Bildende Kunst

Drei Pinsel liegen auf einem farbbekleksten Untergrund.

Die Arbeitswelt im Überblick

Um Erfolg zu haben, brauchen Künstler/innen weit mehr als Talent und Kreativität. Da die meisten nicht fest angestellt, sondern freiberuflich arbeiten, sind Durchhaltevermögen und Selbstorganisation unerlässlich. Welche Entwicklungen gibt es hier am Arbeitsmarkt? Welche Trends zeichnen sich ab?

Bildende Künstler können aus einem breiten Spektrum an Ausdrucksformen wählen – beispielsweise Malerei, Bildhauerei, Grafik, Installation und Fotografie. Manche haben sich auch auf Neue Medien spezialisiert und sind versiert in digitaler Bildbearbeitung und Videoschnitt. Andere setzen auf Performancekunst und die virale Verbreitung ihrer Aktionen über soziale Netzwerke – gute Ideen, die aktuelle gesellschaftliche und politische Missstände aufgreifen, verbreiten sich heute sehr schnell im Netz. So steigert man den Bekanntheitsgrad.

Freischaffende Künstler/innen wollen sich in ihrer Arbeit selbst verwirklichen, sie leben ihre Kreativität und ihr künstlerisches Können in der Bearbeitung unterschiedlichster Materialien aus. Kaum ein Künstler hat allerdings das Glück, ohne eigenes Zutun entdeckt zu werden. Es gilt, die eigene Arbeit zu vermarkten: Dazu gehören intensive Kontaktpflege, der Aufbau eines Netzwerkes sowie viel Marketing und PR-Arbeit in eigener Sache. Sind Galerien an einer Zusammenarbeit interessiert, muss man organisatorisches Geschick beweisen. Künstler müssen Aufträge akquirieren, Verträge und Honorare aushandeln – auch betriebswirtschaftliches Wissen ist somit gefragt. Als Kunden kommen neben Privatleuten zudem Unternehmen infrage.

Nicht nur Künstler/innen arbeiten in diesem Bereich – in der Kunsttherapie, der Kunstpädagogik oder der Kunstwissenschaft hat man beruflich ebenfalls mit der Bildenden Kunst zu tun. Zu den Aufgaben kann es gehören, Lehrveranstaltungen zu konzipieren, Wissen und künstlerische Fertigkeiten zu vermitteln oder zu bestimmten Kunstrichtungen zu forschen.

Durch ein Studium der Bildenden Kunst lassen sich die eigenen bildnerischen, malerischen und medientechnischen Ausdrucksmöglichkeiten erweitern. Um dann aber als freischaffende/r Künstler/in von der eigenen Kunst leben zu können, sind neben Kreativität und Talent auch Fähigkeiten wie Planungs- und Organisationsgeschick, Kommunikationstalent, Kritikfähigkeit und Verhandlungsgeschick gefragt.

In dieser Arbeitswelt ist eine Tätigkeit als Freiberufler/in die Regel. Wie viele selbstständige Bildende Künstler es insgesamt gibt, lässt sich nur schwer statistisch erheben. Ein Indiz bieten die Zahlen der Künstlersozialkasse, die freien Künstlern einen Versicherungsschutz bietet. Die Mitgliederzahl ist seit der Jahrtausendwende kontinuierlich angestiegen.

Neben der Bildenden Kunst stehen den Absolventen und Absolventinnen dieser Arbeitswelt auch berufliche Möglichkeiten in der Kunsterziehung von Kindern und Erwachsenen offen. Wer sich selbstbewusst zeigt und viel unternehmerisches Talent besitzt, ist möglicherweise in der Kulturwirtschaft oder der Kunstvermittlung am richtigen Platz. Zudem bieten sich Möglichkeiten an Museen oder Hochschulen.

Der Arbeitsmarkt für Künstler/innen ist jedoch nicht ganz unproblematisch, erklärt Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit: „Selbstständigkeit prägt das Berufsbild – nur ein kleiner Teil ist sozialversicherungspflichtig angestellt.“ Vor allem angehende Künstler/innen haben nach Meinung des Experten große Hürden zu überwinden: „Berufseinsteiger sollten sich bewusst machen, dass die Konkurrenz groß ist. Wer beruflichen Erfolg haben möchte, braucht neben künstlerischem Können auch eine ordentliche Portion Durchhaltevermögen, Eigeninitiative, Enthusiasmus und manchmal auch ein bisschen Glück."

Kunst ist auch als Wertanlage immer stärker gefragt, nicht zuletzt, weil sich die klassischen Geldanlagen in den vergangenen Jahren als zunehmend unsicher erwiesen haben. Von einem wachsenden Weltmarkt können nicht nur die Künstler/innen selbst profitieren – deutsche Arbeiten genießen bei internationalen Sammlern einen guten Ruf –, sondern auch Kunstsachverständige, Auktionshäuser und andere Dienstleister. Ein besonders hohes Wachstum verzeichnete zuletzt der Online-Kunstmarkt. <<

Portraitaufnahme von Werner Schaub

Interview mit Werner Schaub, Vorsitzender und Sprecher des Bundesverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler

Lehramt – Weg aus der brotlosen Kunst

Herr Schaub, welche Branchentrends gibt es?
Werner Schaub: Von den Bildenden Künstlerinnen und Künstlern in Deutschland können tatsächlich nur fünf Prozent von ihrer Kunst leben. Die Übrigen müssen sich ihren Lebensunterhalt anders verdienen. Viele widmen sich neben ihrer Kunst deshalb dem erzieherischen Bereich, zum Beispiel in der breit gefächerten kulturellen Bildung, der ästhetischen Bildung im Erwachsenenbereich oder der Projektarbeit mit Kindern.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Werner Schaub: Menschen, die sich künstlerisch entfalten wollen, zeichnet eine gewisse Verbissenheit aus – eine Art intrinsische Motivation, sich künstlerisch auszudrücken. Der finanzielle Erfolg scheint oftmals nachrangig zu sein.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Akademiker?
Werner Schaub: Wer den erzieherischen Weg wählt, hat gute berufliche Chancen, denn an den Schulen fehlen bundesweit immer wieder Kunsterzieher. Viele suchen aber auch nach artverwandten Perspektiven wie Website-Gestaltung und Ähnlichem. Festanstellungen sind rar, Selbstständigkeit ist die Regel. <<

Eine Tätigkeit im Bereich der Bildenden Kunst erfordert nicht nur eine ausgeprägte innere Motivation: Auch ein Höchstmaß an Frustrationstoleranz ist nötig, um Rückschläge nicht nur zu akzeptieren, sondern sie als Aufforderung wahrzunehmen, kreative Ansätze weiterzuverfolgen. Gleichzeitig aber ist es auch hilfreich, sich stets eine grundsätzliche Offenheit für neue Impulse zu bewahren. Darüber hinaus bedarf es eines gewissen Maßes an wirtschaftlicher Denkweise und der grundsätzlichen Bereitschaft zur Kommunikation. Wichtig ist auch der Kontakt zur Szene zeitgenössischer Kunst.

„Kunst ist kein 100-Meter-Lauf, Kunst ist ein Marathon“ – ein Statement, das ein Künstler meiner Galerie immer wieder zitiert. Dieses Bild eignet sich gut, um den Künstlerberuf für denjenigen zu umschreiben, der sich berufen fühlt, diesen Weg einzuschlagen. Man muss genau wissen, dass man die Veranlagung und die Ausdauer dafür mitbringt, dass man tagtäglich dafür wird hart arbeiten müssen, dass der Lohn dafür oft ausbleibt und dass nur die allerwenigsten, die an den Start gehen, wirklich erfolgreich sein können. Wer dennoch daran glaubt – und dazu noch etwas Glück hat –, kann tatsächlich einer der besten Läufer unter vielen Tausenden werden.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Ausstellungen organisieren und durchführen
  • Bildhauerei, plastisches Gestalten
  • Entwurf
  • Farbdesign, Farbgestaltung
  • Fotografie
  • freie Kunst
  • Gestaltung, Design
  • handwerkliche Kenntnisse
  • Kunstmalerei
  • Kunstpädagogik
  • Kunstwissenschaft
  • Modelle, Musterstücke anfertigen
  • Zeichnen

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Kommunikationsfähigkeit (z.B. Verkaufsgespräche führen)
  • Kreativität
  • Kritikfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit (z.B. Auftragsarbeiten planen)
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt (z.B. bei Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten an sehr wertvollen Originalen)
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/bildende-kunst