Romanist/in; Dolmetscher/in / Über­setzer/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Dolmetscherin für Italienisch und Französisch

Tätigkeitsfeld:

Dolmetschen, Übersetzen

Abgeschlossenes Studium in:

Romanistik (Bachelor), Konferenzdolmetschen (Master)

BERUFENET:

Romanist/in; Dolmetscher/in / Übersetzer/in

Es ist wichtig, die Sprache nicht nur zu sprechen, sondern zu leben.

Hören, übersetzen und reden in Stereo

Stressig, aber extrem spannend – so beschreibt Friederike Maierhofer-Lischka ihren Beruf. Die 26-jährige Romanistin hat sich im Master weitergebildet und arbeitet nun als freiberufliche Dolmetscherin.

Es klingt fast unmöglich: einem Redner zuzuhören, die Worte im Kopf zu übersetzen und fast zeitgleich wiederzugeben – ohne den Faden zu verlieren. „Man braucht dafür schon eine gute Technik und sehr viel Übung“, sagt Friederike Maierhofer-Lischka. „Und man muss sehr gut unter Druck arbeiten können“, fügt sie noch hinzu. Denn lange Denkpausen kann sich ein Dolmetscher nicht leisten, ein falsch übersetztes Wort bei Gerichtsverhandlungen kann schwere Folgen haben. Doch für die 26-Jährige ist es ein Traumberuf.

Dabei wollte sie eigentlich Medizin studieren und machte nach dem Abitur ein Praktikum in einem Krankenhaus. „Ich fand es aber spannender, zwischen ausländischen Patienten und deren Ärzten zu vermitteln“, erzählt die 26-Jährige. Also entschied sie sich um und studierte in Tübingen Romanistik. Französisch hatte sie bereits als Leistungskurs, als zweite Fremdsprache wählte sie Italienisch.

Sprachkenntnisse allein reichen nicht

Um als Dolmetscher zu arbeiten, reichen Sprachkenntnisse allein nicht“, sagt Friederike Maierhofer-Lischka. Deshalb bewarb sie sich für den Master Konferenzdolmetschen der Universität Mainz und bestand die Aufnahmeprüfung. „Das Studium war toll, sehr anspruchsvoll und zeitintensiv – aber auch sehr praxisnah.“ Sie lernte verschiedene Dolmetschtechniken kennen und entwickelte ihre eigene Notizentechnik – die in jeder Sprache funktioniert. „Damit notiere ich während einer Rede den Sinn und nicht die Worte.“

Da reine Dolmetscher-Stellen selten sind, machte sie sich nach dem Studium selbstständig. Starthilfe bekam sie dabei vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer. „Der Einstieg als Dolmetscher ist schwer“, erzählt die 26-Jährige. Noch kann sie nicht ausschließlich davon leben und übersetzt nebenbei noch Texte.

Eine Tagung mit Handwerkern aus ganz Europa, der Vortrag eines französischen Architekten an einer Uni – jeder Auftrag, den die 26-Jährige bekommt, führt sie in eine neue Welt ein. „Ich muss mich in dem jeweiligen Fachgebiet sehr gut auskennen.“ Schließlich kann sie nicht während eines Vortrags mal kurz ein Wort nachschlagen. „Die Vorbereitung ist enorm wichtig, ich lese mich ein, stelle mir einen Wortschatz zusammen und büffle Vokabeln.“

Lebenslanges Lernen

Überhaupt: „Ein Dolmetscher muss sich auf lebenslanges Lernen einstellen.“ Friederike Maierhofer-Lischka will sich auf den juristischen Bereich spezialisieren, die Prüfung als Gerichtsdolmetscherin ablegen und bereitet sich gerade auf den Akkreditierungstest der Europäischen Union vor, um in deren Dolmetscherpool aufgenommen zu werden. Und auch die Sprachen müssen gepflegt werden. „Ich lese morgens französische und italienische Zeitungen und höre fremdsprachige Podcasts.“ Auslandsaufenthalte gehören für sie selbstverständlich auch dazu. „Es ist wichtig, die Sprache nicht nur zu sprechen, sondern zu leben.“

Nur so ist es möglich, sich bei einem Auftrag ganz auf den Sprecher und den Inhalt zu konzentrieren. „Wir Dolmetscher müssen auch ein bisschen schauspielern können, um dem Sprecher so nah wie möglich zu kommen.“ Den besten Job macht ein Dolmetscher nämlich dann, wenn die Zuhörer ganz vergessen, dass er da ist. <<

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