Lern­therapeut/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Lerntherapeut

Tätigkeitsfeld:

Nichtärztliche Behandlung, Therapie

Abgeschlossenes Studium in:

Deutsch und Religion auf Lehramt für Realschulen

BERUFENET:

Lerntherapeut/in

Ich arbeite regelmäßig mit Kindern in den Duden Instituten für Lerntherapie.

Wenn Zahlen und Buchstaben Rätsel sind

Kinder mit Lernschwächen haben es schwer im deutschen Schulsystem – ihnen helfen Lerntherapeuten wie Arne Grotjahn (28).

Dass er später einmal Lehrer werden will, war für Arne Grotjahn eigentlich schon sehr früh klar. „Ich wollte Kindern etwas beibringen, gemeinsam mit ihnen etwas erarbeiten.“ Nach dem Abitur studierte er deshalb Deutsch und Religion auf Lehramt für Realschulen. Doch dann, im Referendariat, kamen ihm erste Zweifel. „Ich habe schon während des Studiums immer Nachhilfe gegeben und dabei bemerkt, dass viele Kinder, die etwas anders sind, in der Schule nicht aufgefangen werden.“ Arne Grotjahn wollte es als Lehrer besser machen – und scheiterte an seinen eigenen Ansprüchen. „Wenn man vor 20 Kindern steht, hat man einfach nicht die Zeit, auf jeden einzelnen Schüler einzugehen.“

Er wollte einen anderen Weg einschlagen und informierte sich über die Duden Institute für Lerntherapie. „Das war genau das, was ich machen wollte: Kindern etwas beibringen – und zwar ganz individuell.“ Arne Grotjahn entschied sich gegen den Lehrerberuf und für eine zusätzliche Ausbildung zum Lerntherapeuten, die sich speziell an Menschen mit Hochschulabschluss richtet, also zum Beispiel an Pädagogen, Psychologen oder Lehramtsabsolventen.

Enge Beziehung zu Kindern und Eltern

Die Ausbildung umfasst einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im Fokus stehen Kinder, die eine Lese-Rechtschreib- oder Rechenschwäche haben. „In der Theorie geht es zunächst um fachdidaktische und lernpsychologische Grundlagen – also etwa die Frage, wie ein Kind lernt“, erklärt der 28-Jährige. „Dabei werden Lernmethoden vermittelt und wie wir eine Beziehung zu den Kindern und – ebenfalls sehr wichtig – zu den Eltern und Lehrern aufbauen.“ Insgesamt umfasst die theoretische Ausbildung 150 Stunden, hinzu kommen 300 praktische Stunden sowie jeweils zusätzlich die Vor- und Nachbereitungszeiten. Bei Arne Grotjahn verdoppelte sich der Umfang noch, da er sich sowohl in Lese-Rechtschreib- als auch in Rechenschwäche ausbilden ließ.

Freiberufliche Tätigkeit

Als Lerntherapeut ist Arne Grotjahn nun freiberuflich tätig. „Ich arbeite regelmäßig mit Kindern in den Duden Instituten für Lerntherapie, unterrichte aber zudem noch Deutsch als Fremdsprache und bin auch eigenständig als Lerntherapeut tätig.“ Gut eineinhalb Jahre dauert eine Therapie im Schnitt. „In der Zeit baut man eine sehr intensive Bindung auf.“ Zunächst gehe es darum, das Kind dort „abzuholen“, wo es gerade steht. „Oft muss ich erst mal ein ganz neues Fundament aufbauen.“ Dafür sollte man auf jeden Fall viel Geduld und Verständnis mitbringen. „Die Kinder sind ja nicht dumm, sie denken nur manchmal etwas anders.“ Er berichtet von einer Schülerin, für die 6 minus 2 immer 3 war. „Ich habe einige Zeit gebraucht, aber dann bemerkt, dass für sie die Zahl 4 einfach nicht existiert.“ Für solche Momente liebt Arne Grotjahn seinen Beruf. „Dann weiß ich, woran es liegt, kann direkt daran arbeiten – und die Kinder sind extrem dankbar.“

Momentan, sagt Arne Grotjahn, sei er glücklich mit seinem Beruf. „Ich will erst mal noch mehr Praxiserfahrungen sammeln.“ Später kann er sich jedoch gut vorstellen, sich nochmals weiterzubilden – als Diagnostiker – und dann hauptberuflich in einem Institut zu arbeiten. <<

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