Geschichte und Archäologie

Lateinische Inschrift an einer Mauer.

Die Arbeitswelt im Überblick

Akademiker/innen aus den Bereichen Geschichte und Archäologie sind aufgrund ihrer Kompetenzen in verschiedensten Branchen gefragt. Welche Chancen bieten sich am Arbeitsmarkt? Wie verändert sich das Arbeitsleben?

Recherchieren, untersuchen, bewahren, dokumentieren und kommentieren – darum geht es bei vielen Berufen, die nach einem Studium der Geschichte oder Archäologie in Betracht kommen. Als Historiker/in erforschst du beispielsweise frühere Kulturen wie das alte Rom und bist in der Lehre an einer Hochschule tätig. Als Archäologe/Archäologin nimmst du an Grabungen teil und setzt Hightech-Instrumente ein, um deine Funde zu untersuchen und zu datieren. Als Museumsregistrar/in erfasst und katalogisierst du Exponate und kümmerst dich darum, dass diese fachgerecht gelagert und ansprechend präsentiert werden. Und als Konservator/in begutachtest du Baudenkmäler oder alte Kunstwerke und entwickelst Lösungen, wie diese am besten zu erhalten sind.

Bei all diesen Berufen ist eine exakte, systematische Arbeitsweise erforderlich. Außerdem solltest du planen und organisieren können, kommunikationsstark und nicht zuletzt flexibel sein – denn in Bereichen wie der Archäologie sind Forschungsreisen üblich.

Für die Absolventen dieser Arbeitswelt bieten sich unterschiedlichste Betätigungsfelder. Wer seinem Fachgebiet – also zum Beispiel der Ägyptologie, der Mediävistik oder der Wirtschaftsgeschichte – treu bleiben will, kann unter anderem als Wissenschaftler/in an einem Institut oder einer Hochschule arbeiten. Allerdings ist dieser Stellenmarkt sehr klein und umkämpft. Weitere Möglichkeiten sind auch Tätigkeiten bei Denkmalbehörden, in Archiven und vor allem in Museen, die in Deutschland jährlich mehr als 100 Millionen Besucher anziehen. Darüber hinaus können Absolventinnen und Absolventen dieser Arbeitswelt beispielsweise auch die Reisebetreuung bei Veranstaltern für Kulturreisen organisieren.

Laut Dr. Jens Stephani, dem Experten der Bundesagentur für Arbeit, stellt sich der Arbeitsmarkt für Geisteswissenschaftler/innen, darunter Historiker und Archäologen, als nicht unproblematisch dar. Nicht alle arbeiten in einem fachnahen Beruf; Stellenangebote, die sich explizit an Absolventen der jeweiligen Geisteswissenschaften richten, sind selten. Vor allem für Berufseinsteiger ist diese Situation ein Problem, bietet gleichzeitig aber auch Chancen, davon ist der Arbeitsmarktexperte überzeugt: „Wenn es ihnen gelingt, ihr Potenzial gegenüber Arbeitgebern deutlich zu machen, haben Geisteswissenschaftler Chancen in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen.“

Geschichtswissenschaftler/innen bringen aus ihrem Studium die Fähigkeit mit, sich selbstständig und gründlich in komplexe Themen einzuarbeiten. Wichtige „fachfremde“ Arbeitgeber, bei denen diese Kompetenz gefragt ist, gibt es zum Beispiel im Medienbereich. Manche Geschichtsabsolventen orientieren sich beruflich aber auch in Richtung Marketing oder arbeiten in einer Unternehmensberatung.

Modernste Technik hält in den Berufen rund um Geschichte und Archäologie Einzug. So setzen Forscher zum Beispiel auf mit Spezialkameras bestückte Drohnen, um hochauflösende Aufnahmen von historischen Stätten in schwer zugänglichen Gebieten zu erstellen. Eine solche digitale Erfassung des Kulturerbes wird umso wichtiger, weil viele historische Denkmäler weltweit durch Umweltschäden, Raubgrabungen und Kriegsschäden akut von der Zerstörung bedroht sind. Wissenschaftler/innen arbeiten unermüdlich daran, Gebäudestrukturen und Fassaden dreidimensional zu erfassen und so zumindest deren Abbild für die Nachwelt zu erhalten. So können die Menschen der Zukunft die digitalisierten Denkmäler dann in virtuellen Spaziergängen bereisen.

Der illegale Handel mit antiken Objekten aus geplünderten archäologischen Stätten hat rasant zugenommen. Ein interessantes Arbeitsfeld für Historiker/innen ist in diesem Zusammenhang auch die Erforschung der Provenienz, also der Herkunft und der Besitzverhältnisse von Kulturzeugnissen. Akademiker/innen dieser Arbeitswelt unterstützen Behörden, Museen und private Sammler dabei, die jeweilige Herkunft zu klären. Auch die neuere Geschichte bietet Einsatzgebiete für Provenienzexperten: Sie untersuchen zum Beispiel die Bestände von Museen und Kunstsammlungen auf mögliche NS-Raubkunst. <<

Portrait von Sitta von Reden

Interview mit Prof. Dr. Sitta von Reden, Stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands

Großes Nachfragespektrum

Frau von Reden, welche Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sind für Historiker interessant?
Sitta von Reden: Geschichtswissenschaftler können in vielen Bereichen tätig werden, denn sie haben gelernt, eigenständig Themen zu recherchieren und wissenschaftliche Argumentationen zu entwickeln. Der Umgang mit historischen Quellen erfordert besondere Sorgfalt, zumal Archive häufig unterschiedlich sind und das historische Druckgut überschaut werden will. Diese Fähigkeiten treffen auf ein relativ großes Nachfragespektrum.

Sind damit erhöhte Chancen in der freien Wirtschaft verbunden?
Sitta von Reden: Das hängt nicht zuletzt von der eigenen Initiative ab. Die Wege in die Unternehmen sind durchaus offen. Es kommt darauf an, dass man sich im Studium breit aufstellt, Praktika in verschiedenen Bereichen absolviert, mit Unternehmen in Kontakt tritt und auch gute Noten anstrebt.

Wie wichtig ist eine Promotion?
Sitta von Reden: Die Promotion gewinnt an Bedeutung, weil Unternehmen wissen, dass dahinter eine gründliche wissenschaftliche Ausbildung steckt. Andererseits gibt es heute mehr promovierte Historiker als früher, sodass die Konkurrenz zunimmt. <<

Absolventen des Studiengangs Ur- und Frühgeschichte sind bei den Landesdenkmalämtern gefragt. Wer zum Beispiel Klassische Archäologie studiert hat und an Ausgrabungen in Griechenland oder in der Türkei beteiligt war, hat hier nicht ganz so gute Chancen, kann dafür aber bessere Möglichkeiten im Ausland haben. Insgesamt werden in der Archäologie immer weniger feste Arbeitsplätze ausgeschrieben. Die Stellen sind begehrt, denn viele Interessierte verbinden mit Archäologie vor allem Abenteuer und übersehen, dass dies oft vor allem eine Schreibtischtätigkeit ist.

Wer nach Abschluss einer akademischen Ausbildung als Kunsthistoriker in einem Museum arbeiten möchte, sollte idealerweise eine Promotion und einschlägige Praktika vorweisen können. Der Einstieg verläuft üblicherweise über ein zweijähriges Volontariat, in dem die Grundlagen der Museumsarbeit vermittelt werden. Die Möglichkeit einer direkten Übernahme nach dem Volontariat hängt von der aktuellen Stellen- und Haushaltssituation ab. Voraussetzungen sind in jedem Fall exzellentes Fachwissen, Interesse an der öffentlichen Vermittlung musealer Inhalte und ein Gespür für den Umgang mit originalen Kunstwerken.

Neben dem Studium in Latinistik und Gräzistik, das mit den akademischen Graden B.A. und M.A. abgeschlossen werden kann, ist die Ausbildung in Latein für das Lehramt an Gymnasien – Abschluss: Erste Staatsprüfung – beliebt. Die Chance auf eine Einstellung an staatlichen Schulen nach dem Referendariat ist jedoch in der derzeitigen Situation nur noch für sehr gute Absolventen gegeben. Das Erste Staatsexamen in den „vertieft studierten Fächern“ hat aber auch für eine Karriere an Universitäten, Forschungseinrichtungen und Bibliotheken ein hohes Ansehen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Dokumentation
  • Forschung
  • Führungen veranstalten
  • Geschichte
  • Katalogisieren, Bestandserschließung (Archiv, Bibliothek, Museum)
  • Konservieren (historische Objekte)
  • Kulturgeschichte
  • Kunstgeschichte
  • Lehrtätigkeit (Hochschule)
  • Museumspädagogik
  • Quellenmaterial auswerten (Geschichte)
  • Recherche, Informationsbeschaffung
  • Sprachwissenschaft
  • wissenschaftliche Reisebetreuung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Durchsetzungsvermögen
  • Eigeninitiative
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Mobilitätsbereitschaft (z.B. bei Ausgrabungsprojekten)
  • Selbstorganisation
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/geschichte-und-archaologie