Sozial­wesen und Religion

Studium (grund­ständig), Ausbildung

Hörsaal

Studieren lohnt sich!

Unter Akademikern und Akademikerinnen ist nicht nur die Arbeitslosigkeit am niedrigsten, sie besetzen auch häufiger Führungspositionen.

Welche verschiedenen Studienmöglichkeiten sich dir bieten und was in einem Studium auf dich zukommen kann, zeigen exemplarisch die folgenden Reportagen. Dabei handelt es sich natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt aus der großen Vielfalt möglicher Studiengänge in diesem Berufsfeld.
Die Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach und einen Hochschultyp ist jeweils abhängig von deinen individuellen Interessen, Stärken und Fähigkeiten und deinen beruflichen Zielen. Deshalb ist es wichtig, dass du dich vorher gut informierst. Doch egal wofür du dich entscheidest: Los geht es in der Regel mit dem Bachelorstudium. Danach kannst du ins Berufsleben einsteigen oder ein Masterstudium anschließen.
Übrigens entscheiden sich manche Abiturienten und Abiturientinnen auch für eine Berufsausbildung anstelle eines Studiums. Ebenfalls angeboten werden duale Studiengänge, die eine akademische Ausbildung mit einer Berufsausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen verbinden. <<

Pflege in allen Facetten

Carolin Hauser (21) lernt im dualen Studiengang „Pflege“ die vielen Seiten des Bereichs kennen: die medizinische, die psychologische und auch die wissenschaftliche.

Nach einem Praktikum im Krankenhaus stand für Carolin Hauser fest, dass sie Pflege studieren wird: „Krankheitsbilder, Therapie, Medikamente – das alles hat mich interessiert. Ich musste mich zuerst daran gewöhnen, so nah am Menschen zu arbeiten. Aber genau dort kann ich sehr viel Positives bewirken.“

Ihr Wunschziel war die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg, an der das Studium mit der Berufsausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin kombiniert ist. Zulassungsvoraussetzung ist daher ein Ausbildungsvertrag an einer kooperierenden Berufsfachschule. Carolin Hauser entschied sich für das Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg, an dem sie aufgrund der Vielzahl an Bewerbern einen Assessmenttag durchlaufen musste.

Carolin Hauser wurde genommen und steht jetzt kurz vor ihrem Examen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin: „Das Studium dauert neun Semester. Anfangs werden grundlegende Module an den Berufsfachschulen vermittelt. Parallel dazu finden Blockkurse an der OTH Regensburg statt, für die wir Studienarbeiten erstellen müssen. Das vierte und das fünfte Semester sind Praxissemester. Nach dem Examen zur Gesundheits- und Krankenpflegerin studiert man weiter in Vollzeit an der Hochschule“, erklärt die 21-Jährige.

Inhaltlich geht es um wissenschaftliches Arbeiten, um ethische und rechtliche Fragen in der Pflege, Psychologie, Pflegepolitik und klinischen Praxis: „Wir versuchen, den Patienten ganzheitlich zu erfassen, also auch soziale Aspekte zu berücksichtigen.“

In den ersten drei Jahren beziehen die Studierenden Ausbildungsgehalt: „Wenn man dann Vollzeit studiert, hat man die Möglichkeit, in der Pflege nebenbei zu arbeiten.“ <<

Interessen:

mit Menschen arbeiten, sie betreuen und medizinisch versorgen

siehe auch Arbeitswelt:

Gesundheits- und Sozialmanagement
Sozialarbeit und Betreuung

BERUFENET:

Pflege­management, -wissen­schaft

Auf dem Weg ins Pfarramt

In seinem Studium der Evangelischen Theologie lernt Lars Wüstefeld (26) nicht nur Latein, Griechisch und Hebräisch, sondern auch wie man Predigten schreibt und Gottesdienste gestaltet.

Ein Schülerbetriebspraktikum in der zehnten Klasse bei einer evangelischen Kirchengemeinde weckte Lars Wüstefelds Interesse am Studienfach Evangelische Theologie. Doch zunächst absolvierte er eine berufliche Ausbildung in einem gänzlich anderen Bereich: Pyrotechnik. Da sein ursprüngliches Interesse aber nicht versiegte, entschied er sich schließlich für einen entsprechenden Studiengang. Mittlerweile hat er das letzte Drittel seines Studiums der evangelischen Theologie an der Universität Hamburg erreicht. „In den ersten Semestern lernt man alte Sprachen: Latein, Hebräisch, Griechisch“, erzählt der 26-Jährige. Kernfächer des Studiengangs sind Kirchengeschichte, Altes Testament, Neues Testament, Systematische und nicht zuletzt Praktische Theologie. Die Studierenden lernen, wie sie einen Gottesdienst gestalten und Predigten schreiben.

Ein Gemeindepraktikum vor der Zwischenprüfung verbrachte Lars Wüstefeld in einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Neben dem Studium betreut er Konfirmanden. Um sich zu finanzieren, hat er schon als Hilfskraft am Lehrstuhl eines Professors gejobbt und betreut derzeit als Schulbegleiter einen schwer erziehbaren Jugendlichen.

Das Erste Kirchliche Examen ist für Lars Wüstefeld jetzt nicht mehr weit: Anschließend wird er ins Vikariat gehen, die praktische Ausbildung für angehende Pfarrer. Das ist aber nicht der einzig mögliche Berufsweg nach dem Studium: „Ein Kommilitone wird Unternehmensberater“, erzählt er über eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Berufswahl. „Er wollte dieses Studium, weil es breite Kompetenzen vermittelt: Es schult das freie Denken, die Disziplin und die scharfe Analyse.“ <<

Interessen:

Glaube, Religion und Kirche, Kommunikation, Reflexion, Umgang mit Menschen

siehe auch Arbeitswelt:

Religion und Kirche

BERUFENET:

Theologie – Evangelische Theologie

Mit Händen und Augen

Saskia Rüdiger (19) erwirbt im Studiengang Gebärdensprachdolmetschen das Fachwissen, um sprachlich zwischen Gehörlosen und Hörenden zu vermitteln.

Sie hätte sich auch vorstellen können, Schauspielerin zu werden – letztlich entschied sich Saskia Rüdiger aber für den Studiengang Gebärdensprachdolmetschen an der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Dort wird das Fach weiterhin auf Diplom studiert – andere deutsche Hochschulen bieten einen Bachelorabschluss an. Rund 20 Studienplätze gibt es in Zwickau einmal jährlich. Bewerber durchlaufen vorab einen Eignungstest, der unter anderem kognitive und soziale Fähigkeiten erfasst.

Gebärdensprachdolmetscher vermitteln sprachlich zwischen gehörlosen und hörenden Menschen, unter Zuhilfenahme der Hände und Augen. „Im Studium sitzen wir deshalb häufig im Stuhlkreis, brauchen immer den Blickkontakt“, sagt Saskia Rüdiger. Regelmäßig agieren die Studierenden auch vor Kameras, die den Lernprozess erfassen. „Später analysieren wir das: Wie kann man seine Mimik verbessern? Stimmen die Handbewegungen?“ Dabei kommt es auf Details an – denn viele Begriffe werden durch die gleichen Gebärden ausgedrückt und erschließen sich dem Gegenüber nur aus dem Kontext und über die unterstützende Mimik.

Auf dem Lehrplan stehen Deutsch, Linguistik, Englisch, sozialwissenschaftliche Grundlagen und Psychologie. Praktika ebnen den Weg ins Berufsleben. Saskia Rüdiger, die aktuell im zweiten Semester ist, würde gern ein Praxissemester in den USA verbringen. „Es gibt dort eine Universität, da wird ausschließlich gebärdet. Das reizt mich“, erzählt sie.

Saskia Rüdiger bezieht BAföG und wird finanziell von ihrer Familie unterstützt. „Nach acht Semestern und mit dem Diplomabschluss kann ich entweder ins Berufsleben starten oder den Master und später eine Promotion anschließen.“ <<

Interessen:

Sprachen, Kommunikation, Psychologie, Inter­kulturalität, Arbeit mit Menschen

siehe auch Arbeitswelt:

Sozialarbeit und Betreuung

BERUFENET:

Gebärden­sprach­dolmetschen

Kulturvermittler

Yüksel Ünlü (26) setzt sich wissenschaftlich mit dem Islam auseinander. Dabei interessiert er sich nicht nur für die Auslegung des Korans, sondern sieht sich auch als Mittler zwischen den Kulturen.

Yüksel Ünlü studiert an der Universität Münster zwei Hauptfächer, Islamische Theologie und Soziologie. Seine Eltern haben eine lockere Bindung an die Religion, für das Studium entschied er sich aus eigenem Interesse: „Das hat sowohl etwas mit der Suche nach Identität und Zugehörigkeit zu tun als auch mit dem Wunsch, als Vermittler zwischen den Kulturen zu agieren“, erklärt der 26-Jährige.

Neben der Religion noch ein zweites Hauptfach zu belegen, kann er nur empfehlen: „Ich habe nicht nur eine theologische, sondern auch eine soziologische Perspektive auf die Religion.“ Der Studiengang ist zwar bekenntnisorientiert, aber offen für jeden: „Gemeint ist, dass man im Studium eine Innenperspektive einnimmt und wie in der katholischen und evangelischen Theologie auch die Interpretationen der Schriften untersucht. Dazu gehört unter anderem, dass wir uns mit zeitgenössischen Themen wie Feminismus oder Umweltbewusstsein im Islam auseinandersetzen."

Eine bestimmte Denkschule steht nicht im Fokus: „Es geht um eine wissenschaftliche Betrachtung und nicht darum, eine bestimmte Schule oder Ausrichtung zu stärken.“ Um wichtige Schriften im Original lesen und analysieren zu können, steht im Grundstudium der Erwerb des Arabischen im Vordergrund. „Das ist ein wichtiges Werkzeug, um etwa Primärquellen zu analysieren.“ Auch Geschichte und Kultur der islamischen Welt, Europäische Philosophie, Ideengeschichte sowie komparative Theologie gehören zum Studienplan.

Sein Studium finanziert Yüksel Ünlü durch seine Mitarbeit am Zentrum für Islamische Theologie. In Kürze wird er seinen Bachelorabschluss machen und ein Masterstudium aufnehmen. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, später eine wissenschaftliche Laufbahn an einer Hochschule einzuschlagen.“ <<

Interessen:

wissen­schaftliche Aus­einander­setzung mit dem Glauben, Interesse an Sprachen und Kulturen

siehe auch Arbeitswelt:

Religion und Kirche

BERUFENET:

Theologie – Islamische Theologie

Es gibt verschiedene Studienabschlüsse. Mehr dazu erfährst du auf studienwahl.de. Die mit Abstand häufigsten Abschlüsse sind dabei Bachelor und Master.

Das Bachelorstudium ist ein grundständiges Studium, das in der Regel sechs Semester dauert. Es setzt sich zusammen aus Modulen mit Lehrveranstaltungen, für die es – je nach Aufwand – Credit Points (CP) gibt. Auch für die Bachelorarbeit am Ende des Studiums erhältst du CP. Frühestens nach drei Jahren Studium hast du die Möglichkeit, in den Beruf einzusteigen.
Oder du studierst weiter: im Masterstudium. Es kann anknüpfend an ein bestimmtes Bachelorstudium erfolgen oder sich einem anderen Themenbereich widmen. In jedem Fall erweitert ein Masterstudium deine Kenntnisse und Fähigkeiten. Außerdem ist ein Master die Voraussetzung für eine Promotion und für bestimmte Fach- und Führungspositionen. Den Abschluss bildet die schriftliche Masterarbeit.

Übrigens: Ein Masterstudium kannst du auch noch aufnehmen, wenn du als Bachelor schon einige Jahre gearbeitet hast. Manche erwerben den Master berufsbegleitend. Welche Hochschulart die richtige für dich ist, Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie, das hängt ganz von dir ab: Wer vertieft forschen will, ist vielleicht an einer Universität besser aufgehoben als an einer Fachhochschule, wo der Fokus oftmals stärker auf der Praxisnähe liegt. Aber nicht alle Fächer können an allen Hochschultypen studiert werden. Hier gilt es, sich vorab gründlich zu informieren.

Die Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist abhängig vom Studiengang und der jeweiligen Hochschule. In manchen Fällen gibt es lokale Auswahlverfahren der jeweiligen Hochschulen. In anderen Fällen muss man sich über hochschulstart.de bewerben. Und manchmal kannst du dich einfach ohne Zulassungsbeschränkung einschreiben. In jedem Fall sind die Bewerbungs- und Einschreibefristen zu beachten.

Je nach Interesse und persönlichen Stärken kann auch eine Berufsausbildung sinnvoll sein. Hier wird zwischen dualen Ausbildungen, die im Betrieb und an der Berufsschule stattfinden, und schulischen Ausbildungen unterschieden.

Weitere Infos unter www.studium.abi.de, unter www.ausbildung.abi.de und unter studienwahl.de.

Ein Studium kostet Geld: Neben den Ausgaben für Lebensunterhalt und Bücher müssen an bestimmten Hochschulen auch Semester- oder Studiengebühren bezahlt werden. Studierende können jedoch als finanzielle Unterstützung BAföG beantragen. Ausschlaggebend dafür sind deine persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie in den meisten Fällen die deiner Eltern. Das Beste daran: Ein Teil davon ist ein zinsfreies Darlehen, der Rest sogar ein Zuschuss. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind: ein Stipendium von einer Stiftung oder auch ein Studienkredit, etwa von der staatlichen KfW-Bank. Während einer dualen Ausbildung oder bei einem dualen Studium erhältst du eine Vergütung, die allerdings stark variieren kann. Reicht diese nicht, um deinen Lebensunterhalt zu decken, kannst du Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beziehungsweise BAföG beantragen.

Weitere Infos zur Studienfinanzierung unter www.finanzen.abi.de

http://berufsfeld-info.de/abi/sozialwesen-religion-studium