Arbeits­schutz und betrieb­liche Sicher­heit

Alarmanlage und Brandmelder

Die Arbeitswelt im Überblick

In praktisch allen Wirtschaftszweigen werden Experten und Expertinnen gesucht, die Sicherheit schaffen – etwa vor Einbrüchen, Hackerangriffen, Unfällen oder Umweltgefahren. Welche beruflichen Möglichkeiten gibt es im Bereich Arbeitsschutz und betriebliche Sicherheit? Was sind die Trends?

Diese Arbeitswelt lässt sich grob in zwei Bereiche unterteilen: Der erste befasst sich mit der Arbeitssicherheit sowie dem Schutz von Umwelt und Allgemeinheit. Werkschutzleiter/innen erstellen beispielsweise Gutachten darüber, ob am Arbeitsplatz Gefahren drohen oder ob ein Produktionsverfahren sicher ist und die geltenden Umweltschutzrichtlinien eingehalten werden. Darauf aufbauend entwickeln sie Sicherheitskonzepte – und kontrollieren anschließend, ob diese auch korrekt umgesetzt werden. Strahlenschutzbeauftragte wiederum sorgen dafür, dass Röntgengeräte in Krankenhäusern und Labors sicher betrieben werden oder dass radioaktive Abfälle fachgerecht entsorgt werden.

Der zweite große Bereich betrifft die Sicherheit von Sachwerten – also dort, wo es gilt, Firmeneigentum vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. So schirmen etwa IT-Sicherheitskoordinatoren die Computernetzwerke ihres Auftraggebers vor Hackern und Industriespionen ab. Und Fachleute bei Wach- und Sicherungsdiensten bewahren Unternehmen vor Schäden durch Vandalismus, erstellen Sicherheitskonzepte für Geldtransporte oder schützen Gebäude mithilfe modernster Technik vor Einbrüchen. Für sämtliche Berufe in diesem Feld sind neben technischem Verständnis und Fachwissen auch Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein und Durchsetzungsvermögen wichtig. Du solltest außerdem Planungs- und Organisationsgeschick mitbringen und dich auf anspruchsvolle und teilweise belastende Arbeitsbedingungen einstellen – unregelmäßige Arbeitszeiten kommen immer mal wieder vor. Auch Kommunikationsstärke ist gefragt, etwa wenn man Sicherheitsmaßnahmen erklären und durchsetzen muss. Als Experte im Bereich Arbeitssicherheit musst du darüber hinaus die aktuellen Gesetze und Vorschriften genau kennen und umsetzen, schon um die eigene Sicherheit und die der Kollegen und Kolleginnen nicht zu gefährden.

Ein wichtiger Arbeitgeber dieser Arbeitswelt sind private Wach- und Sicherheitsdienste. Dort werden Akademiker/innen in anspruchsvollen Fachpositionen und im Management eingesetzt. Darüber hinaus bieten sich Chancen in praktisch allen Wirtschaftszweigen – Experten für Umwelt- und Arbeitsschutz gibt es beispielsweise bei allen größeren Industrieunternehmen. Kleinere Firmen dagegen greifen auf die Dienstleistungen spezialisierter Beratungsunternehmen zurück. In diesem Bereich gibt es auch gute Chancen, sich selbstständig zu machen, zum Beispiel als freiberufliche/r IT-Sicherheitsberater/in oder beratende/r Ingenieur/in. Nach Aussage von Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, zeigt sich die Nachfrage nach Experten und Expertinnen der Objekt-, Personen-, Brandschutz- und Arbeitssicherheit in Deutschland stabil, obgleich die Zahl der gemeldeten Stellen recht überschaubar ausfällt: „Arbeitslosigkeit spielt bei Akademikern in diesem Tätigkeitsfeld aber kaum eine Rolle“, so Stephani.

Roboter sind aus der Industrie nicht mehr wegzudenken. Der Einsatz solcher Hightech-Maschinen kann aber Gefahren für menschliche Arbeitskräfte bergen; deshalb wird an hochsensibler Sensorik für die vollautomatischen Helfer geforscht. Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ sind Ingenieure aus dem Bereich Arbeitsschutz an der Entwicklung „intelligenter“ Roboter beteiligt, die sich als sogenannte „Cobots“ an die Arbeitsabläufe ihrer menschlichen Kollegen anpassen und sie unterstützen. Generell ist modernste Technik kennzeichnend für diesen Berufsbereich. Ein Beispiel: Bankgebäude werden heute von vollintegrierten Systemen geschützt, die aus einer Kombination aus Kameras, Schleusen und Sicherheitsposten bestehen. Ein wachsendes Aufgabenfeld in dieser Arbeitswelt ist insbesondere die IT-Sicherheit. Deutsche Unternehmen verlieren jährlich Milliarden Euro infolge von Wirtschaftsspionage, Hacker-Angriffen oder Cyber-Erpressung. Sicherheitsexperten sind gefordert, Firmennetzwerke vor Angriffen aus dem Netz zu schützen und auch die Mitarbeiter vor Ort in Fragen der IT-Sicherheit zu schulen. <<

Portrait von Dirk Aschenbrenner.

Interview mit Dirk Aschenbrenner, Präsident der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes

Ingenieure gesucht!

Herr Aschenbrenner, welche Branchentrends gibt es derzeit?
Dirk Aschenbrenner: Das Thema Sicherheit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das schließt natürlich das Themenfeld Brandschutz mit ein. Schätzungsweise sind in Deutschland 25.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Aufgabenbereich Brandschutz beschäftigt. Ein Großteil der Beschäftigten rekrutiert sich aus dem ingenieurwissenschaftlichen Bereich. Durch Aufgabenausweitung und -intensivierung sowie Altersabgänge bestehen sowohl in der freien Wirtschaft als auch im Öffentlichen Dienst ein großer Ingenieurbedarf und damit gute Einstiegschancen.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Dirk Aschenbrenner: Die Bewerber müssen fachlich gut aufgestellt und in der Lage sein, komplexe Systeme zu analysieren und weiterzuentwickeln. Ferner ist ein ausgewogenes Maß an Pragmatismus und systematischem Vorgehen hilfreich. Zudem müssen Bewerber körperlich fit sein, wenn sie sich z.B. für eine Anstellung bei einer Feuerwehr interessieren. Dafür werden sie mit einem sehr abwechslungsreichen Beruf belohnt.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es für Akademiker?
Dirk Aschenbrenner: Sie können etwa das mittlere oder obere Management bei Feuerwehren oder entsprechenden Einrichtungen anstreben und sich dort weiterqualifizieren. <<

Studienabsolventen mit Schwerpunkt Sicherheitsmanagement haben in Sicherheitsorganisationen von Industrieunternehmen gute Chancen. IT-Sicherheit und Reisesicherheit haben – bedingt durch die Globalisierung – auch weiterhin eine hohe Bedeutung. Die Zahl freier Stellen ist allerdings begrenzt. Bewerber sollten sich auch betriebswirtschaftliches Know-how aneignen. Praktika und Fremdsprachenkenntnisse sind ebenso von Vorteil. Bei uns beginnen Berufseinsteiger ihre Laufbahn in der Standortsicherheit als Assistent oder in gehobener Sachbearbeitungsfunktion. Entsprechende Weiterbildungen ermöglichen gute Aufstiegschancen.

Neben Soft Skills wie Team- und Kommunikationsfähigkeit braucht es im Bereich der IT-Sicherheit vor allem eine Affinität zum Thema Sicherheit und analytisches Denken: Man sollte in der Lage sein, sich in die Rolle eines potenziellen Angreifers hineinzuversetzen. Und da sich die Informationstechnologie sehr schnell verändert, ist eine Bereitschaft zu lebenslangem Lernen unerlässlich. Das Thema IT-Sicherheit wird immer wichtiger – von daher ist der Arbeitsmarkt sehr arbeitnehmerfreundlich.

Unternehmen mit Produkten der Medizin- und Sicherheitstechnik gehören zu einer auch in Zukunft sehr gefragten Industrie mit hohem Innovationsanteil. Daher steigt der Bedarf an akademischem Personal. Jedes Jahr stellen wir etwa 80 neue Auszubildende und duale Studenten ein und benötigen regelmäßig Wirtschaftsingenieure und Ingenieure mit Schwerpunkt Maschinenbau, Elektrotechnik und IT. Einsatzmöglichkeiten für Ingenieure gibt es im gesamten Unternehmen aber hauptsächlich in Forschung und Entwicklung, Produktion, Produktmanagement und Vertrieb.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Arbeitsplatzanalyse
  • Datenschutzgesetze
  • Emissions-, Immissionsschutzvorgaben
  • Gefahrenabwehr
  • Gefahrenanalyse
  • Gutachter-, Sachverständigentätigkeit
  • Instandhaltungsmanagement
  • Maschinentechnik
  • Sicherheitstechnik
  • Umweltaudit
  • Wasserrecht

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Durchsetzungsvermögen
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Motivationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsgeschick
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/tbf/arbeitsschutz-und-betriebliche-sicherheit