Wirt­schafts­sinologe/-sinologin

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Unternehmensberater

Tätigkeitsfeld:

Unternehmensberatung

Abgeschlossenes Studium in:

Wirtschaftssinologie

BERUFENET:

Wirtschaftssinologe/-sinologin

Chinesische Geschäftspartner rufen durchaus auch mal sonntags an.

China verstehen

Als selbstständiger Unternehmensberater hilft Wirtschaftssinologe Martin Bürger (28) deutschen Unternehmen dabei, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen oder ihren Absatz dort zu steigern.

Seinen ersten Chinesisch-Kurs hat Martin Bürger als Teenager noch von seinem Taschengeld bezahlt. Später studierte er Wirtschaftssinologie an der Universität Bremen. „Nach dem Studium waren für mich der Praxisbezug und auch die Nähe zu China wichtig“, sagt er. Deshalb schlug er keine akademische Laufbahn ein, sondern machte sich gleich nach dem Abschluss mit seiner Unternehmensberatung „Bürger SinoConsulting“ in Berlin selbstständig.

In der Regel beginnt der Arbeitstag in seinem Büro morgens gegen acht Uhr – einen festen Feierabend hat er dagegen nicht. „Es gibt im Prinzip keine Routine“, sagt er. Erhält er eine Anfrage, besucht er zunächst das Unternehmen des jeweiligen Mandanten. „Das kann, je nach Fall, in China oder in Deutschland sein“, erzählt der 28-Jährige. Auch bei den Workshops, in denen er danach gemeinsam mit den Verantwortlichen des Unternehmens ein Strategiekonzept ausarbeitet, ist er flexibel – er kann sie in seinem Büro durchführen oder beim Kunden vor Ort.

Absatzmarkt erschließen

Viele seiner Kunden sind deutsche Unternehmen, die schon vor Jahren, teilweise vor Jahrzehnten auf dem chinesischen Markt Fuß gefasst haben, ihre Position dort aber ausbauen wollen oder feststellen, dass die Absatzzahlen ihrer Produkte und Dienstleistungen stagnieren. Um den Markt und seine Zielgruppen besser zu verstehen, wenden sie sich dann an Martin Bürgers Unternehmensberatung und bekommen von ihm das Rüstzeug für Strategien, mit denen sie ihre Kommunikations- und Verkaufsprozesse verbessern können.

Zu den Workshops lädt er zum Beispiel das Management oder einzelne Abteilungen des Unternehmens ein, etwa das Marketing oder die Personalverantwortlichen, „manchmal auch Mitarbeiter, Kunden oder Lieferanten des Mandanten, manchmal auch in Kombination, je nach Bedarf“.

Networking nach Feierabend

Wenn er abends sein Büro verlässt, geht er oft noch zu Abendveranstaltungen und knüpft, organisiert und pflegt Kontakte. Er stellt seine Firma und deren Dienste vor und versucht, neue Kunden und Geschäftspartner zu gewinnen und potenzielle Partner zu finden. Dieses Networking ist eine wichtige Basis für den unternehmerischen Erfolg. Auch Wochenendarbeit ist in seinem Beruf normal. „Chinesische Geschäftspartner rufen durchaus auch mal sonntags an“, erzählt er.

Martin Bürger betrachtet die richtigen Umgangsformen in der Wirtschaft nicht allein als ein Gebot der Höflichkeit, sondern als Erfolgsfaktor. Seiner Beobachtung nach tun sich viele in China tätige deutsche Unternehmen mit den dortigen spezifischen Gegebenheiten noch schwer. Ursache seien kulturelle Unterschiede: Man werde anders begrüßt, anders angeschaut und meist beschränkten sich chinesische Unternehmer auf die nötigsten Informationen. Small Talk oder emotionale Sichtweisen empfänden Chinesen oft als fremd: „Die Kommunikation mit den chinesischen Geschäftspartnern funktioniert nicht immer reibungslos. Da helfen wir gern weiter, denn wir kennen Sitten, Bräuche und Umgangsformen“, sagt Martin Bürger. <<

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