Bio- und Gen­techno­logie

DNA Helix

Die Arbeitswelt im Überblick

Von der Grundlagenforschung bis zur Produktentwicklung: Methoden der Bio- und Gentechnologie finden in den Lebenswissenschaften häufig Anwendung. Wie steht es um die Perspektiven am Arbeitsmarkt? Welche Trends sind bedeutsam?

Im Zentrum der Arbeitswelt Bio- und Gentechnologie steht die Erforschung von Strukturen und Organisationsprinzipien der Natur. Aufbauend auf den entsprechenden Erkenntnissen entstehen zahlreiche neue Produkte und Herstellungsverfahren. Bioniker/innen beispielsweise entwickeln innovative Werkstoffe, die sich an Vorbildern aus der Natur orientieren. So ist unter anderem der Klettverschluss entstanden. Experten und Expertinnen aus der Molekularbiologie können an Verfahren forschen, um Arzneimittel mithilfe gentechnisch veränderter Mikroorganismen herzustellen. Gearbeitet wird oft im Labor, aber auch am Rechner im Büro.

In der Bio- oder Gentechnologie solltest du technisches Verständnis und natürlich großes Interesse an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen mitbringen. Zusätzlich musst du sehr verantwortungsbewusst und sorgfältig mit den Substanzen umgehen, mit denen du arbeitest. In der Forschung brauchst du außerdem den Mut, neue Wege zu gehen, und einen langen Atem – teils können sich Projekte über Jahre erstrecken.

Gute Ideen sind ohne Frage dein wichtigstes Kapital. Weil aufwendige Forschungsvorhaben aber auch viel Geld kosten, musst du für dein Projekt um staatliche Fördermittel oder Investoren aus der Wirtschaft werben. Nicht zuletzt deshalb solltest du deine Forschungsarbeit auch gut erklären und darstellen können – Kommunikations- und Präsentationsstärke sind in diesem Zusammenhang sehr hilfreich. Überdies sind Englischkenntnisse in der Bio- und Gentechnologie wichtig – immerhin ist Englisch die Sprache der Forschung.

Einen typischen Arbeitgeber für die Akademiker und Akademikerinnen dieses Bereichs gibt es nicht. Vom kleinen Biotech-Startup über das staatliche Forschungsinstitut bis hin zum internationalen Chemie- oder Pharmakonzern – das Spektrum der beruflichen Einsatzgebiete ist breit gefächert. Zu beachten ist jedoch: Obwohl die Biotechnologiebranche als sehr wachstumsstark gilt, handelt es sich immer noch um einen recht jungen und damit vergleichsweise kleinen Wirtschaftsbereich.

Entsprechend ist auch der Arbeitsmarkt nicht ganz einfach. „Die Arbeitslosigkeit von Biologen war in den letzten Jahren überdurchschnittlich im Vergleich zu anderen naturwissenschaftlichen Fachrichtungen“, erklärt Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, anhand einer typischen Berufsgruppe dieses Bereichs. „Die Zahl der Stellenangebote, die sich direkt an Biologen wenden, ist tendenziell niedrig. Viele Angebote sind zudem befristet."

Aufgrund der starken Ausrichtung auf Forschung und Entwicklung sind Innovationen in dieser Arbeitswelt an der Tagesordnung. So wird beispielsweise fortwährend an der Züchtung neuer Pflanzensorten mittels konventioneller Verfahren oder Gentechnik gearbeitet. Die Anwendung gentechnischer Verfahren in der Pflanzenzucht ist in Deutschland aber höchst umstritten. Es gilt, die Risiken dieser Verfahren und Produkte für die Umwelt und die Gesundheit der Verbraucher gründlich zu untersuchen.

Auch bei der Behandlung von Krankheiten eröffnen sich durch den Einsatz von Bio- und Gentechnologie immer wieder neue Wege. Mittels neuartiger Verfahren soll es beispielsweise einfacher möglich werden, defekte DNA-Bausteine im Erbgut von Lebewesen zu reparieren. Was an Labortieren bereits erfolgversprechend getestet wurde, könnte in Zukunft dazu beitragen, bisher unheilbare menschliche Erbkrankheiten zu behandeln. Doch der Weg von der Grundsatzforschung bis zur Zulassung ist lang und teuer. Biotech- und Pharma-Unternehmen investieren hohe Summen, um sich diesen potenziellen Milliardenmarkt zu erschließen.

Die langfristigen Chancen für die deutschen Hersteller von pharmazeutischen Produkten sind generell gut: Experten erwarten, dass die weltweite Nachfrage nach Medikamenten steigen wird. Die Bevölkerung in den Industrie- und Schwellenländern wird immer älter, steigende Einkommen ermöglichen eine bessere medizinische Versorgung. <<

Portraitaufnahme von Dr. Carsten Roller

Interview mit Dr. Carsten Roller, Ressortleiter Ausbildung & Karriere beim Verband VBIO – Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V.

Fachwissen gefragt

Herr Dr. Roller, welche Trends gibt es in der Branche?
Carsten Roller: Die Biomedizin ist für Biowissenschaftler immer noch der wichtigste Jobmotor – und wird das auch auf lange Sicht bleiben. Dank Biotechnologie werden wir in Zukunft Krankheiten heilen können, die bisher nur behandelt wurden. Aber auch andere Branchen ziehen nach. In der Chemie gibt es ein grundsätzliches Umdenken, weg vom Erdöl, hin zu erneuerbaren, auf Biomasse basierenden Rohstoffen.

Welche Anforderungen sollten Berufseinsteiger erfüllen?
Carsten Roller: Molekularbiologische Methoden sind nirgendwo mehr wegzudenken und werden schlicht vorausgesetzt. Berufseinsteiger müssen neben den fachlichen Kompetenzen auch beweisen, dass sie als Persönlichkeit ihren zukünftigen Aufgaben gewachsen sind. Daher entscheiden oftmals auch die sogenannten Soft Skills über den Erfolg einer Bewerbung.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es?
Carsten Roller: Frisch von der Hochschule ist der Einstieg für Biologen immer etwas schwerer. Biowissenschaftler haben aber den Ruf, beruflich besonders flexibel zu sein, und werden daher gerne eingestellt – und entsprechend ihren persönlichen Fähigkeiten in den Firmen weiterentwickelt. Da kann es durchaus sein, dass man sich nach kurzer Zeit in einem völlig neuen Berufsumfeld wiederfindet. <<

Unser Bedarf an Wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Bereich Bio- und Gentechnologie sowie in allen MINT-Berufen ist ungebrochen groß. Neben wissenschaftlicher Exzellenz und fachlichem Können erwarten wir auch unternehmerisches Denken und soziale Kompetenz. Vor allem Verhandlungsgeschick und Kundenorientierung spielen eine zentrale Rolle, da wir viele Forschungsprojekte für Kunden aus der Industrie durchführen. Bewerber sollten deshalb bei Auswahlgesprächen nicht nur in der Darstellung von Fachthemen versinken, sondern auch ihre Management-Kompetenzen zeigen.

Die Zahl der mit biotechnologischen Verfahren hergestellten Arzneimittel nimmt zu. In der Entwicklung dieser sogenannten Biopharmazeutika finden Biotechnologen und -chemiker gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Biologen kommen in der Pharmaindustrie eher in der Grundlagenforschung zum Einsatz. Meistens arbeiten Absolventen aus den Biowissenschaften bei uns als Projektmanager. Dabei ist neben Reisebereitschaft vor allem Teamfähigkeit gefragt, denn Arzneimittel werden immer in Zusammenarbeit vieler Projektteams entwickelt – auch über Ländergrenzen hinweg.

Das internationale Kunden- und Partnerumfeld in der Biotechnologie stellt hohe Anforderungen an zeitliche und kulturelle Flexibilität. Im Austausch hierfür bieten Berufe in der Biotechnologie überdurchschnittlich starke Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und zur Einarbeitung in neue, fachverwandte Themengebiete – wie zum Beispiel in kaufmännische und patentrechtliche Aspekte. Interessierte Bewerber und Bewerberinnen zeichnen sich daher besonders durch permanente Lern- und Anpassungsbereitschaft aus.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bioinformatik
  • Biologie
  • chemische Verfahrenstechnik
  • Dokumentation
  • Fachpublikationen erstellen
  • Forschung und Entwicklung
  • Genanalyse, DNA-Analyse
  • Genetik
  • Gentechnologie
  • Labordiagnostik
  • Labortechnik
  • Mikrobiologie
  • Produktmanagement
  • Projektmanagement
  • Verfahrenstechnik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Kritikfähigkeit
  • Lernbereitschaft
  • Präsentationsfähigkeit
  • Sorgfalt
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/bio-und-gentechnologie