Kultur- und Regional­wissen­schaften

asiatische Kunstobjekte

Die Arbeitswelt im Überblick

Kultur, Politik, Geschichte, Gesellschaft und Sprache – mit einem vertieften Wissen über andere Länder und Regionen lässt sich in unterschiedlichen Berufsfeldern punkten. Wie sind hier die Beschäftigungschancen? Und welche Trends bestimmen künftig den Berufsalltag?

Kulturveranstaltungen organisieren, gesellschaftliche Entwicklungen bestimmter Regionen untersuchen, Wissen über Kulturen weitergeben: Kultur- und Regionalwissenschaftler/innen sind Vermittler, deren Expertise zunehmend gefragt ist. Sie arbeiten analytisch, sind kommunikationsstark und bringen Einfühlungsvermögen mit. Das sind Fähigkeiten, auf die immer mehr Arbeitgeber Wert legen.

Mit Kultur im engeren Sinne hat man zu tun, wenn man für Theater- oder Konzertveranstalter, für Opernhäuser, Museen und andere Kultureinrichtungen arbeitet. Als Kulturmanager/in beispielsweise analysierst du Angebote des Kulturmarkts, entwickelst Konzepte für Veranstaltungen und organisierst diese. Du erarbeitest das Programm, suchst die entsprechenden Räumlichkeiten aus, planst den Auf- und Abbau der Bühne, engagierst Live-Bands und Festredner. Dafür brauchst du Organisations- und Kommunikationstalent. Auch solltest du gerne mit Menschen zusammenarbeiten.

Kultur- und Regionalwissenschaftler haben während ihres Studiums gelernt, gründlich zu recherchieren. Daher sind sie begehrte Mitarbeiter, wenn es darum geht, Daten zu erheben, auszuwerten und zu archivieren. Entsprechende Aufgaben gibt es beispielsweise in der öffentlichen Verwaltung, bei Parteien oder Unternehmensberatungen. Für die Recherchearbeit sollte man sich nicht zuletzt mit entsprechenden IT-Werkzeugen auskennen.

Wer vertieft in seinem Fachgebiet arbeiten will, kann nach dem Abschluss eine Anstellung an der Hochschule anstreben. Als Orientalist/in beschäftigt man sich etwa mit Geschichte und Kultur des Vorderen und Mittleren Orients, betreibt Feldforschung vor Ort, analysiert die gewonnenen Daten und verfasst wissenschaftliche Artikel. In Forschung und Lehre braucht man Durchhaltevermögen und eine analytische Arbeitsweise. Außerdem sollte man die Ergebnisse präsentieren können und rhetorisch fit sein.

Offenheit, Flexibilität, Engagement, Mobilität und soziale Kompetenz – das zeichnet Kultur- und Regionalwissenschaftler/innen aus. Diese persönlichen Fähigkeiten sind bei Arbeitgebern der verschiedensten Branchen gern gesehen. Die Einsatzgebiete für Absolventen und Absolventinnen in dieser Arbeitswelt sind entsprechend breit gefächert. Während früher bei Behörden und Unternehmen nur wenige Geisteswissenschaftler anzutreffen waren, erhöht sich ihr Anteil mittlerweile von Jahr zu Jahr.

Trotzdem sind nur wenige Jobs explizit für Geisteswissenschaftler ausgeschrieben. Daher müssen sie viel Eigeninitiative zeigen, um Aufgaben zu finden, die zu ihren Fähigkeiten und Interessen passen. Wichtiger Arbeitgeber ist die Kultur-und Kreativwirtschaft, insbesondere die Medienbranche. Möglichkeiten bieten sich zudem im Personalwesen, Marketing, in der Öffentlichkeitsarbeit oder der Marktforschung.

Wer sich jahrelang mit anderen Kulturen und Gesellschaften beschäftigt hat, verfügt über Spezialkenntnisse, die möglicherweise auch den Weg zu einer Tätigkeit als Berater/in ebnen. Zu den Auftraggebern können etwa Behörden und international tätige Institutionen gehören.

Je stärker die Globalisierung voranschreitet, desto mehr sind Unternehmen, Behörden, Verbände und andere Organisationen auf Mitarbeiter/innen mit spezifischem Wissen über die verschiedenen Regionen der Welt angewiesen. Das bietet Chancen für Kultur- und Regionalwissenschaftler/innen. Sie werden zum Beispiel als Ansprechpartner für internationale Kunden eingesetzt oder identifizieren und eröffnen neue Absatzmärkte in Übersee.

Ein weiteres interessantes Tätigkeitsfeld ist die internationale Entwicklungszusammenarbeit. Dabei sollen die kulturellen und wirtschaftlichen Strukturen des Ziellandes berücksichtigt werden – Regionalwissenschaftler/innen können hier mit ihrem Spezialwissen punkten. Und nicht zuletzt bietet der Tourismus interessante Aufgabengebiete. Hier geht es für Kultur- und Regionalwissenschaftler/innen allerdings weniger um den Massentourismus, sondern um die Entwicklung hochwertiger Reiseangebote, etwa für Kultur- und Sprachreisende. Gerade Entwicklungsländer könnten davon profitieren, wenn ihre Natur- und Kulturschätze in nachhaltiger Art und Weise erschlossen werden, also der Tourismus zum Erhalt der Natur beiträgt und den Menschen vor Ort zugutekommt. <<

Portraitaufnahme von Bernd Oeljeschläger

Interview mit Bernd Oeljeschläger, Geschäftsführer des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler

Horizont erweitern

Herr Oeljeschläger, wie können Kulturwissenschaftler ihre Chancen am Arbeitsmarkt erhöhen?
Bernd Oeljeschläger: Sie sollten ihren Horizont erweitern und eine Leidenschaft für ihren Beruf entwickeln. Arbeitsmöglichkeiten gibt es in Kultureinrichtungen wie Theatern und Museen, in der Kulturverwaltung von Kommunen, Behörden, Ministerien oder Stiftungen, in Journalismus und Wirtschaft. Für einen Einblick sollte man Praktika in seinen Wunschbereichen absolvieren und flexibel für verschiedene Aufgaben sein. So kann man seine Neigungen prüfen und Erfahrungen sammeln. Wichtig sind außerdem selbstbewusstes Auftreten und eigenständiges Arbeiten.

Gibt es neue Trends in diesem Berufsfeld?
Bernd Oeljeschläger: Früher war es in der Kulturwirtschaft nicht üblich, mit Freiberuflern zusammenzuarbeiten. Inzwischen öffnen sich Museen und andere Einrichtungen gegenüber freien Mitarbeitern – auch, weil es günstiger ist, Aufgaben auszulagern. Für Kulturwissenschaftler bedeutet das, dass sie kreativ, aber auch unternehmerisch und zielgerichtet denken müssen. <<

Wir beliefern als führende Onlinedruckerei mittlerweile 30 europäische Länder mit Druckprodukten aller Art. Eine zielgruppen- und kulturspezifische Ansprache unserer Kunden ist für uns Pflicht: Nur so können wir diese erreichen und zufriedenstellen. Kultur- und Regionalwissenschaftler und andere Geisteswissenschaftler schätzen wir vor allem für ihre Fähigkeit, komplexe Sachverhalte schnell zu erfassen und nicht alltägliche Probleme zu lösen. Das ist für E-Commerce-Unternehmen wie uns wichtig, um unseren Service stetig verbessern zu können.

Nach regionalem Fokus im Ausland oder in den Fach- und Regionalabteilungen im Inland arbeiten – die entsprechenden Jobs sind vielfältig: von der Projektmitarbeit in Afrika bis zum Juniorberater für ein Fachthema. Wir setzen gute Sprachkenntnisse, eine hohe Sensibilität für die jeweilige Kultur und Kenntnisse in Entwicklungspolitik voraus. Daher sind erste praktische Erfahrungen im Ausland oder in einer internationalen Organisation von Vorteil. Wer die GIZ zunächst kennenlernen möchte, dem empfehle ich eine Bewerbung als studentischer Praktikant.

Museen sind gerade heute kulturelle Bewahrungs-, Gedächtnis- und Vermittlungsorte. Für die Arbeit sind gute Geschichtskenntnisse nötig, gepaart mit kunst-, kultur-, sozial- und zeitgeschichtlichen Kenntnissen. Man sollte die deutsche Sprache tadellos sowie ein bis zwei Fremdsprachen beherrschen – alte Sprachen sind von Vorteil. Freude an geschichtlichen Objekten und Zeugnissen sollte sich mit Begeisterung an der Vermittlungsarbeit verbinden. IT- und Datenbankkenntnisse sind Pflicht. Schon während des Studiums sind Praktika zu empfehlen, anschließend ein Volontariat.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • sehr gute Kenntnisse der jeweiligen Sprache und Kultur
  • Recherche, Informationsbeschaffung und -analyse
  • Kulturgeschichte
  • interkulturelle Kommunikation
  • Ausstellungen organisieren und durchführen
  • Konzeption (Theater, Film, Fernsehen, Ausstellung)
  • Kulturmanagement, -verwaltung
  • Fundraising, Sponsoring
  • Marketing und Vertrieb
  • Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations
  • Fachpublikationen erstellen

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Planungs- und Organisationsstärke
  • Kommunikationsstärke
  • Kontaktstärke
  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • Kooperationsfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Verhandlungsgeschick
  • Überzeugungsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Kundenorientierung
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/kultur-und-regionalwissenschaften