Geo­wissen­schaften

Gestein

Die Arbeitswelt im Überblick

Naturwissenschaftlich geschult, mit mathematischem Verständnis ausgestattet, exkursionstauglich, fit in Fremdsprachen und kommunikationsstark: So präsentieren sich Geowissenschaftler/innen im 21. Jahrhundert. Was sind die Trends, die den Arbeitsmarkt prägen?

Klischees gibt es genügend über Geowissenschaftler/innen: etwa der Geologe, der immer mit Allwetterjacke und Geologenhämmerchen im Gelände anzutreffen ist. Ganz falsch ist dieses Bild nicht – doch die Wahrheit ist komplexer. Vereinfacht gesagt erforschen Geowissenschaftler/innen alles, was mit unserem Planeten zu tun hat: ob auf der Erde, im Boden, in Gewässern oder in der Luft. Jedoch haben sie zahlreiche Möglichkeiten, sich zu spezialisieren. In der Meteorologie nutzen sie Messdaten, um das Klima zu untersuchen oder das Wetter vorherzusagen. In der Paläontologie erforschen sie die Entwicklungsgeschichte der Erde. Die Human- und Wirtschaftsgeografie dagegen hat vor allem den Menschen im Blick und integriert auch sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Aspekte.

Die akademische Ausbildung in den Geowissenschaften ist breit angelegt. Im Rahmen des Studiums befasst du dich etwa mit Bodenkunde, Klimaforschung und Kartografie. Für deine künftigen Aufgaben wirst du auch in die Bedienung von Statistiksoftware und Geoinformationssystemen eingeführt. Die Arbeitsbedingungen nach dem Abschluss sind abwechslungsreich. Geowissenschaftler/innen können im Labor, aber auch im Gelände oder auf Baustellen arbeiten. Der Büroalltag ist ihnen ebenfalls nicht fremd. Es gilt, Daten am Computer auszuwerten und Präsentationen für Kunden vorzubereiten. Vielfach ist das Arbeitsumfeld international geprägt, beispielsweise wenn es um die Erschließung von Rohstoffquellen geht. Gute Englischkenntnisse sind daher wichtig.

Mit ihren Kenntnissen haben Geowissenschaftler/innen in vielen unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen Chancen. Sie können zum Beispiel digitale Karten oder Navigationssysteme für die IT-Branche entwickeln. Optionen gibt es auch im Vermessungswesen, bei Architekturbüros für Regionalplanung oder im Bereich der Wirtschaftsförderung. Ein wachsender Markt für Geowissenschaftler/innen ist zudem der Bereich Umweltschutz und Umweltberatung. Hier untersuchen sie beispielsweise, welche Folgen menschliche Eingriffe auf das Grundwasser oder die Atmosphäre haben oder wie man aufgegebene Industriestandorte sanieren kann. Auch an der Erschließung neuer Energiequellen wie beispielsweise Erdwärme sind sie beteiligt.

Weiterhin gibt es für Geowissenschaftler/innen Einsatzmöglichkeiten in Feldern, auf die man nicht sofort kommt. So können sie etwa im Öffentlichen Dienst, bei der Bundeswehr oder bei Versicherungsunternehmen in der Risikoermittlung arbeiten. Oder aber sie suchen als Berater für Investoren nach lukrativen neuen Standorten, beispielsweise für den Bau von Einkaufszentren.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, beschreibt die Situation am Arbeitsmarkt: „Die Geowissenschaften sind ein kleines Berufsfeld. Da es nur wenige Stellen gibt, die sich explizit an Geowissenschaftler/innen richten, empfiehlt es sich beim Berufseinstieg, flexibel zu sein."

In dieser Arbeitswelt wird oftmals mit modernsten Verfahren gearbeitet – zum Beispiel mit der Magnetfeld-Erkundung bei der Suche nach Rohstofflagerstätten. Fortschritte gibt es auch dank neuester Computertechnik. Mithilfe moderner Hochleistungsrechner können Geologen und Geologinnen heute riesige Mengen seismischer Daten in kürzester Zeit auswerten. So gewinnen sie ein präzises Bild vom Untergrund und spüren selbst versteckte Rohstoffvorkommen auf. Eine Analyse, für die sie vor einem Jahrzehnt noch mehrere Jahre benötigt hätten, können sie heute an nur einem Tag erledigen.

Auch die Fördermethoden entwickeln sich stetig weiter. Beim sogenannten „Fracking“ etwa wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Erde gepumpt, um Gesteinsschichten aufzubrechen und darin gebundene Öl- und Gasvorkommen zu fördern. Der Einsatz dieses Verfahrens ist in Deutschland höchst umstritten. Geowissenschaftler/innen sind gefragte Experten, wenn es um die Einschätzung des Umweltrisikos beim Fracking geht. Sie sind zudem an der Entwicklung alternativer Methoden beteiligt, die ohne den Einsatz von Chemikalien auskommen. <<

Portrait von Hans-Jürgen Weyer

Interview mit Dr. Hans-Jürgen Weyer, Geschäftsführer des Berufsverbandes Deutscher Geowissenschaftler

Breite Ausbildung

Herr Weyer, welche Trends gibt es in der Branche?
Hans-Jürgen Weyer: Der Trend geht momentan hin zur Energie- und Rohstoffversorgung sowie zur Verringerung der Gefahren durch Georisiken, allen voran des Klimawandels.

Welche Anforderungen sind zu erfüllen?
Hans-Jürgen Weyer: Berufseinsteiger brauchen eine breite fachliche Grundausbildung mit gutem mathematisch-naturwissenschaftlichen Verständnis. Ebenso sind das Beherrschen der gängigen Computersoftware und soziale Kompetenzen selbstverständlich. In der Industrie und im Ingenieurbüro sollte man zudem kaufmännisches Verständnis mitbringen.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Hans-Jürgen Weyer: In der Industrie stehen Führungspositionen im In- und Ausland offen, eine Laufbahn in Ämtern und Behörden ist ebenfalls möglich. Das gilt in der Regel aber nur für Absolventen eines Masterstudiengangs, während Bachelorabsolventen entsprechend ihrer akademischen Qualifikation zum Teil mit Laufbahneinschränkungen rechnen müssen. <<

Die Geoinformatik als eine wesentliche Zukunftstechnologie befasst sich mit der computergerechten Aufnahme, Verarbeitung und Analyse von Geoinformationen, etwa von Satellitenbildern. Geoinformatiker finden Arbeitsplätze in so verschiedenen Branchen wie Telekommunikation und Navigation, Versicherungen und Logistik, Ingenieur- und Planungsbüros, Forst- und Landwirtschaft, Versorgungstechnik und Immobilienindustrie, Touristik oder in der Softwareindustrie. Ein Schwerpunkt liegt auf webbasierten und mobilen Anwendungen.

Geologinnen und Geologen an einem Wasserwirtschaftsamt benötigen fundierte geologische und hydrogeologische Kenntnisse, etwa bei der Beurteilung von Grundwassernutzungen, beim Bodenschutz, im Altlastenbereich oder beim Kiesabbau. Daneben gehört viel Kommunikationsfähigkeit und Verhandlungsgeschick dazu, um die unterschiedlichen Nutzungsinteressen unter einen Hut zu bringen, zum Beispiel bei der Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Jedes Wasserwirtschaftsamt in Bayern beschäftigt Experten dieses Bereichs.

Eine wichtige Aufgabe von Geodäten, also Absolventen aus Geodäsie und Vermessungswesen, im Öffentlichen Dienst ist das Führen des Liegenschaftskatasters. Neben einem guten Studienabschluss legen wir Wert auf Genauigkeit und ein Interesse an der Historie der Liegenschaften. Wichtig für den Beruf sind ingenieurwissenschaftliches Verständnis und rechtliche Grundlagen, etwa in Bau- und Grundstücksrecht. Da Geodäten nicht nur Vermessungen durchführen, sondern teils auch zwischen Eigentümern vermitteln, ist außerdem Verhandlungsgeschick gefragt.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bodenkunde
  • Geologie
  • Geoökologie
  • Geophysik
  • Geotechnik
  • GIS (Geoinformationssysteme)
  • Kartografie
  • Klimatologie
  • Kulturgeografie
  • Labortechnik, Messtechnik
  • Meteorologie
  • Physische Geografie
  • Sozial- und Wirtschaftsgeografie

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • Kommunikationsstärke
  • Kundenorientierung
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/geowissenschaften