Archiv, Biblio­thek und Doku­mentation

Blick in eine mehrgeschossige Bibliothek.

Die Arbeitswelt im Überblick

Den Bestand einer Bibliothek aktuell halten, Wissenschaftlern bei der Suche nach Informationen helfen, Medien fachgerecht archivieren – das alles gehört zum Berufsalltag im Bereich Archiv, Bibliothek und Dokumentation. Welche Trends zeichnen sich ab?

Täglich geschehen wichtige Dinge. Eskaliert etwa gerade ein Konflikt im Nahen Osten? Dann kannst du auf der Homepage einer Zeitung nicht nur aktuelle News dazu lesen, sondern dich dank der Links zu Artikeln oder Videos aus dem Archiv auch über die Hintergründe informieren. Dahinter steckt die Arbeit von Dokumentaren und Dokumentarinnen: Sie pflegen Datenbanken und verschlagworten Einträge so, dass die Nutzer schnell und bequem alle relevanten Fakten zu einem Thema finden.

Auch in den anderen Berufen der Arbeitswelt dreht sich alles um Informationen und Medien. Als Bibliothekar/in achtest du beispielsweise darauf, dass die Unibibliothek alle wichtigen Bücher im Bestand hat, hältst dich über Neuerscheinungen auf dem Laufenden und bestellst aktuelle Titel. Als Archivar/in oder als Beamter beziehungsweise Beamtin im Archivdienst sorgst du dafür, dass wichtige Unterlagen sicher und am richtigen Ort gespeichert werden. Andere Akademiker/innen in dieser Arbeitswelt sind eher technisch gefragt und arbeiten beispielsweise daran, alte Schriftstücke zu digitalisieren, damit sie der Allgemeinheit erhalten bleiben. Denn Internetportale eröffnen inzwischen die Möglichkeit, das kulturelle Erbe der Menschheit weltweit für jedermann zugänglich zu machen.

Dass du in diesem Berufsfeld mit Dokumenten, Büchern oder Datenbanken arbeitest, bedeutet nicht, dass du nichts mit Menschen zu tun hast. Im Gegenteil – Kommunikationsstärke ist in jedem Fall von Vorteil. Als Bibliothekar/in etwa musst du Nutzern erklären, wie sie ein bestimmtes Buch über den Online-Katalog finden. Auch Absprachen mit Kollegen gehören zu deinem Alltag. Daher ist auch Teamfähigkeit wichtig, genau wie Organisationstalent und eine sorgfältige Arbeitsweise.

Absolventen und Absolventinnen dieses Berufsfeldes können zum Beispiel bei öffentlichen Büchereien oder Hochschulbibliotheken Arbeit finden. Zudem bieten sich Möglichkeiten – ob als Angestellte/r oder Beamter beziehungsweise Beamtin – in den Archiven der öffentlichen Verwaltung. Einige wenige Stellen gibt es auch in der universitären Forschung und Lehre. Ein Tätigkeitsbereich ist nicht zuletzt das digitale Informationsmanagement: Immer mehr Firmen, ob in der Medien- oder IT-Branche, im Handel oder in der Industrie, beschäftigen Experten zur Pflege ihrer Datenbanken.

Zur Beschäftigungssituation erklärt Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit: „Im Gegensatz zu anderen Berufsfeldern in der Medienwirtschaft ist der Bereich Archiv, Bibliothek und Dokumentation wenigen Schwankungen unterworfen. Die Experten sind hier überwiegend im Öffentlichen Dienst als Angestellte oder Beamte beschäftigt. Die Beschäftigung war in den letzten Jahren tendenziell leicht rückläufig."

„Big Data“, also die Verarbeitung großer Datenmengen, gilt nach Meinung von Experten als einer der wichtigsten Zukunftstrends für die deutsche Wirtschaft. Doch noch liegen viele Daten, zum Beispiel über Kunden, Produkte oder die Marktentwicklung, völlig unstrukturiert auf den Firmenservern. Wer diesen Schatz heben will, benötigt nicht nur leistungsfähige Rechner, sondern vor allem ein System, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Es muss also eine Software-Architektur um die Daten herum aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang entstehen gerade viele neue Berufsbilder. Für Hochschulabsolventen mit Kenntnissen rund um das Informationsmanagement bieten sich zahlreiche neue Möglichkeiten am Arbeitsmarkt.

Bücher und Zeitschriften auf dem Tablet oder Smartphone – das gehört zur Zukunft des Lesens. Bereits heute sind E-Books und E-Paper nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Auch immer mehr Bibliotheken verleihen Medien im digitalen Format. Doch wie genau digitalisiert man Bücher? Was muss man beachten, damit der Originaltext fehlerfrei übertragen und auf dem Display eines mobilen Gerätes optimal angezeigt wird? Fragen wie diese stellen Akademiker/innen aus den Bereichen Archiv und Dokumentation vor neue Herausforderungen. <<

Portrait von Thomas Toms.

Interview mit Thomas Toms von der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare e.V.

Zwischen digital und analog

Herr Toms, wo werden Absolventen der Archivwissenschaften gesucht?
Thomas Toms: Das Aufgabengebiet ist breit gefächert und reicht von „Klassikern“ wie Kommunal- oder Landesarchiven bis hin zu den Wirtschaftsarchiven von Unternehmen. Gerade in letzterem Bereich wird sich die Nachfrage in Zukunft verstärken, denn immer mehr Firmen wollen ihre Gründungsdokumente und rechtlichen Satzungen nicht nur aufbewahren, sondern diese auch für die Zukunft erhalten.

Gibt es aktuelle Trends?
Thomas Toms: Absolut! Der digitale Wandel beeinflusst natürlich auch die Arbeit der Archivarinnen und Archivare – immer mehr Bestände werden elektronisch gesichert. Das bedeutet aber nicht, dass „analoge“ Medien komplett verschwinden. Vielmehr ist es so, dass Archivdokumente und elektronische Speicherverfahren in den nächsten Jahrzehnten parallel existieren werden und sich ergänzen.

Was sollten Absolventinnen und Absolventen neben fachlichen Qualifikationen noch mitbringen?
Thomas Toms: IT-Affinität und ein Interesse an systematischer Ordnung sind Grundvoraussetzungen. Wie gesagt: Immer mehr Archivarbeit findet am Computer statt. Wer einen Schwerpunkt im Bereich Wirtschaftsarchiv hat, sollte zudem ein gewisses Abstraktionsvermögen mitbringen, um in den Archivstrukturen die Geschäftsprozesse eines Unternehmens abzubilden. Und egal welcher Arbeitsbereich es am Ende ist: Kommunikationsstärke und Teamwork sind in allen Archiven nötig, sei es für Präsentationen oder für Meetings mit Kunden und Fachabteilungen. <<

Wissenschaftliche Bibliothekare arbeiten vorwiegend in Unibibliotheken oder vergleichbaren größeren Einrichtungen. Der Königsweg der Ausbildung führt immer noch über ein universitäres Fachstudium mit anschließendem zweijährigem Bibliotheksreferendariat. Meist bewerben sich hierauf Geistes- und Sozialwissenschaftler. Aber auch „buchferne“ Akademiker, etwa aus den Naturwissenschaften, werden benötigt – und haben oftmals sogar bessere Einstiegschancen. Ob zukünftig Masterstudiengänge das Referendariat ablösen werden, ist derzeit noch nicht absehbar.

In einem Stadtarchiv werden vor allem Absolventen der Archivwissenschaft und Geschichte gesucht. Im Rahmen eines dreijährigen Vorbereitungsprogramms erhalten die Anwärter und Anwärterinnen das fachliche Rüstzeug. Das qualifiziert sie zum Beispiel für den gehobenen Dienst. Eine Promotion in Verbindung mit einem Referendariat ermöglicht sogar den Einstieg in den höheren Dienst. Unabhängig von konkreten Karrierezielen erwarten wir von Bewerbern eine sorg-fältige Arbeitsweise und ein Interesse für ein breites Spektrum an historischen Themen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Bestandsaufbau und -pflege (Archiv, Bibliothek)
  • Bibliografie
  • Bildarchivierung
  • Dokumentation (Archiv, Bibliothek)
  • Kundenberatung, -betreuung
  • konservieren
  • Quellenmaterial auswerten
  • Recherche, Informationsbeschaffung
  • systematisieren und katalogisieren
  • Verwertungsrechte, Lizenzen beschaffen und verwalten

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Detailgenauigkeit
  • Geduld
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Urteilsvermögen
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/archiv-bibliothek-und-dokumentation-2