Land­schafts- und Raum­planung

Luftaufnahme einer Stadt mit Fluss

Die Arbeitswelt im Überblick

Landschaftsarchitektur, Wirtschaftsförderung oder Verkehrsplanung – die Arbeitswelt Landschafts- und Raumplanung bietet viele Einsatzgebiete. Wie steht es um den Arbeitsmarkt? Welche Trends zeichnen sich ab?

Wenn du in einem Beruf rund um die Landschafts- und Raumplanung arbeitest, hast du oftmals das große Ganze im Blick. Du bringst Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung in Einklang. Du berücksichtigst Aspekte wie Mobilität, Energieversorgung und Naturschutz. Du bringst eine Vielzahl von Interessen – wirtschaftliche, ökologische, soziale, politische und rechtliche – auf einen Nenner. So sorgst du dafür, dass sich Dörfer, Städte und Regionen nachhaltig entwickeln.

Die zentralen Tätigkeiten in dieser Arbeitswelt sind das Analysieren und das Planen: Wie wirkt sich eine neue Straßenbahnlinie auf die Pendlerströme in der Region aus? Könnte man durch einen neuen Park den Zuzug junger Familien fördern? Wie bringen wir Unternehmen dazu, bei uns zu investieren? Und auf welcher Trasse sollte die Umgehungsstraße verlaufen, damit die Umwelt möglichst wenig beeinträchtigt wird? Je nach konkretem Beruf sind die Tätigkeiten oft sehr unterschiedlich. Als Geograf/in erhebst und analysierst du raumbezogene Daten. Als Landschaftsarchitekt/in gestaltest du Parks oder weist Naturschutzgebiete aus. Als Verkehrsplaner/in simulierst du Verkehrsströme am Rechner, erstellst Gutachten und präsentierst diese vor Bürgern und Politikern.

Für Aufgaben wie diese brauchen die Akademiker dieser Arbeitswelt Organisationstalent, Kommunikationsstärke, und Durchsetzungskraft, aber auch Kritikfähigkeit und Kompromissbereitschaft – schließlich arbeiten sie mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft sowie mit Experten aus anderen Fachgebieten zusammen, etwa Umweltwissenschaftlern, Bauingenieuren oder Verwaltungsspezialisten. In Planungs- und Entwurfsphasen benutzen sie spezielle Konstruktions- und Kartografie-Software. Technisches Verständnis ist ebenso erforderlich wie räumliches Vorstellungsvermögen.

Ein wichtiger Arbeitgeber in diesem Bereich ist der Öffentliche Dienst – vom Stadtplanungsamt über die Umweltbehörde bis zum Amt für Wirtschaftsförderung. Arbeitsplätze finden sich aber auch in der freien Wirtschaft, und dort insbesondere bei Architekturbüros für Orts-, Regional- und Landesplanung oder für Garten- und Landschaftsgestaltung. Aber auch Baufirmen und Gartenbaubetriebe kommen als Arbeitgeber in Betracht, ebenso wie Immobiliengesellschaften, Wirtschaftsverbände oder Umweltschutzorganisationen. Viele Akademiker/innen dieses Bereichs machen sich später auch selbstständig, zum Beispiel mit einem eigenen Planungsbüro.

Laut Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, hat sich der Arbeitsmarkt im Bereich Landschafts- und Raumplanung zuletzt durchaus positiv entwickelt: „Da es sich aber insgesamt um ein eher kleines Berufsfeld handelt und die Zahl der Stellenneuzugänge mit durchschnittlich rund 1000 in den letzten Jahren recht gering ist, fällt es nicht immer ganz leicht, auf Anhieb den passenden Job zu finden."

Der demografische Wandel bestimmt die Landschafts- und Raumplanung: Während ländliche Regionen mit dem Wegzug junger Menschen zu kämpfen haben, steigt die Bevölkerung in Wachstumsregionen wie Berlin, Hamburg und München kontinuierlich an. In strukturschwachen Gegenden ist es die Herausforderung, neue Wachstumsimpulse zu setzen. In den Metropolen gilt es hingegen, bezahlbaren Wohnraum auch für einkommensschwache Bevölkerungsgruppen und Neubürger mit Migrationshintergrund zu schaffen – und Letzteren dadurch die Integration zu erleichtern.

Ebenfalls wichtig ist es, den knappen Raum in der Stadt effizient zu nutzen. Dank neuartiger Sensoren zur Messung der Verkehrs- und Fußgängerströme kann man vielleicht schon bald die Infrastruktur noch genauer an den tatsächlichen Bedarf anpassen. Auch innovative Mobilitätskonzepte sind höchst willkommen – etwa Carsharing-Modelle und intelligente Parkplatzsuchsysteme für das Smartphone. Das kann dazu beitragen, den Verkehr zu verringern und mehr Platz für Fußgänger zu schaffen. Bei all ihrer Kreativität sollten die Experten dieser Arbeitswelt aber stets daran denken, die betroffenen Bürger in die Planungen einzubeziehen. <<

Portrait von Ingeborg Paland.

Interview mit Ingeborg Paland, Bundesgeschäftsführerin des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla)

Städte im Klimawandel

Frau Paland, welche großen Trends zeichnen sich in Ihrer Branche ab?
Ingeborg Paland: Stand in den letzten Jahrzehnten der Neubau von Grün- und Parkanlagen im Fokus, so geht es zukünftig verstärkt um das nachhaltige Management von Freianlagen, um Pflege und Unterhalt. Die Anpassung der Städte an den Klimawandel und der Ausbau der grünen Infrastruktur sind weitere Herausforderungen für den Berufsstand.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Ingeborg Paland: Gute Kenntnisse in Planungstheorie, naturwissenschaftlichen und technischen Grundlagen, rechtlichen Rahmenbedingungen und Pflanzenkunde sind unabdingbar. Daneben werden Teamarbeit, gute Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten sowie die Flexibilität, sich schnell in neue Zusammenhänge einzuarbeiten, erwartet.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten haben Landschaftsarchitekten?
Ingeborg Paland: Das breit angelegte Studium qualifiziert zu einer Vielzahl von Tätigkeiten, sei es in Planungsbüros, Grünflächen- und Umweltämtern oder auch in den Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus. Viele Landschaftsarchitekten sind freiberuflich tätig, andere als Angestellte in oft leitender Position. <<

In der Praxis von Landschaftsarchitekten spielen immer mehr partizipatorische Verfahren eine Rolle, also Projekte, an denen sich die Bürger aktiv beteiligen. Als verantwortlicher Planer braucht man dafür neben Kreativität und fundiertem Fachwissen ausgeprägte kommunikative und moderierende Fähigkeiten, um einen Entwurf auch vermitteln zu können. Es geht darum, dass das öffentliche Grün vielfältige Funktionen zu erfüllen hat. Landschaftsarchitekten müssen bei ihrer Arbeit soziale, gesundheitsfördernde, ökologische und ökonomische Aspekte berücksichtigen.

Studierende der Landschaftsplanung sollten die breite Ausbildung, die geboten wird, nutzen und sich erst danach spezialisieren – je nachdem, wo sie Arbeit finden. Wer sich zu sehr in ein Fach vertieft, verbaut sich damit unter Umständen Möglichkeiten des Berufseinstiegs. Auch in den Verwaltungen gibt es nach Einstellungsstopps in der vergangenen Zeit wieder mehr Stellen. Außerdem rate ich zu möglichst vielen Praktika, die wertvolle Kontakte und vielleicht sogar eine berufliche Perspektive ermöglichen können.

Die Themenpalette eines Verkehrsplaners reicht vom Straßenbau über den ÖPNV bis zum Luftverkehr. Auch der Maßstab ist variabel: Bei Bahnprojekten kann man beispielsweise transeuropäische Fernverkehrskorridore oder die Bahnsteigausstattung eines bestimmten Haltepunktes planen. Für den Berufseinstieg ist es sinnvoll, sich bereits im Studium einen Schwerpunkt zu suchen und Praktika, Exkursionen oder die Abschlussarbeit danach auszuwählen. Wichtig ist in jedem Fall die Freude am Umgang mit Menschen, da Verkehrsplaner fast immer zwischen vielen Projektpartnern vermitteln müssen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Betriebswirtschaftslehre
  • CAD-Systeme
  • Forschung
  • Garten- und Landschaftsarchitektur
  • Gutachter- und Sachverständigentätigkeit
  • Kundenberatung und -betreuung
  • Ökologie, Naturschutz, Umweltschutz und Landschaftspflege
  • Projektmanagement
  • Qualitätsmanagement
  • Raumordnungsrecht
  • Regional- und Raumordnungsplanung
  • Stadtplanung
  • Verkehrs-, Wirtschafts- und Sozialgeografie

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Durchsetzungsvermögen
  • Eigeninitiative
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/landschafts-und-raumplanung