Energie­technik

Kabel in einem Schaltschrank.

Die Arbeitswelt im Überblick

Ohne Energie geht nichts – keine Wärme, kein Licht, kein Wohnen oder Arbeiten. Es gilt, die Stromversorgung auch für die Zukunft zu sichern. Wie sind die Beschäftigungschancen in der Energietechnik? Welche Trends zeichnen sich ab?

Die Experten und Expertinnen in dieser Arbeitswelt arbeiten daran, dass wir zuverlässig, umweltfreundlich und kostengünstig mit elektrischer Energie versorgt werden. Das Berufsfeld wird bestimmt von Elektroingenieuren und Elektroingenieurinnen, etwa mit einer Spezialisierung auf Energietechnik oder Erneuerbare Energien. Als Energieingenieur/in bist du zum Beispiel an der Planung und Entwicklung von konventionellen Kraftwerken beteiligt. Oder du forschst an der Verbesserung von Technologien, um Strom aus Sonne, Wind & Co. zu gewinnen. Auch der Ausbau und die Wartung von Stromnetzen sowie das Erzeugen, Speichern und Verteilen von Elektrizität kann zu deinen Aufgaben gehören.

Wer in der Energietechnik arbeiten will, sollte viel technisches Verständnis sowie Interesse an Mathematik, Naturwissenschaften und Computern mitbringen. Aber auch Planungsstärke sowie soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Kommunikationsstärke sind gefragt. Das Fachwissen aus dem Studium, etwa in Energie- oder Steuerungstechnik, muss in dieser Arbeitswelt natürlich sitzen. Darüber hinaus kann man aber auch mit BWL-Kenntnissen oder Fremdsprachen punkten.

Typische Arbeitgeber für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt sind Energieerzeuger und Stromnetzbetreiber, vom kommunalen Versorger über den Windparkbetreiber bis hin zum internationalen Energiekonzern. Ebenfalls viele Möglichkeiten bieten sich in der Elektroindustrie, beispielsweise bei Herstellern von Gasturbinen, Generatoren, Gebäudesystemtechnik oder Batterien. Ein interessanter Bereich ist auch die Erneuerbare-Energien-Branche, die etwa aus Anbietern von Windrädern oder Solarpanels besteht. Zudem werden auch in anderen Industriezweigen Energieexperten gesucht, zum Beispiel, um Maschinen ans Stromnetz zu bringen. Und nicht zuletzt gibt es Ingenieurbüros, die ihre Kunden beispielsweise in Sachen Kraftwerkbau oder Energieeffizienz beraten.

Der bestimmende Trend in dieser Arbeitswelt ist die Energiewende. Die Hersteller von Solar- und Windkraftwerken haben davon lange sehr profitiert. Das Wachstum hat sich jedoch mittlerweile abgeschwächt: Die harte Konkurrenz auf dem Weltmarkt und die Kürzungen der staatlichen Förderung haben ihre Spuren hinterlassen. Gleichzeitig gab es Einbrüche im Bereich der konventionellen Energietechnik.

Der Arbeitsmarkt für Experten der Energietechnik entwickelte sich zuletzt eher verhalten, berichtet Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit: „Der Wettbewerbsdruck in der Solarindustrie und die Folgen der Energiewende sind nicht ohne Auswirkungen am Arbeitsmarkt vorbeigegangen. Es besteht eine relativ geringe Nachfrage nach Experten in diesem Bereich. Insbesondere Berufseinsteiger spüren dies.“


Trotzdem gelten die Erneuerbaren Energien nach Meinung vieler Expertinnen und Experten weiter als Technologie mit großer Zukunft – auch wenn das Wachstum vielleicht nicht mehr so stark ausfallen wird wie in den Pionierzeiten der Branche. Vor allem der internationale Markt bietet noch enormes Wachstumspotenzial für „grüne“ Technologien aus deutscher Herstellung.
Intelligent und dezentral


Ganz allgemein steht die Energieerzeugung vor einem dramatischen Strukturwandel. Früher verkauften einige wenige Energiekonzerne große Mengen Strom aus Atom-, Kohle und Gaskraftwerken zu einem festgelegten Preis. Seit Ökostrom aus Sonne und Wind in den Markt drängt, trägt das Geschäftsmodell nur mehr bedingt. Viele Großkraftwerke sind schlecht ausgelastet und müssen möglicherweise sogar vom Markt genommen werden. Die zentrale Herausforderung wird es sein, die Versorgungssicherheit trotz des schwankenden Ertrags bei den Erneuerbaren Energien auch in Zukunft zu garantieren.

Der Bau neuer Überlandleitungen ist eine mögliche Lösung, um den Ökostrom besser im Land zu verteilen, politisch jedoch höchst umstritten. Erdkabel sind eine möglich Alternative, doch diese sind wesentlich teurer. Manche Experten erwarten stattdessen, dass in Zukunft eine dezentrale, „smarte“ Energiestruktur vorherrschen wird, in der einzelne Haushalte Energie in großen Solarstromspeichern oder den Batterien von Elektroautos zwischenspeichern und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen. <<

Portrait von Stefan Kapferer.

Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW)

Neue Berufsbilder, hohe Nachfrage

Herr Kapferer, welche aktuellen Entwicklungen gibt es derzeit in der Energiebranche?
Stefan Kapferer: Mit der Energiewende ist auch der Veränderungsdruck in der Branche gewachsen: Die Zahl der Anbieter im Bereich der Erneuerbaren Energien steigt, Energiedienstleistungen werden immer wichtiger. Der Trend zur Digitalisierung bringt viele spannende Themen und neue Berufsbilder mit sich. Damit sich die Unternehmen insgesamt neu ausrichten können, benötigen sie Fachkräfte.

In welchen Bereichen gibt es den größten Nachwuchsbedarf?
Stefan Kapferer: In den nächsten zehn Jahren müssen 25 Prozent der Stellen in der Branche neu oder nachbesetzt werden. Großen Bedarf gibt es für Energie-, Klima- oder Umweltingenieure – bei der Installation und Wartung von Windanlagen vor den Küsten etwa fehlen schon heute Fachkräfte. Auch für Ingenieure, die die künftige Energieversorgung durch intelligente Netze steuern werden, ist die Nachfrage sehr groß. Zu den neuen Berufsbildern zählen zum Beispiel Regulierungsmanager, Power-Trader oder Portfoliomanager. Die Energieunternehmen werden zusätzliche IT-Fachkräfte benötigen, damit beispielsweise die Kommunikation zwischen Netzleitstelle und Haushalt noch intelligenter wird. Immer wichtiger werden auch die Erforschung von Speichermöglichkeiten und die Entwicklung von alternativen Mobilitätskonzepten.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Stefan Kapferer: Kompetenz, Motivation und eine qualitativ hochwertige Ausbildung sind unverzichtbar. Um einen möglichst direkten Zugang zum Nachwuchs zu finden, bieten viele Unternehmen Praktika an und betreuen Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionen. Bevorzugte Studiengänge sind hier unter anderem Elektro- und Energietechnik, Anlagenbau, Ingenieurinformatik, Umwelttechnik und Verfahrenstechnik. Auch im Bereich der BWL können verschiedene Schwerpunkte relevant sein – etwa Projektmanagement, Marketing oder Personalentwicklung. <<

Trends in unserer Branche sind zum Beispiel die zunehmenden Investitionen in Erneuerbare Energien sowie eine hohe Dynamik mit entsprechenden Wettbewerbsfaktoren. Wir engagieren uns unter anderem in der Entwicklung und dem Einsatz zukunftsweisender Energietechnik wie Kraft-Wärme-Kopplung oder der Bioenergietechnik. Der ideale Bewerber verfügt über eine fundierte Ausbildung, Begeisterung für die Arbeit in der Energiewirtschaft, hohe Kundenorientierung sowie den Willen, Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Zum weiteren Ausbau unserer Geschäftstätigkeiten in Asien, Südamerika, aber auch Europa suchen wir Mitarbeiter in den Bereichen Business Development, Projektfinanzierung, technisches Projektmanagement, Bau- und Realisierungsmanagement. Wir freuen uns über Bewerber mit Reisebereitschaft sowie verhandlungssicherem Englisch. Neben einem abgeschlossenen Studium in Fachrichtungen wie Elektrotechnik oder Maschinenbau sind uns Kompetenzen wie Kommunikationsstärke, eine schnelle Auffassungsgabe, eigenverantwortliches Arbeiten, Belastbarkeit und Teamfähigkeit wichtig.

Ingenieurinnen und Ingenieure mit Schwerpunkt Energietechnik können in Jülich dazu beitragen, die wissenschaftlichen Herausforderungen der Energiewende zu meistern. Einstiegsmöglichkeiten gibt es schon im Studium oder danach als Doktorand/in. Auch für das Forschungsmanagement suchen wir Expertinnen und Experten als Verstärkung. Wenn man sich für Spitzenforschung begeistert, gut analysieren und systematisch arbeiten kann und ein Teamplayer ist, gibt es für Bewerber/innen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten in einem internationalen Umfeld.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Entwicklung und Konstruktion
  • fachspezifische technische Kenntnisse: z.B. Elektrische Energietechnik; Energieverteilung, -versorgung, -erzeugung; Hochspannungstechnik; Kern- und Reaktortechnik; Kraftwerkstechnik; Technologien für Erneuerbare Energien
  • Informationstechnik, Computertechnik
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Projektmanagement
  • Qualitätsprüfung, -sicherung
  • Vertrieb und Kundenbetreuung

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kommunikationsstärke
  • Kreativität (immer neue technische Lösungen finden)
  • Kundenorientierung
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/energietechnik-3