Berg­bau und Bau­stoffe

Detailaufnahme eines Tageabbaus.

Die Arbeitswelt im Überblick

Akademiker/innen im Bergbau und der Baustoffindustrie steuern die Förderung von Rohstoffen oder die Produktion von Baumaterialien. Wie sehen die Möglichkeiten am Arbeitsmarkt aus? Welche Trends könnten das Berufsleben in Zukunft bestimmen?

Hochschulabsolventen und -absolventinnen dieser Arbeitswelt sorgen dafür, dass Rohstofflager erschlossen, die Ressourcen abgebaut und weiterverarbeitet werden – zu Energieträgern wie Benzin, zu Grundstoffen für die Industrie oder zu Baumaterialien. Zumeist übernehmen sie anspruchsvolle Fach- und Führungsaufgaben. Teils sind sie auf bestimmte Bereiche spezialisiert, etwa auf das Erstellen von digitalen Karten, teils übernehmen sie die Verantwortung für ein gesamtes Projekt – von der Erschließung über die Inbetriebnahme der Förderanlagen bis zur Überwachung des Abbaus.

Als Geologe/Geologin bist du möglicherweise weltweit für deinen Arbeitgeber unterwegs. Durch den Einsatz modernster Technik und Messverfahren findest du neue Erdgas-, Erdöl-, Erz- oder Mineralsalzlagerstätten. Auch als Ingenieur/in für Rohstoffgewinnung und -aufbereitung kannst du dich an der Suche beteiligen oder aber den Abbau oder die Veredelung der Rohstoffe leiten. Und als Baustoffingenieur/in überwachst du beispielsweise die Zementproduktion oder entwickelst energieeffizientere Dämmstoffe. Für alle Berufe dieses Feldes solltest du mathematisches Talent, viel technisches Wissen und Planungsgeschick mitbringen. Ebenso ist wirtschaftliches Denken gefragt.

Die vielleicht wichtigsten Arbeitgeber für die Akademiker/innen dieser Arbeitswelt sind Unternehmen aus dem Bereich Baustoffe, Steine und Erden, also beispielsweise Zementfabriken, Steinbrüche oder Sand- und Kieswerke. Was all diese Betriebe eint, ist ihre Abhängigkeit von der Baukonjunktur. Werden viele Gebäude, Straßen und Brücken errichtet, ist auch die Materialnachfrage hoch. Natürlich kann das Pendel auch wieder in die andere Richtung ausschlagen.

Der eigentliche Bergbau dagegen, etwa der Abbau von Erzen oder Kohle, ist in Deutschland seit Jahrzehnten rückläufig. Nur noch wenige Rohstoffarten lassen sich rentabel abbauen, wenn die Lagerstätten knapper werden und staatliche Subventionen auslaufen. Dieser Umstand spiegelt sich auch am Arbeitsmarkt wider. Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, schätzt die Situation als schwierig ein: „Der Strukturwandel im Bergbau hat deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. So ist die Zahl der Beschäftigten seit Jahren rückläufig. Insgesamt deutet alles darauf hin, dass der Fachkräftebedarf in diesem Berufszweig weiter zurückgehen wird."

Nichtsdestotrotz bieten sich qualifizierten Akademikern und Akademikerinnen weiterhin Chancen auch jenseits der Baustoffbranche. Es gibt so manche interessante Nische – etwa kleinere Bergbausegmente wie die Erdgasförderung oder die Erschließung von unterirdischen Heißwasservorkommen –, die nach Meinung vieler Experten weiterhin sehr zukunftsfähig sein könnte.

So ungewiss die Aussichten im Inland sind, so positiv können sie sich international gestalten: Der weltweite Rohstoffhunger ist ungebrochen, und deutsche Bergbau-Firmen und Ingenieurdienstleister machen gute Geschäfte mit Projekten im Ausland. Deren Know-how ist auch gefragt, wenn es um die technologische Weiterentwicklung der Abbauverfahren geht. So forschen deutsche Unternehmen beispielsweise an alternativen Fracking-Methoden, die ohne den Einsatz von umweltschädlichen Chemikalien auskommen.

Chancen für Hochschulabsolventen und -absolventinnen ergeben sich auch jenseits des Rohstoffabbaus: Sie sind beispielsweise im Einsatz, wenn es um die Umwandlung ehemaliger Abbauflächen in Naturschutzgebiete oder um die Sicherung aufgelassener Bergwerke geht. Aufgrund der jahrhundertealten Bergbautradition in unserem Land wird das eine Aufgabe für viele Generationen sein.

Im Zuge des Baubooms in vielen Schwellenländern stieg die Nachfrage nach Baumaterialien rasant an. Die Folge: Sogar der Grundstoff Sand wird weltweit knapp. Den gibt es zwar reichlich in der Sahara und in Arabien. Aber Wüstensand eignet sich nicht für die Weiterverarbeitung zu Zement und Beton. In Deutschland gibt es dagegen viele nutzbare Sandvorkommen, doch diese liegen oft nahe an Wohnhäusern oder in Naturschutzgebieten. Die Förderung führt oft zu Widerständen in der Bevölkerung. Ebenso umstritten ist aus Umweltgesichtspunkten eine mögliche Alternative – das Gewinnen von Sand aus der Nord- und Ostsee mittels großer Schwimmbagger. Dieses Beispiel illustriert, wie stark die Arbeitsmarktentwicklung im Bereich Bergbau und Baustoffe von politischen Abwägungen und Entscheidungen geprägt wird. <<

Portrait von Walter Nelles.

Interview mit Assessor des Bergfachs Walter Nelles vom Bundesverband Mineralische Rohstoffe e.V.

Umweltschutz und Umgang mit Menschen

Herr Nelles, welche Trends verzeichnen Sie in Ihrer Branche?
Walter Nelles: Der Bedarf an mineralischen Rohstoffen wie Kies und Sand, Quarzsand oder Naturstein wird sich auch langfristig nicht ändern, will man die Energiewende, den Wohnungsnotstand und die zum Teil maroden Verkehrswege auf Vordermann bringen. Dazu benötigen wir in den Betrieben, in Behörden und auch in Ministerien Fachexperten, die Rohstoff- und Baustoffwissen mitbringen und wissen, worüber sie reden und entscheiden.

Welche beruflichen Aussichten haben Akademiker?
Walter Nelles: Absolventen der Studiengänge „Steine und Erden / Tagebautechnik” sowie „Rohstoff- oder Geoingenieurwesen” denken aufgrund der breit angelegten Studieninhalte interdisziplinär und werden schnell Karriere machen. Allein in unserer Branche werden jährlich mehr als 30 Akademiker gesucht.

Welche Anforderungen stellen die Betriebe der Gesteinsindustrie an Berufseinsteiger?
Walter Nelles: Rohstoffgewinnung in Verbindung mit Umweltschutz – auf diesen Gebieten müssen die neuen Fachkräfte fit sein. Auch der Umgang mit Menschen sollte den Absolventen am Herzen liegen. Zudem ist Kommunikationsfähigkeit unerlässlich. <<

Von Bewerbern erwarten wir ein relativ breit gefächertes Fachwissen. Hilfreich sind vor allem Kenntnisse über die Wechselwirkungen zwischen der Rohstoffgewinnung und der Umwelt. Unsere Ingenieure haben Interesse an sich verändernden Aufgabenstellungen und arbeiten sich in wechselnden Teams gerne in neue Themenbereiche ein. Der Dialog mit Auftraggebern oder Behörden bereitet ihnen Freude. Ein späterer Einstieg in die Geschäftsleitung oder eine Beteiligung an der Gesellschaft ist grundsätzlich denkbar.

Für unsere Forschungsprojekte suchen wir spezialisierte Absolventen mit einem guten Abschluss. Ihre Abschlussarbeit muss wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, und sie sollten Spaß am akademischen Arbeiten haben. Unsere Doktoranden halten Vorlesungen und erledigen unterschiedliche Aufgaben. Die Promotion qualifiziert nicht nur für eine akademische Karriere, sondern öffnet auch in der Industrie die Türen, vor allem in Forschung und Entwicklung. Aber auch viele leitende Angestellte haben promoviert.

Das LBEG führt Genehmigungsverfahren der Rohstoffindustrie durch, überwacht Bergbaubetriebe und berät die Abfall-, Bau-, Energie-, Land-, Rohstoff- und Wasserwirtschaft. Für diese wegweisenden und zukunftsorientierten Aufgaben suchen wir vor allem Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker mit Bezug zu Geowissenschaften oder Bergbau. Wir bieten auch studienbegleitende Pflichtpraktika und Plätze für ein Referendariat im Berg- und Markscheidefach an. Bewerber sollten engagiert, kommunikativ, teamorientiert, mobil und flexibel sein.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Abbau, Gewinnung (Bergbau)
  • Arbeitsschutz, Unfallverhütung
  • Bergbautechnologie
  • Bergrecht
  • Exploitation (Nutzbarmachung von Lagerstätten)
  • Exploration (Erschließung von Lagerstätten)
  • Geologie
  • Geotechnik
  • Lagerstättenkunde
  • Prospektion (Erkundung von Bodenschätzen)
  • Rohstoffaufbereitung
  • Sicherheitsvorschriften
  • Umweltschutz, Umwelttechnik
  • Verfahrenstechnik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Durchsetzungsvermögen
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/bergbau-und-baustoffe