Konstruk­tion und Ent­wicklung in weiteren Bereichen

Technische Zeichnung.

Die Arbeitswelt im Überblick

Entwickeln, konstruieren und optimieren: Ingenieure und Ingenieurinnen übernehmen in vielen Arbeitsfeldern interessante Aufgaben. Wie steht es um die Perspektiven am Arbeitsmarkt? Über welche Trends sollte man Bescheid wissen?

Chemische Industrie, Kunststoff- und Metallherstellung, Agrar- und Energietechnik, Verpackungs- und Versorgungstechnik – in all diesen Bereichen werden Ingenieure und Ingenieurinnen mit dem Schwerpunkt Konstruktion und Entwicklung benötigt. Sie planen und konstruieren Anlagen, optimieren Herstellungsverfahren und bringen ihr Wissen bei der Entwicklung neuer Produkte ein. Vielfach nutzen sie für ihre Arbeit spezielle Konstruktionsprogramme, beispielsweise CAD-Software („Computer-Aided-Design“).

Je nach Aufgabengebiet sind Ingenieure und Ingenieurinnen im Büro, in Werkhallen, Entwicklungslabors oder Versuchsanlagen anzutreffen. Neben der konkreten Entwicklungsarbeit übernehmen sie oftmals auch die Überwachung der Produktion und behalten die Wirtschaftlichkeit eines Projekts im Auge. Voraussetzung für eine Tätigkeit in dieser Arbeitswelt ist, dass du dich gerne mit naturwissenschaftlichen und technischen Zusammenhängen beschäftigst. Gute Mathematikkenntnisse sind ebenso wichtig wie Ideenreichtum und Geduld – schließlich braucht es meist einige Zeit, bis aus einer Idee ein fertiges Produkt entsteht. Zudem solltest du über Kommunikationsstärke und Teamfähigkeit verfügen sowie gerne planen und organisieren. Meist sind auch Englischkenntnisse gefragt.

Einen „typischen“ Arbeitgeber für die Ingenieure und Ingenieurinnen dieser Arbeitswelt gibt es nicht. Je nach Fachrichtung finden sie in sehr unterschiedlichen Branchen und Wirtschaftszweigen ihre Chancen, vom mittelständischen Kunststoffbetrieb über das öffentliche Forschungsinstitut bis hin zum internationalen Stahlkonzern. Ein wichtiger Arbeitgeber ist beispielsweise die Chemische Industrie, die etwa zahlreiche Ingenieure und Ingenieurinnen in ihren Abteilungen für Verfahrens- und Produktentwicklung einsetzt.

Die Situation am Arbeitsmarkt ist in diesem Berufsfeld durchaus positiv, berichtet Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit: „Im Allgemeinen zählen hoch qualifizierte Technikexperten zu den gefragten Fachkräften am deutschen Arbeitsmarkt. Die Perspektiven für Absolventen sind daher gut."

Deutschland wird bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien zu den forschungsstärksten Ländern der Welt gerechnet – und es sind die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt, die einen maßgeblichen Anteil daran haben. Sie forschen zum Beispiel an neuen Werkstoffen, etwa an Verbundstoffen aus Kunststoff, Carbonfasern und Aluminium, die deutlich leichter sind als herkömmliche Materialien und zum Beispiel bei der Konstruktion von Windkraftwerken zum Einsatz kommen. Ebenso arbeiten sie ­daran, die Herstellungsprozesse der Werkstoffe zu optimieren, den Energieverbrauch bei der Produktion zu senken und Materialien so effizient wie möglich zu nutzen. So gewinnt das Recycling von Rohstoffen weiter an Bedeutung, beispielsweise bei der Herstellung von Papier oder in der Metallerzeugung.

Auch die 3-D-Drucktechnologie könnte den Materialverbrauch in Zukunft reduzieren. So wird etwa beim sogenannten Laserschmelzen das Ausgangsmaterial für ein Bauteil – etwa Metall oder Kunststoff – durch die gebündelte Kraft des Lichtes geschmolzen und danach Schicht für Schicht zu einem fertigen Bauteil aufgetragen. Hierbei werden nur so viele Rohstoffe verbraucht wie unbedingt nötig. Obwohl die industrielle Massenfertigung mittels 3-D-Druck aufgrund der hohen Kosten noch Zukunftsmusik ist, gibt es bereits heute Bereiche, in denen die Technologie zum Einsatz kommt – beispielsweise in der Werkstoffentwicklung für die Luftfahrt.

Ein weiterer interessanter Tätigkeitsbereich für Ingenieure und Ingenieurinnen ist die chemische Speicherung von Energie, zum Beispiel in Form von Batterien für Elektroautos. Unter den Batterieherstellern herrscht jedoch ein harter internationaler Konkurrenzkampf, der aktuell noch von Unternehmen aus Asien bestimmt wird. <<

Porträt von Sonja Bähr.

Interview mit Sonja Bähr, Geschäftsführerin Bund Deutscher Verpackungsingenieure (BDVI)

Es gibt immer etwas zu verpacken

Frau Bähr, welche Trends zeichnen sich am Arbeitsmarkt ab? Welche Chancen haben Hochschulabsolventen?
Sonja Bähr: Das Gute an der Verpackungsbranche ist ja, dass es immer etwas zu verpacken gibt: Sämtliche Waren müssen entlang der Wertschöpfungskette transportiert und verteilt werden. Und auch der Trend zu weniger Verpackung ist eine wichtige und richtige Entwicklung, die Branche ist ständig auf der Suche nach neuen ökologischen und ökonomischen Lösungen. Die Verpackungsindustrie beschäftigt etwa 100.000 Menschen. In den vergangenen zehn Jahren war der Bedarf der Branche nach Hochschulabsolventen immer größer, als durch Studienabgänger abgedeckt werden konnte.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Sonja Bähr: Die Studieninhalte der Fachhochschulen sind schon stark an den Bedürfnissen der Industrie orientiert. Trotzdem sollten die Absolventen flexibel sein, also für den ersten oder zweiten Job den Wohnort wechseln und auch bezüglich der Arbeitsinhalte offen sein. Zusätzliche Erfahrungen im Ausland sind nicht zuletzt für die persönliche Entwicklung von Vorteil.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Akademiker?
Sonja Bähr: Viele Berufsanfänger haben den Wunsch, in der Verpackungsentwicklung bei einem großen Markenartikler zu arbeiten. Oft bestehen die größeren Entwicklungs- und Aufstiegschancen aber in den kleinen und mittelständischen Unternehmen, wo Verpackungsingenieure über verschiedene Stationen bis in die Führungsebene aufsteigen können. Viele machen sich später auch mit dem eigenen Betrieb selbstständig. <<

Die Kunststoffbranche bietet Absolventen sehr vielfältige Betätigungsfelder – daher sind auch die Anforderungen der Unternehmen sehr unterschiedlich. Wichtig sind immer gutes technisches Verständnis, selbstständiges und verantwortungsbewusstes Arbeiten und das Wissen um Besonderheiten und Verarbeitung der Werkstoffe. Die Kunststoffbranche wächst und bietet gute Zukunftschancen, leidet aber unter einem sehr großen Fachkräftemangel. Die Chancen stehen daher für spezialisierte Ingenieure sehr gut.

Meines Erachtens brauchen wir verstärkt Ingenieure in Entscheiderpositionen. Es ist einfacher, einem Ingenieur wirtschaftswissenschaftliches Denken beizubringen, als umgekehrt. Allerdings ist für Ingenieure die fachliche Qualifikation allein nicht ausreichend. Teamfähigkeit ist für mich keine Floskel, zeigt sich doch in meiner täglichen Arbeit, dass erst die Summe der einzelnen Talente etwas Grandioses hervorbringen kann. Ingenieure müssen deshalb in interdisziplinären Teams zusammenarbeiten können und auch wollen.

Wer sich mit einem Ingenieurbüro selbstständig macht, geht das Risiko jedes Selbstständigen ein, hat aber gute Marktchancen. Allerdings hat man oft mehr Arbeit als im Angestelltenverhältnis. Leistungsbereitschaft ist daher sehr wichtig. Außerdem sollte eine solide fachliche Grundlage sich in sicherem Auftreten widerspiegeln: Manchmal muss man seine Fähigkeiten mit gesundem Selbstbewusstsein untermauern. Wesentlich sind aber die fachliche Kompetenz sowie die Flexibilität, sein Wissen bedarfsgerecht zu erweitern.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Agrartechnik
  • Anlagenbau
  • Anlagenplanung (Versorgungs-, Verfahrenstechnik)
  • Entwicklung
  • Entwurf
  • Fertigungstechnik
  • Konstruktion
  • Projektierung
  • Verfahrenstechnik
  • Werkstoffprüfung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • unternehmerisches Denken und Handeln
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/konstruktion-und-entwicklung-in-weiteren-bereichen