Konstruk­tion und Ent­wicklung im Fahr­zeug- und Maschinen­bau

Detailaufnahme eines Autoscheinwerfers.

Die Arbeitswelt im Überblick

Ingenieure und Ingenieurinnen sind die Experten der Wahl, wenn es um die Konstruktion und Entwicklung von Maschinen und Fahrzeugen geht. Welche Trends sind hier wichtig? Welche Möglichkeit bieten sich Absolventen und Absolventinnen am Arbeitsmarkt?

Fahrzeug- und Maschinenbauingenieure, die in der Konstruktion und Entwicklung tätig sind, sichern durch ihre Innovationskraft den dauerhaften Erfolg dieser wichtigen deutschen Industriesparten. Sie entwickeln mechanische, elektronische und informationstechnische Systeme für die industrielle Produktion sowie den Fahrzeugbau – vom einzelnen Bauteil bis zur kompletten Produktionsanlage. Hierfür erstellen sie am Rechner Konstruktionszeichnungen, bauen Prototypen und testen diese an virtuellen Simulatoren in Prüflaboren. Oder aber sie organisieren die Arbeitsabläufe in den Werk- und Produktionshallen der Industrie.

Gewisse Grundlagen sind für einen Einstieg sowohl in den Fahrzeugbau als auch in den Maschinenbau wichtig. Du solltest Interesse an Technik und Naturwissenschaften mitbringen, vor allem an Mathematik und Physik. Da Hochschulabsolventen oft in der Projektsteuerung eingesetzt werden, solltest du außerdem gut organisieren und planen können sowie teamfähig und kommunikationsstark sein. Auch Kreativität und Ideenreichtum sowie die Fähigkeit, systematisch nach Lösungen für komplexe Probleme zu suchen, sind sehr wichtig. Insbesondere bei international ausgerichteten Unternehmen benötigst du darüber hinaus sichere Englischkenntnisse.

Abgesehen von Ingenieurbüros, Hochschulen und Forschungsinstituten bieten vor allem die Entwicklungsabteilungen der Industrie zahlreiche Arbeitsplätze für die Ingenieure dieser Arbeitswelt. Ob es sich dabei nun um einen mittelständischen Maschinenbaubetrieb, einen hoch spezialisierten Luftfahrttechnikhersteller oder einen multinationalen Automobilkonzern handelt: Gemeinsam ist den meisten dieser Betriebe, dass sie in einem harten internationalen Wettbewerb bestehen müssen – und das durchaus mit Erfolg, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben. Deutsche Hersteller setzen hierbei insbesondere auf hohe Qualität und ihren technologischen Vorsprung gegenüber den Wettbewerbern. Kein Wunder also, dass die Unternehmen des Fahrzeug- und Maschinenbaus viel Aufwand in Forschung und Entwicklung stecken. Das bedeutet viele Stellen für hoch qualifizierte Ingenieure und Ingenieurinnen, die gute Ideen haben und gerne mit den neuesten Technologien arbeiten.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet von einer positiven Arbeitsmarktsituation in den vergangenen Jahren: „Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure haben von der guten Wirtschaftslage in Deutschland profitiert. Zum Teil kann man sogar von Vollbeschäftigung sprechen. Auch weiterhin sind die Perspektiven gut."

Das bestimmende Thema im Bereich Fahrzeugbau ist aktuell die Elektromobilität. Die vielleicht größte Herausforderung hierbei ist es, Fahrzeuge mit ausreichender Reichweite zu entwickeln. Ebenso wichtig ist natürlich eine flächendeckende Ladeinfrastruktur für die Elektroautos.

Ein weiterer Innovationsfaktor ist die digitale Vernetzung der Fahrzeuge: Das Auto der Zukunft soll beispielsweise andere Verkehrsteilnehmer selbstständig warnen, wenn hinter der nächsten Kurve Glatteis droht. Und Lkw sollen sich dank intelligenter Abstandsregelungssysteme zu dichten Kolonnen zusammenschließen – im Windschatten spart man Kraftstoff und verringert die Emissionen. Die große Vision für die Zukunft sind selbstfahrende Fahrzeuge. In diesem Bereich droht den deutschen Autobauern allerdings Konkurrenz durch US-Internetkonzerne, die ebenfalls an Lösungen für das vollautonome Fahren arbeiten.

Die deutschen Maschinenbauer setzen unter anderem auf eine verbesserte Softwaresteuerung ihrer Anlagen – Stichwort „Industrie 4.0“. Wird etwa ein neues Bauteil produziert, fordern die Maschinen alle benötigten Komponenten aus dem Lager selbstständig an. In der Produktionshalle werden die Teile mittels Sensoren erkannt und auf das entsprechende Band gelegt. Schließlich baut die Anlage alles zusammen. Maschinenbauingenieure und -ingenieurinnen arbeiten an der Entwicklung solcher vernetzten Industrieanlagen – oft zusammen mit Spezialisten aus der Informatik und der Elektrotechnik. <<

Portrait von Ralf Sören Marquardt.

Interview mit Dr. Ralf Sören Marquardt, Geschäftsführer des Verbands für Schiffbau und Meerestechnik e.V.

Es gibt keine Massenproduktion

Herr Marquardt, welche Branchentrends gibt es?
Ralf Sören Marquardt: Der deutsche Schiffbau hat erfolgreich den Strukturwandel zur maritimen Hochtechnologie vollzogen: Es werden keine Containerschiffe und andere einfache Frachtschiffe mehr gebaut. Stattdessen konzentrieren sich die Werften und Zulieferer auf komplexe und emissionsarme Schiffstypen wie Kreuzfahrt- und RoRo-Schiffe, Mega-Jachten sowie Offshore-Bauwerke, für deren Produktion hoher Entwicklungs- und Ausrüstungsaufwand erforderlich ist.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Ralf Sören Marquardt: Wir brauchen weniger Spezialwissen mit all seinen Verästelungen – das unterliegt einem schnellen Wandel. Besonders gern gesehen sind Absolventen mit einem soliden physikalisch-technischen Basiswissen und hoher Methodenkompetenz.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Ralf Sören Marquardt: In unserer Branche kann jeder Ingenieur und jede Ingenieurin viel Verantwortung übernehmen. Es gibt keine Massenproduktion wie in der Autoindustrie, deshalb ist die Identifikation mit dem Endprodukt ungleich höher. <<

Die Aufgaben für Ingenieure in der Luftfahrt sind vielseitig und abwechslungsreich. Hinzu kommen zahlreiche berufliche und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten – etwa im Rahmen mehrjähriger Auslandseinsätze weltweit. Absolventen verschiedener Ingenieurstudiengänge können bei Lufthansa Technik als Direkteinsteiger beginnen oder ein Traineeprogramm durchlaufen. Englischkenntnisse sind in unserer Branche sehr wichtig. Zudem sind auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse gefragt. Für die Arbeit mit neuen Technologien helfen Absolventen zudem Neugier, Problemlösungsfähigkeit und Teamwork.

Maschinenbau-, Elektrotechnik-Ingenieure und IT-Spezialisten arbeiten bei uns projektbezogen. Die Projekte reichen vom Automobilbereich über den Flugzeugbau bis hin zu Schienenfahrzeugen. Da man immer wieder mit unterschiedlichen Branchen, Kunden und Teams zu tun hat, sind Flexibilität und Mobilität ebenso wichtig wie Einsatzbereitschaft. Zudem sehen wir – und auch die Kunden – Praxiserfahrung gern. Einsatzbereiche sind zum Beispiel die Konstruktion, Testabteilungen oder die Programmierung von Steuerprogrammen.

Absolventen technischer Studiengänge haben gute berufliche Perspektiven. Das gilt auch für Verkehrsbetriebe, wo durch die Komplexität der Anlagen und Fahrzeuge der Bedarf an technischer Begleitung der Objekte steigt. Der Mangel an Ingenieuren ist für viele Firmen absehbar. Wer in unseren Bereich einsteigt, sollte sich schon für den Nahverkehr interessieren. Wir brauchen Generalisten, die vernetzt und global denken, denn die ganze Bandbreite der Elektrotechnik oder Mechanik muss abgedeckt werden.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Anwenderkenntnisse in CAD-, CAM-, CIM-Systemen
  • betriebswirtschaftliche Kenntnisse (z.B. Kalkulation, Kosten- und Leistungsabrechnung)
  • Entwicklung
  • Fertigungstechnik
  • Konstruktion
  • Mess-, Steuer- und Regeltechnik (MSR)
  • Projektierung
  • Projektmanagement
  • Qualitätsprüfung, Qualitätssicherheit
  • Technische Mechanik
  • Verfahrenstechnik
  • Werkstoffprüfung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kreativität
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/konstruktion-und-entwicklung-im-fahrzeug-und-maschinenbau