Gehobener und höherer technischer Dienst

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Die Arbeitswelt im Überblick

Wer technisch und naturwissenschaftlich interessiert ist, dem bieten sich nach dem Studium vielfältige Aufgaben bei Bund, Ländern und Gemeinden – ob im gehobenen oder im höheren technischen Dienst. Welche Trends sind derzeit in dieser Arbeitswelt von Bedeutung?

Keine Frage: Wer Trinkwasser auf Reinheit untersucht, für die Sicherheit von Kraftwerken sorgt, die öffentlichen Datennetze vor Hackerangriffen schützt oder bei der Feuerwehr Einsätze koordiniert, trägt eine große Verantwortung und muss fachlich sehr versiert sein. Hochschulabsolventen und -absolventinnen aus natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Fächern bringen die entsprechenden Kenntnisse mit. Ihre Einsatzbereiche im technischen Dienst reichen von der Agrar- oder Bergverwaltung über die Gewerbeaufsicht und den bautechnischen Dienst bis hin zur Umwelt-, Wasser- oder Wehrverwaltung.

Grundlage für den gehobenen und höheren technischen Dienst ist – abgesehen vom fachlichen Wissen aus dem jeweiligen Studium – vor allem die Kenntnis von Verwaltungsabläufen, Gesetzen und rechtlichen Bestimmungen. Dieses Wissen erwirbst du im Rahmen des Vorbereitungsdienstes auf die Beamtentätigkeit.

Zusätzlich brauchst du in dieser Arbeitswelt aber auch eine Reihe weiterer Kompetenzen und Fertigkeiten. Wichtig ist eine sorgfältige und gewissenhafte Arbeitsweise, denn von deinen Entscheidungen hängt möglicherweise das Wohlergehen der Bürger ab. Da du häufig in Teams arbeitest – oder diese sogar leitest – und viel Kontakt zu den Bürgern hast, solltest du zudem Kompromissfähigkeit und Kommunikationsstärke mitbringen. Und natürlich geht im technischen Dienst nichts ohne ein generelles Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und technischen Abläufen – etwa wenn du Laboranalysen durchführst, Maschinen auf deren Sicherheit überprüfst oder im Feuerwehrdienst die Verantwortung für die Einsatzbereitschaft der Geräte trägst.

Ein wichtiger Aufgabenbereich für Akademiker/innen im technischen Dienst ist das Segment „Öffentliche Sicherheit und Ordnung“, also zum Beispiel der Brand- und Katastrophenschutz. Auch das Vermessungswesen und die Raumordnung sowie das Verkehrs- und Nachrichtenwesen bieten zahlreiche Chancen.

Die Nachfrage nach hoch qualifizierten Nachwuchskräften für den gehobenen oder höheren technischen Dienst gilt dabei insgesamt als hoch, wie manche Experten erklären. Diesen zufolge hat der öffentliche Sektor teilweise sogar Schwierigkeiten, Stellen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich zu besetzen. Zum einen gehen viele ältere Beamte und Beamtinnen demnächst in Ruhestand. Zum anderen konkurrieren Behörden beim Wettbewerb um junge Akademiker mit der freien Wirtschaft, wo die Verdienstmöglichkeiten oft besser sind. Akademiker/innen mit technisch-naturwissenschaftlichem Abschluss, die die Arbeitsplatzsicherheit und die weiteren Vorteile des Beamtenstatus zu schätzen wissen, haben im Öffentlichen Dienst also viele Einstiegschancen.

Ein wichtiger Trend für Beamte und Beamtinnen im technischen Dienst ist die steigende Bedeutung des Themas Bürgerbeteiligung. Bei öffentlichen Projekten gilt es, die Wünsche, Interessen und Einwände aller Betroffenen in die Planung einzubeziehen. Das bedeutet beispielsweise im Straßenbau, dass es nicht mehr nur um die technisch und wirtschaftlich optimale Trassenführung geht. Vielmehr müssen auch Aspekte des Naturschutzes und insbesondere die Anliegen und Sorgen der Anwohner in die Planungen mit einbezogen werden.

Dabei muss Beamten und Beamtinnen klar sein, dass sie es nur in den seltensten Fällen schaffen werden, allen Interessen gerecht zu werden. Umso wichtiger ist es, dass die Planungen stets transparent sind und die Argumente aller Betroffenen in einem fairen Verfahren gegeneinander abgewogen werden. Beamte und Beamtinnen im technischen Dienst sollten heute also auch soziale Kompetenzen mitbringen. Wer gut auf Menschen zugehen kann und aufgeschlossen ist gegenüber anderen Meinungen und neuen Methoden der Bürgerbeteiligung, kann davon im Berufsleben sehr profitieren. <<

Portrait von Jan-Georg Seidel.

Interview mit Jan-Georg Seidel, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft BTB – Technik und Naturwissenschaft.

Anspruchsvolle Aufgaben, sicherer Arbeitsplatz

Herr Seidel, wie sind die Aussichten für Absolventen eines technisch-naturwissenschaftlichen Studienfachs im Öffentlichen Dienst?
Jan-Georg Seidel: Sehr gut, was die fachlichen Rahmenbedingungen betrifft. Es gibt interessante und anspruchsvolle Aufgaben in vielen unterschiedlichen Bereichen: vom technischen Verbraucherschutz, der technischen Gefahrenabwehr bis zu Wissenschaft und Forschung. Die Stärken des Öffentlichen Dienstes sind die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie gute Möglichkeit zur Teilzeitarbeit. Eine große Schwäche ist allerdings die Bezahlung beim Berufseinstieg. Ein Grund ist die angespannte Haushaltslage der Länder.

Wie sind die Anforderungen an Bewerber?
Jan-Georg Seidel: Gute naturwissenschaftliche oder technische Fachkenntnisse bilden die Basis, reichen aber nicht aus. Die Bedeutung von Führungskompetenzen ist erheblich gestiegen – deshalb sind auch Kommunikations- und Teamfähigkeit von zentraler Bedeutung. Insbesondere das Vermitteln und Erklären von Entscheidungen wird immer wichtiger.

Welche Aufgaben erwarten Ingenieure und Naturwissenschaftler im Öffentlichen Dienst?
Jan-Georg Seidel: Das Spektrum der Aufgaben reicht von der Umsetzung von Planungen, dem Vollzug von Gesetzen, der Begleitung von Projekten bis zur konzeptionellen Entwicklung, um die Politik zu beraten. Im Öffentlichen Dienst kann man mitgestalten und vielerlei Verbesserungen für die Menschen in unserem Land umsetzen. <<

Architekten und Bauingenieure mit guten Studienergebnissen finden im Öffentlichen Dienst, insbesondere bei Kommunen, vielseitige und verantwortungsvolle Aufgaben und immer wieder gute Berufschancen. Einsatzbereitschaft, Gemeinwohlorientierung und Verständnis für den Ausgleich widerstreitender Interessen sind Voraussetzung für eine erfolgreiche Tätigkeit in der Öffentlichen Verwaltung.

Geodäten – also Vermessungsingenieure – sind Wissenschaftler, die unsere Erde und das erdnahe Weltall erkunden, vermessen und anschließend kartografisch darstellen. Dies tun sie mit modernsten Sensoren und Methoden. Mit Satelliten im Weltall werden die Erde und ihre Veränderungen erforscht, oder es wird unterirdisch mit Laserstrahlen der Durchschlag eines kilometerlangen Tunnels zentimetergenau bestimmt. Vermessungsingenieure zählen zu den am meisten gesuchten Fachleuten. Nie waren ihre Berufschancen besser. Unter „Arbeitsplatz-Erde” im Internet finden Sie einen sehr guten Überblick.

Das Eisenbahn-Bundesamt hat in den kommenden Jahren kontinuierlich Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren mit Bachelor- und Masterabschluss in den Schwerpunkten Bautechnik, Maschinentechnik, Elektrotechnik, Arbeitsschutz oder auch Umwelttechnik. Unsere Behörde bietet viele interessante Aufgabengebiete, zum Beispiel rund um die allgemeine Eisenbahnaufsicht, die Zulassung von Fahrzeugen oder die Bewilligung von Finanzmitteln für den Schienenverkehr.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bau- und Architektenrecht
  • Baustoffkunde, -technologie
  • Bergbautechnologie
  • Bergung (Rettungswesen)
  • Binnenschifffahrt
  • Brandschutz
  • Einkauf, Beschaffung
  • Geologie, Geotechnik
  • Gewässerschutz
  • Grundbuchrecht, Liegenschaftsrecht
  • Kartografie
  • Lebensmittelhygiene
  • Messtechnik und -verfahren
  • Umweltschutz, Umwelttechnik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Entscheidungsstärke
  • Führungskompetenz
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Leistungs- und Einsatzbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/gehobener-und-hoherer-technischer-dienst