Gesell­schafts­wissen­schaften

Bundeskanzleramt in Berlin

Die Arbeitswelt im Überblick

Gesellschaftswissenschaftler/innen spüren etwa bei Verbänden, Verlagen oder Forschungseinrichtungen aktuellen Entwicklungen nach. Welche Beschäftigungschancen gibt es? Und welche Trends beeinflussen den Berufsalltag?

Egal ob Anthropologie, Soziologie, Politikwissenschaft oder Philosophie: Stets befasst man sich mit Strukturen, Zusammenhängen, Entwicklungen und Konflikten innerhalb von und zwischen Gesellschaften. Forschungsgegenstand können Staaten oder einzelne Bevölkerungsgruppen sein. Ein Beispiel für einen aktuellen Untersuchungsgegenstand: die Bedeutung von Social-Media-Plattformen für politische Bewegungen, etwa bei Protesten gegen diktatorische Regierungen.

Ob Sozialwissenschaftler/in, Politologe/Politologin oder Genderwissenschaftler/in – Absolventen, die nach ihrem Abschluss an einer Hochschule arbeiten, haben häufig ähnliche Aufgaben: Sie verfassen beispielsweise Fachbücher und Aufsätze für wissenschaftliche Magazine und Online-Portale, halten Vorträge und werden gebeten, als Experten Stellung zu beziehen. Zudem bieten sie Seminare und Vorlesungen an und begleiten Forschungsprojekte.

Die universitäre Ausbildung fördert analytisches Denken, Kreativität und Genauigkeit – und nicht zuletzt selbstständiges Arbeiten. Diese Soft Skills können auch jenseits der Wissenschaft von großem Nutzen sein. Arbeitgeber schätzen an Gesellschaftswissenschaftlern, dass sie in der Regel über eine sehr gute Allgemeinbildung verfügen, dass sie neuen technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossen sind und sich als fit in der Recherche und sicher in Wort und Schrift zeigen.

Die Bandbreite möglicher Arbeitgeber ist überaus groß. Gesellschaftswissenschaftler/innen sind beispielsweise in Museen, Archiven oder Bibliotheken tätig. Zahlreiche Möglichkeiten gibt es aber auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft, beispielsweise in den Medien: von der Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen oder gemeinnützige Verbände bis zur journalistischen Tätigkeit für Fachpublikationen, Tageszeitungen oder Online-Portale. Politische Parteien, Gewerkschaften, Verbände oder Stiftungen sind ebenfalls potenzielle Arbeitgeber. Es können sich zudem Chancen bei kulturellen Institutionen, in der Unternehmensberatung oder der Öffentlichen Verwaltung ergeben. Bei Markt- und Meinungsforschungsinstituten punkten Sozialwissenschaftler/innen mit ihren Kenntnissen empirischer Methoden, die sie im Studium erworben haben.

Insgesamt stellt sich der Arbeitsmarkt für Gesellschaftswissenschaftler/innenpositiv dar, so Dr. Jens Stephani, Arbeits-marktexperte der Bundesagentur für Arbeit: „Gerade für Absolventen ist der Berufseinstieg aber nach wie vor nicht ganz unproblematisch, da sich nur wenige Stellenangebote explizit an Gesellschaftswissenschaftler richten."

Die Medienbranche, ein wichtiger Arbeitgeber für Gesellschaftswissenschaftler/innen, erlebt einen Umbruch. Insbesondere bei gedruckten Medien sind der Verkauf und die Werbeeinnahmen rückläufig. Die Unternehmen hoffen auf gute Geschäfte mit digitalen Medien, die über Smartphones und Tablets genutzt werden können. Der Bereich der Onlinewerbung wächst und hat sich zu einem der bedeutendsten Werbesegmente entwickelt.

Der digitale Wandel stellt auch die Markt- und Meinungsforschung vor neue Herausforderungen. Die Erhebung von Daten über das Internet gewinnt an Bedeutung – Gesellschaftswissenschaftler/innen untersuchen soziale Medien zum Beispiel gezielt danach, ob bestimmte Firmen, Marken oder Produkte positiv oder negativ bewertet werden. Eine große Herausforderung dabei ist es, die Verlässlichkeit der online verfügbaren Informationen zu prüfen.

Ein weiteres Untersuchungsfeld für Gesellschaftswissenschaftler/innen ist die Interaktion zwischen Bürgern und Politik, die ebenfalls durch die voranschreitende Digitalisierung verändert wird. Verschiedene Plattformen bieten die Möglichkeit, Petitionen online zu starten oder sich über aktuelle politische Themen auszutauschen. Auch für die Mobilisierung von Protestbewegungen spielt das Internet heute eine zentrale Rolle. <<

Portrait von Bernd Vonhoff.

Interview mit Bernd Vonhoff, erster Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Soziologinnen und Soziologen e.V. (BDS)

Offenheit ist wichtig

Herr Vonhoff, in welchen Bereichen arbeiten Gesellschaftswissenschaftler?
Bernd Vonhoff: Gesellschaftswissenschaftler arbeiten in allen Bereichen der privaten und öffentlichen Wirtschaft, bei denen Kenntnisse über das Zusammenleben von Menschen nötig sind.

Warum steht Sozialwissenschaftlern ein so breites Berufsfeld offen?
Bernd Vonhoff: Nahezu immer, wenn es sich um Probleme in sozialen Gemeinschaften, in Unternehmen, Verbänden oder politischen Systemen handelt, sind dies nicht rein technische oder ökonomische Fragestellungen, sondern oft organisatorische oder kommunikative. Die Kommunikation zwischen Menschen, egal in welchem Bereich, ist das Arbeitsfeld der Sozialwissenschaftler – und das Wissen um die speziellen dahinterliegenden Mechanismen ist ihre Stärke, mit der sie in diesem Fall anderen Disziplinen überlegen sind.

Welche weiteren Qualifikationen können den Berufseinstieg erleichtern?
Bernd Vonhoff: Offen zu sein für weitere Fachdisziplinen und sich darin einzuarbeiten – so kann in interdisziplinären Teams die Stärke über das Wissen der kommunikativen Prozesse zielgerichtet eingesetzt werden. <<

Qualifikationen und Wissen, die in einem Studium erworben werden, sind die Grundlagen, um als Journalist erfolgreich zu sein. Gesellschaftswissenschaftler haben im Studium gelernt, methodisch und analytisch Themen zu er-schließen. Wenn sie sich zusätzlich das journalistische Rüstzeug aneignen, sind sie in der Medienlandschaft als Spezialisten gefragt und können zum Beispiel als Fachjournalisten tätig sein.

Grundsätzlich ist der bloße Abschluss eines gesellschaftswissenschaftlichen Studiums noch keine Jobgarantie. Absolventen dieser Studiengänge sollten in der Lage sein, zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beizutragen. Durch ein Studium in diesem Bereich hat man einen guten Einblick in alle relevanten Berufsfelder und Aufgabengebiete, spezialisiert sich aber auch bereits während des Studiums auf bestimmte Themen und Methoden. Wer keine Angst vor Zahlen hat und sich mit empirischer Datenerhebung auskennt, verbessert eindeutig seine Berufschancen. Auch theoretische Kenntnisse und praktische Fähigkeiten im Projektmanagement sind äußerst hilfreich.

Gesellschaftswissenschaftler interessieren sich für Menschen und ihre Verhältnisse, sie fühlen sich verantwortlich für unser soziales Miteinander und wollen die Gesellschaft positiv gestalten. Die Beschäftigungsmöglichkeiten sind dadurch sehr vielfältig. Es gibt Stellen in der politischen Bildung und in der Forschung zu politisch-historischen Fragen. Zunehmend ist die internationale Vernetzung berufsprägend. Das kann bis zum Einsatz im Ausland führen. Neben sehr guten Leistungen im Studium und praktischen Erfahrungen ist gesellschaftspolitisches Engagement eine wichtige Voraussetzung.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Außen- und Innenpolitik
  • Ausstellungen organisieren und durchführen
  • Empirische Methodik
  • Fachpublikationen erstellen
  • Forschung
  • Gutachtertätigkeit
  • Interkulturelle Kommunikation
  • Jugend- und Erwachsenenbildung
  • Kulturgeschichte
  • Kulturmanagement, -verwaltung
  • Marketing und Vertrieb
  • Öffentlichkeitsarbeit, Public Relations
  • Sozialmanagement
  • Vortragstätigkeit

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • interkulturelle Kompetenz
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kontaktstärke
  • Kreativität
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/gesellschaftswissenschaften