Human­medizin

3-D Rendering von multiresistenten streptococcus aureus.

Die Arbeitswelt im Überblick

Wer heute für ein Studium der Humanmedizin zugelassen wird, muss später vermutlich nicht lange nach einem Arbeitsplatz suchen. Es gibt jedoch in dieser Arbeitswelt viele Möglichkeiten zur Spezialisierung. Welche Chancen zeigen sich auf dem Arbeitsmarkt? Welche Trends bestimmen die Berufswelt?

Ihre Arbeit bringt ein hohes Maß an Verantwortung mit sich: Ärztinnen und Ärzte versuchen, ihren Patienten Linderung bei Schmerzen zu verschaffen und, wenn möglich, sie vollständig von einer Krankheit zu heilen. Nach der Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) führen Humanmediziner/innen Untersuchungen durch, veranlassen Laboranalysen oder Ultraschallaufnahmen und werten die Ergebnisse aus. Dann entscheiden sie über geeignete Behandlungsmethoden. Auch Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitsberatung gehören zum Beruf.

Neben einem Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen solltest du für den Beruf als Humanmediziner/in eine Reihe von Fähigkeiten mitbringen. Du solltest sehr sorgfältig arbeiten können, kommunikativ sein, physische und psychische Belastbarkeit besitzen und zudem in der Lage sein, in Notfallsituationen kluge Entscheidungen zu treffen. Außerdem brauchst du Einfühlungsvermögen und solltest mit unregelmäßigen Arbeitszeiten klarkommen.

Im Laufe eines medizinischen Studiums eignest du dir umfangreiches Wissen über den menschlichen Körper an. Im Anschluss erfolgt dann meist eine Zeit als Assistenzarzt/-ärztin und häufig eine Spezialisierung zum/zur Facharzt/-ärztin, beispielsweise in den Fachbereichen Augenheilkunde, Chirurgie oder Neurologie. Diese Spezialisierung ist die Voraussetzung, um eine kassenärztliche Zulassung für die Gründung einer eigenen Praxis zu erhalten. Du kannst auch eine Promotion anstreben: Patienten setzen den Doktortitel häufig mit einem besonders hohen Grad an Kompetenz gleich. Außerdem ist er die Voraussetzung für die Übernahme von Führungspositionen sowie für eine Tätigkeit in Lehre und Forschung.

Die Chancen in diesem Berufsfeld stehen gut, wie auch Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, bestätigt: „Der Arbeitsmarkt für Humanmediziner zeigt sich positiv: Die Zahl der berufstätigen Ärzte in Deutschland wächst. Über ein Drittel der Ärzte arbeiten dabei als Selbstständige in der eigenen Praxis. Vor allem in ländlichen Regionen fällt es schwer, Stellen zu besetzen. Hier wird ein Mangel an Humanmedizinern deutlich."

Um die medizinische Versorgung auch in Strukturschwachen Landesteilen zu gewährleisten, wollen Politik und Ärzteverbände mit entsprechenden Verordnungen und Förderprogrammen neue Anreize für Mediziner/innen schaffen, sich in unterversorgten Gebieten niederzulassen.

Früher arbeiteten Mediziner/innen im stationären Bereich – also zum Beispiel an Krankenhäusern – zumeist angestellt; während im ambulanten Segment – also zum Beispiel in haus- oder fachärztlichen Einzelpraxen – die Selbstständigkeit die Regel war. Heute gibt es auch im ambulanten Bereich immer mehr angestellte Mediziner/innen. Grund ist ein Trend zur Konzentration, also eine Entwicklung hin zu Gemeinschaftspraxen und medizinischen Versorgungszentren.

Ob Computertomografie oder Magnetresonanz-Imaging: Ärzte und Ärztinnen setzen heute auf modernste Medizintechnik, und immer wieder kommen neue Anwendungen auf den Markt. Vor allem das Internet ist dabei, den Arbeitsalltag der Mediziner von Grund auf zu verändern. Das beschränkt sich nicht nur auf die Vernetzung von medizinischen Geräten und Behandlungsdaten. Auch die Patienten selbst sind im Netz unterwegs, informieren sich online über Krankheitsbilder und vermessen ihre Körperwerte mit Gesundheits-Apps. Selbst wenn viele Medizinexperten skeptisch gegenüber dem Nutzen so mancher App und den Diagnosen von „Dr. Google“ sind, so gilt es für angehende Mediziner/innen doch, sich mit den Chancen und Risiken dieser Entwicklung auseinanderzusetzen.

Auch die naturwissenschaftliche und pharmazeutische Forschung prägt das Gesicht der modernen Medizin: Fortschritte in der Gentherapie lassen beispielsweise hoffen, dass Mediziner/innen bald effektiv gegen bisher unheilbare Krankheiten wie Parkinson vorgehen können. Im Berufsleben gilt es, stets auf dem neuesten Stand der Technik und der medizinischen Therapieansätze zu bleiben. <<

Portrait von Lea Seidlmayer

Interview mit Dr. Lea Seidlmayer, Vorstandsmitglied im Jungen Forum des Deutschen Ärztinnenbundes

Viele Möglichkeiten

Frau Seidlmayer, wie schätzen Sie die derzeitige Lage für Berufseinsteiger ein?
Lea Seidlmayer: Aktuell ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Mediziner/innen sehr günstig: In allen Fachbereichen gibt es ausreichend freie Stellen. Insbesondere in ländlichen Gebieten besteht aktuell sogar ein Ärztemangel. Viele – vor allem kleinere – Krankenhäuser betreiben heute einen großen Aufwand, um Ärzte und Ärztinnen mit attraktiven Angeboten für ihr Haus zu gewinnen. Das Berufsfeld ist zudem relativ breit gefächert: Neben der eigentlichen medizinischen Tätigkeit gibt es noch Möglichkeiten in der Forschung oder der Industrie.

Welche Anforderungen sind zu beachten?
Lea Seidlmayer: Die Arbeit als Arzt oder Ärztin erfordert viel Geduld und zwischenmenschliches Geschick. Auch Organisationstalent ist gefragt, nicht zuletzt um den wachsenden Anteil administrativer Aufgaben zu bewältigen. Da medizinische Versorgung immer im Team stattfindet, ist auch Kommunikationsstärke wichtig. Zudem sollte man belastbar sein: Die Facharztweiterbildung an einem Krankenhaus ist meist mit langen Arbeitszeiten, vielen Überstunden sowie Schichtdienst und Arbeit an Wochenenden und Feiertagen verbunden. <<

Für die Arbeit in einer allgemeinärztlichen Praxis ist eine Facharztausbildung Voraussetzung, zum Beispiel in der Allgemeinen oder Inneren Medizin. Als Praxisinhaber arbeitet man selbstständig und eigenverantwortlich, muss also auch betriebswirtschaftlich denken können. Neben der medizinischen Tätigkeit fallen zudem Verwaltungs- und Personalaufgaben an, wofür gutes Organisationstalent nötig ist. Das Besondere an einer allgemeinärztlichen Praxis: Man hat oft über lange Zeit Kontakt zu seinen Patienten. Hier zählt die Fähigkeit, auf Menschen eingehen zu können.

Bezogen auf das Jahr 2016 arbeiteten knapp 40 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland im Krankenhaus, etwa 30 Prozent im ambulanten Bereich, und etwa 7 Prozent sind in Behörden und Körperschaften sowie sonstigen Bereichen tätig. Das bedeutet, dass fast ein Viertel der Ärzte nicht in der Patientenversorgung arbeitet, sondern zum Beispiel bei Krankenkassen, in der Pharmaindustrie, als Qualitätsmanager, als Unternehmensberater oder in medizinischen Fachbuchverlagen, wie bei uns.

Humanmedizin entwickelt sich ständig weiter. Gerade das macht das Fach so spannend. Hightech-Entwicklungen oder auch Genforschung ermöglichen die Erkennung sowie Therapie von Erkrankungen, die noch vor Jahren als nicht diagnostizierbar oder therapierbar galten. Neue und alte Verfahren werden ständig auf den Prüfstand gestellt, um ihre Wirksamkeit und den direkten Nutzen für den Patienten, auch in Bezug auf die Behandlungskosten, zu untersuchen. Hier hat sich in den letzten Jahren die Versorgungsforschung als wichtiger wissenschaftlicher Zweig etabliert.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Anamnese
  • Anatomie
  • Diagnostik
  • Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)
  • Gutachter-, Sachverständigentätigkeit
  • Hygienebewusstsein
  • Krankenhausinformationssysteme
  • Labor
  • Lehrtätigkeit (Hochschule)
  • Medizinische Dokumentation
  • Patientenbetreuung
  • Pharmakologie
  • Prävention
  • Qualitätsmanagement
  • Rehabilitation
  • Therapie

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Einfühlungsvermögen
  • Entscheidungsstärke
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Lernbereitschaft
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • Urteilsvermögen
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/humanmedizin