Sprache, Literatur, Kultur­wissen­schaft

Detailaufnahme eines Japanisch-Englisch Wörterbuchs.

Nach einem Studium der Sprach- oder Kulturwissenschaften stehen den Absolventen und Absolventinnen viele Berufswege in unserer modernen Wissens- und Informationsgesellschaft offen. Die große Herausforderung ist es, mögliche Arbeitgeber vom eigenen Potenzial zu überzeugen.

Kommunikation und Kultur sind die übergreifenden Themen, mit denen sich Geisteswissenschaftler/innen – etwa Sprach-, Literatur-, Kultur- und Regionalwissenschaftler/innen – beschäftigen.

Absolventen und Absolventinnen der Sprach- und Literaturwissenschaften arbeiten nicht nur für Verlage, Agenturen oder sonstige Medienunternehmen, sondern auch für Firmen aus verschiedensten anderen Branchen, für Verbände oder Behörden. Sie übersetzen beispielsweise Verträge, verfassen Zeitungsartikel, lektorieren Bücher oder übernehmen Aufgaben im Verwaltungsbereich.

Bei den Berufen rund um Kultur- und Regionalwissenschaften bist du Vermittler/in – von Kulturangeboten oder zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen. Beispielsweise kannst du bei Reiseveranstaltern tätig sein. Als Kulturpädagoge/-pädagogin wiederum machst du Kultur einem breiten Publikum zugänglich, indem du zielgruppengerechte Veranstaltungen organisierst, etwa in Museen.

In vielen Berufen der hier vorgestellten Arbeitswelten gehören planende und organisierende Tätigkeiten zum Arbeitsalltag – egal ob es darum geht, eine große Veranstaltung auf die Beine zu stellen, eine ausführliche Recherche für einen Radiobeitrag durchzuführen oder das neue Buch eines Autors so zu überarbeiten, dass es rechtzeitig in Druck gehen kann. Es gilt, Arbeitsabläufe festzulegen und dabei Prioritäten zu setzen, Informationen zu recherchieren, zusammenzufassen und zu präsentieren. In den Berufen dieser Arbeitswelten telefonierst du je nach konkretem Einsatzbereich mit ausländischen Geschäftspartnern, verhandelst mit Sponsoren, sprichst Details mit den Kollegen aus der Design-Abteilung ab oder erläuterst auf Konferenzen deine wissenschaftlichen Ergebnisse.

Viel Zeit verbringen Geisteswissenschaftler/innen an ihrem Rechner am Schreibtisch. Sie übernehmen aber auch Leitungsfunktionen und teilen anstehende Aufgaben unter ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auf. Dabei behalten sie stets den Überblick.

Kommunikations- und Organisationsstärke sowie eine analytische Arbeitsweise werden in allen Bereichen gefordert. Außerdem wichtig sind ein sehr gutes Sprachgefühl und Offenheit gegenüber anderen Kulturen. Kundenorientierung ist ebenfalls gefragt – egal ob du beispielsweise bei einer PR-Agentur für verschiedene Auftraggeber tätig bist oder im Berufsalltag mit ausländischen Geschäftspartnern kommunizierst. In manchen Berufen sind auch Verhandlungsgeschick und Mobilitätsbereitschaft wichtig.

In den Berufen dieser Arbeitswelt gehört außerdem der Umgang mit branchenüblicher Software zu den Anforderungen – etwa mit Redaktionssystemen, Customer-Relationship-Management-Systemen oder Layout-Software.

Es gibt kaum eine Akademikergruppe, die in so unterschiedlichen Branchen tätig sein kann wie die Absolventen dieser Arbeitswelten. Ein wichtiger Arbeitgeber ist die Kultur- und Kreativwirtschaft – zum Beispiel Verlage und andere Medienunternehmen, Werbe- und Design-Agenturen, Museen oder Galerien. Darüber hinaus gibt es Berufsmöglichkeiten an Hochschulen und Forschungsinstituten. Auch in Tätigkeitsfeldern, die auf den ersten Blick nicht direkt mit den jeweiligen Studien­fächern in Verbindung stehen, bieten sich Chancen – etwa bei Städten und Gemeinden, Verbänden oder Touristikunternehmen. Nicht zuletzt kommen die Absolventen dieser Arbeitswelten in der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen aller Branchen zum Einsatz. Gerade international agierende Konzerne benötigen Mitarbeiter/innen, die Fremdsprachenkenntnisse und Fachwissen über bestimmte Länder und Regionen besitzen.

Die Kehrseite dieser vielfältigen Möglichkeiten besteht darin, dass geisteswissenschaftliche Studienfächer – anders als zum Beispiel Medizin – nicht auf einen klar eingrenzbaren Berufsbereich vorbereiten. Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, sagt: „Insgesamt stellt sich der Arbeitsmarkt in diesem Bereich als nicht ganz unproblematisch dar. Da sich nur wenige Stellenangebote explizit an Geisteswissenschaftler der jeweiligen Studienfächer richten, ist insbesondere der Berufseinstieg oftmals nicht einfach.“ Doch es bieten sich auch Chancen: „Geisteswissenschaftler/innen werden in den unterschiedlichsten Wirtschaftsbereichen geschätzt und eingesetzt – ihre interkulturellen Kompetenzen sowie ihre Fähigkeiten im Bereich des Wissensmanagements und der Informationsgewinnung spielen in der modernen Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle.“ Das Fazit des Arbeitsmarktexperten: „Wenn es ihnen gelingt, ihr Potenzial gegenüber den Arbeitgebern deutlich zu machen, haben Geisteswissenschaftler/innen also durchaus gute Chancen."

Netzwerkpflege und Praktika sind bereits während der Studienzeit enorm wichtig: So sammelst du nicht nur Erfahrungen und Pluspunkte für den Lebenslauf, sondern erkennst auch rechtzeitig, welcher Arbeitsbereich dir besonders liegt. Die im Studium erworbenen fachspezifischen Kenntnisse kannst du im Berufsleben später nur zum Teil einbringen – außer du bekommst eine der raren Stellen in der Wissenschaft.

Die Chancen lassen sich auch durch gezielte Weiterbildung verbessern. So kann man sich beispielsweise für den Arbeitsmarkt in den Bereichen Medien und Verlagswesen fit machen, indem man Spezialkenntnisse über E-Books, Content-Management- Systeme oder soziale Medien erwirbt. In Marketing oder Vertrieb sind betriebswirtschaftliche Grundlagen gerne gesehen. Wer in der Forschung – sei es an einem Institut oder an einer Hochschule – arbeiten will, kommt um einen Master oder gar eine Promotion kaum herum. Neben Studienabschluss und praktischer Erfahrung achten viele Arbeitgeber auch auf soziale Kompetenzen, die man zum Beispiel durch außeruniversitäres Engagement unter Beweis stellen kann.

Für viele Sprach-, Literatur-, Kultur- oder Regionalwissenschaftler/innen ist eine unbefristete Festanstellung direkt nach dem Studium eher die Ausnahme. Etliche sammeln zunächst auf zeitlich befristeten Stellen Berufserfahrung, bevor sie später unbefristete Arbeitsverträge erhalten. Was das Gehalt angeht, können Geisteswissenschaftler/innen in der Regel nicht ganz so viel erwarten wie Absolventen und Absolventinnen aus technischen oder betriebswirtschaftlichen Studiengängen.

Wenn der Einstieg geschafft ist, gibt es auch Aufstiegsmöglichkeiten: So kann man etwa die Leitung einer kulturellen Einrichtung oder einer Presseabteilung übernehmen. Manche entscheiden sich auch für die Selbstständigkeit oder eine Arbeit als freiberufliche Honorarkraft. Hier kann die Bezahlung je nach Auftragslage teilweise stark schwanken. Man tut gut daran, viele Kontakte zu möglichen Auftraggebern zu knüpfen.

Sprach- und Kulturwissenschaftler/innen beherrschen oft mehrere Sprachen und haben vielfach Erfahrungen in verschiedenen Ländern gesammelt. Je nach konkretem Beruf und Arbeitgeber gibt es auch Chancen, nach dem Studium im Ausland zu arbeiten. <<

Egal für welches Studium du dich entscheidest: In den meisten Fällen steht dir mit einem Abschluss nicht nur ein bestimmter Beruf offen, sondern viele verschiedene – je nachdem, welche Inhalte ein Studiengang vermittelt oder welche Schwerpunkte du selbst setzt. Du hast einen Wunschberuf und möchtest wissen, welches Studium dafür geeignet wäre?

Auch hier hast du viele Möglichkeiten, denn ein Beruf ist in den meisten Fällen über verschiedene Studienfächer zu erreichen. Und selbst wenn du nach dem Abschluss bereits einen Beruf ergriffen hast, kannst du dich im Laufe des Arbeitslebens auf unterschiedliche Tätigkeitsbereiche spezialisieren.
Klingt ganz schön kompliziert? Die Infografik hilft dir anhand einiger Beispiele weiter. <<

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