feste Anstellung in Bayern haben angehende Lehrkräfte an Grund- und Mittelschulen, Förderschulen und Berufsschulen. Die Prognosen für Realschulen und Gymnasien fallen je nach Fachrichtung sehr unterschiedlich aus. Der Bedarf ist hier vor allem in bestimmten Fächerkombinationen wie Mathematik und Naturwissenschaften vorhanden. Die Stellensituation an Grundschulen und im Bereich Sonderpädagogik wird sich im nächsten Jahrzehnt voraussichtlich recht günstig entwickeln. An beruflichen Schulen gibt es in den kommenden Jahren vor allem Bedarf in den Fachrichtungen Metalltechnik, Elektro- und Informationstechnik.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Didaktik
  • Dokumentation
  • Erziehungswissenschaft, Pädagogik
  • Lernzielkontrolle
  • Methodik
  • Schulpsychologie
  • Unterrichtsmethoden
  • weitere Anforderungen unterscheiden sich je nach Fachgebiet und Einsatzbereich des Lehrers/der Lehrerin

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchsetzungsvermögen
  • Einfühlungsvermögen
  • Geduld
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Konfliktfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Motivationsfähigkeit
  • Organisationsvermögen
  • Präsentationsfähigkeit
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/lehramt