Chemie

verschieden befüllte Laborgefäße

Die Arbeitswelt im Überblick

Ob im Labor, im Büro oder in der Produktion, ob in der Industrie oder an einem Forschungsinstitut – mit einem Hochschulabschluss aus dem Bereich Chemie gibt es viele berufliche Möglichkeiten. Wie steht es um die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt? Welche Trends gilt es zu beachten?

Chemische Innovationen stecken in unzähligen Produkten: in Lacken, Kosmetika und Arzneimitteln ebenso wie im hochauflösenden Display eines Smartphones oder in der ultraleichten und trotzdem stabilen Carbon-Karosserie eines Sportwagens. An der Entwicklung, Herstellung und Weiterverarbeitung chemischer Erzeugnisse sind nicht nur Chemiker/innen, sondern auch Absolventen verwandter Studiengänge beteiligt. Als Chemieingenieur/in bist du an der Schnittstelle zwischen Chemie und Technik tätig, als Wirtschaftschemiker/in hast du neben deinen naturwissenschaftlichen Kenntnissen ein betriebswirtschaftliches Profil vorzuweisen.

Je nach Einsatzgebiet können sich die konkreten Tätigkeiten in dieser Arbeitswelt stark unterscheiden. Im Rahmen der Produktion chemischer Erzeugnisse geht es häufig darum, Anlagen zu überwachen, Mitarbeiter/innen anzuleiten sowie die Kosten- und Zeitpläne im Auge zu behalten. In Forschungs- und Entwicklungslabors steht beispielsweise die Entwicklung verbesserter chemischer Rezepturen oder das Erforschen neuer Herstellungsmethoden im Vordergrund. Oft übernehmen die Absolventen dieser Arbeitswelt auch Aufgaben im Management oder im Vertrieb. Dann wird der Berufsalltag nicht selten von der Arbeit im Büro und von Projektmeetings mit den Kunden bestimmt.

Unabhängig vom jeweiligen Einsatzbereich solltest du in dieser Arbeitswelt neben einem großen Interesse für naturwissenschaftliche Zusammenhänge auch Geduld und eine sorgfältige, analytische Arbeitsweise mitbringen. Da man häufig im Team arbeitet, sind außerdem Kommunikationsstärke und andere soziale Kompetenzen unverzichtbar. Wer in einem internationalen Umfeld tätig ist, sollte außerdem sicheres Fachenglisch mitbringen.

Der wichtigste Arbeitgeber für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt ist die Chemische Industrie. Davon abgesehen gibt es auch Beschäftigungsmöglichkeiten etwa in der Pharmazeutischen oder Kunststoff verarbeitenden Industrie, an Hochschulen und Forschungsinstituten, bei Ingenieur-, Umweltanalyse- und Beratungsbüros oder im Öffentlichen Dienst. Und nicht zuletzt bieten sich Chancen in Branchen wie der Automobilindustrie, die chemische Erzeugnisse weiterverarbeiten.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet: „Die Arbeitslosigkeit von Chemikern und Chemieingenieuren ist unterdurchschnittlich, die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Bereich relativ stabil. Gerade Chemieingenieuren bieten sich viele Stellenangebote.“

Die Unternehmen der Chemischen Industrie betreiben einen hohen Aufwand im Bereich Forschung und Entwicklung. Die daraus resultierenden innovativen Herstellungsprozesse verschaffen den deutschen Firmen einen Vorteil gegenüber ihren ausländischen Mitbewerbern, zum Beispiel bei der Herstellung sogenannter Spezialchemikalien.

Ebenso bringt die Forschung immer wieder Produktneuerungen hervor. Chemiker/innen arbeiten beispielsweise an der Entwicklung von Nanolacken mit antibakterieller Wirkung für medizinische Geräte. Eine weitere Innovation sind Solarzellen aus organischen Halbleitern, die viel flexibler einsetzbar sind als herkömmliche Fotovoltaikzellen aus Silizium.

Mit dem Elektroauto lange Strecken fahren, ohne die Batterie zwischendurch aufladen zu müssen – das ist aktuell noch Zukunftsmusik. Als Chemiker/in könntest du aber dazu beitragen, dass man in absehbarer Zeit mit einem Elektroantrieb genauso weit kommt wie mit einem Verbrennungsmotor: Chemische Energiespeicher – etwa mittels Lithium-Schwefel-Technologien – werden immer leistungsfähiger und gleichzeitig billiger. Angesichts der harten internationalen Konkurrenz ist es aber ungewiss, ob diese Schlüsseltechnologie in Deutschland etabliert werden kann. <<

Portrait von Ralf Müller

Interview mit Ralf Müller, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg e.V.

Vielfältige Perspektiven

Herr Müller, wie sind die aktuellen Entwicklungen in den einzelnen Sparten der Chemischen Industrie?
Ralf Müller: Die Stimmung in den Mitgliedsunternehmen ist insgesamt gut. Unsere Branche ist hoch innovativ und zukunftsorientiert. Die Umsätze in Produktionsbereichen wie etwa Lacke und Farben, Kunststoffe oder Körperpflege liegen auf einem ordentlichen Niveau. Und die Beschäftigtenentwicklung ist sehr stabil. In der Pharmaindustrie wird immer stärker auf moderne biotechnologische Verfahren in Medizin und industrieller Produktion gesetzt. Wir rechnen damit, dass der Weltmarkt für biotechnologische Produkte weiterhin deutlich wachsen wird.

Welche beruflichen Perspektiven gibt es für Akademiker?
Ralf Müller: Die Perspektiven reichen von Tätigkeiten im Außendienst, wie beispielsweise als „Clinical Monitor“, über Aufgaben in Ausbildung, Public Relations bis hin zur Leitung von Teams oder Abteilungen in Forschung oder Produktion. <<

Wacker bietet nicht nur Chemikern, sondern gerade auch Ingenieuren spannende und vielfältige Aufgaben. Chemiker arbeiten im Konzern vor allem in der Forschung und Entwicklung, in der Produktion und Anwendungstechnik sowie in der Analytik und im Umweltschutz. Planungs- und Projektingenieure sind bei uns verantwortlich für den Bau von Chemieanlagen. Zu den typischen Aufgaben eines Betriebsingenieurs gehört das Überprüfen und Optimieren von Anlagen. Und unsere Entwicklungsingenieure arbeiten an der großtechnischen Realisierung von Ideen und Forschungsergebnissen.

Die Farben- und Lackbranche bietet Arbeitsplätze mit guten Karrierechancen. Der technische Bereich gilt in der Chemie als einer der zukunftsweisenden. Neben den fachlichen Qualifikationen sollten die Bewerber auch soziale Kompetenzen mitbringen. Wir suchen selbstständige Mitarbeiter, die dazu noch in hohem Maße zu Teamarbeit fähig sind. Vor allem in mittelständischen Unternehmen gibt es vielseitige Einsatzmöglichkeiten – umso mehr Engagement ist gefragt, um dort unterzukommen.

Chemiker können in medizinischen Laboratorien Leitungsfunktionen im analytischen Bereich übernehmen. Eine Promotion wird dafür nicht vorausgesetzt, ist aber häufig der Fall. Eine Spezialisierung auf bestimmte relevante analytische Methoden wird erwartet. Im Übrigen besteht für Chemiker die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Weiterbildung in klinischen Laboren zum Klinischen Chemiker (beziehungsweise dem europäischen Äquivalent) zu qualifizieren.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Analytische Chemie
  • Anorganische Chemie
  • chemische Untersuchungs- und Messverfahren
  • Chemische Verfahrenstechnik
  • Farben- und Lacktechnik
  • Forschung
  • Kunststofftechnik
  • Laborarbeiten, Labortechnik
  • Organische Chemie, Biochemie
  • Pharmazeutische Chemie
  • Versuche planen, durchführen, auswerten

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Hygienebewusstsein
  • Kooperationsfähigkeit
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/chemie