Produktion, Fertigung

Studium (grund­ständig), Ausbildung

Hörsaal

Studieren lohnt sich!

Unter Akademikern und Akademikerinnen ist nicht nur die Arbeitslosigkeit am niedrigsten, sie besetzen auch häufiger Führungspositionen.

Welche verschiedenen Studienmöglichkeiten sich dir bieten und was in einem Studium auf dich zukommen kann, zeigen exemplarisch die folgenden Reportagen. Dabei handelt es sich natürlich nur um einen kleinen Ausschnitt aus der großen Vielfalt möglicher Studiengänge in diesem Berufsfeld.
Die Entscheidung für ein bestimmtes Studienfach und einen Hochschultyp ist jeweils abhängig von deinen individuellen Interessen, Stärken und Fähigkeiten und deinen beruflichen Zielen. Deshalb ist es wichtig, dass du dich vorher gut informierst. Doch egal wofür du dich entscheidest: Los geht es in der Regel mit dem Bachelorstudium. Danach kannst du ins Berufsleben einsteigen oder ein Masterstudium anschließen.
Übrigens entscheiden sich manche Abiturienten und Abiturientinnen auch für eine Berufsausbildung anstelle eines Studiums. Ebenfalls angeboten werden duale Studiengänge, die eine akademische Ausbildung mit einer Berufsausbildung oder Praxisphasen in einem Unternehmen verbinden. <<

Jede Menge Holz

In Seppe Alaerts’ (23) Studium der Holztechnik geht es um Werkstoffkunde, Holzverarbeitung, Innenausstattung und Verfahrenstechnik.

Holz ist ein Material, das seit Tausenden von Jahren genutzt wird und wohl nie aus der Mode kommt. Ob Fahrzeugbau, Innenausstattung oder Hausbau: Die Holzindustrie ist für die verschiedensten Bereiche wichtig. „Weil mir das Material zudem gut gefällt, habe ich mich für das Studium der Holztechnik entschieden“, erzählt Seppe Alaerts.

Der 23-Jährige kommt ursprünglich aus Belgien. Für das Studium zog er ins brandenburgische Eberswalde. Während der ersten drei Semester eignete er sich Grundlagenwissen in Mathe, Physik, Chemie und Werkstoffkunde, aber auch in BWL, Informatik und natürlich in Holztechnik an.

Ab dem vierten Semester kann man sich auf einen von drei Bereichen spezialisieren. „Im Holzbau geht es darum, wie man aus Holz Gebäude baut; in der Materialwissenschaft beschäftigt man sich mit der Holzverarbeitung und der Holzbiologie, und im Bereich Maschinen mit den Anlagen, die in der Holzindustrie verwendet werden."

Seppe Alaerts besuchte verschiedene Kurse aus allen drei Bereichen. Er beschäftigte sich mit Themen wie Innenausstattung, Möbeloberflächen, Verfahrenstechnik für Holz sowie Finanzierung und Investition. Das sechste Semester war ein Praxissemester. Seppe Alaerts verglich bei einem westdeutschen Holzgroßhändler kommerzielle Holzsorten mit eher exotischeren.

Nun ist er im siebten und letzten Semester. Für die Finanzierung seines Studiums sorgt neben Ferienjobs die Unterstützung seiner Eltern. Für die Zeit nach dem Studium hat er noch keine konkreten Pläne. Er könnte sich aber vorstellen, als Projektleiter im Holzbau oder in der Innenausstattung zu arbeiten. <<

Interessen:

Physik, Holz, Design

siehe auch Arbeitswelt:

Farben, Kunststoffe, Glas, Keramik, Holz, Papier

BERUFENET:

Holz­technik

Eine Frage der Qualität

Im interdisziplinären Bachelorstudium Lebensmittelchemie analysiert Linda Kessler (21) Nahrungsmittel.

Einem allgemeinen Chemiestudium hat Linda Kessler das Fach Lebensmittelchemie vorgezogen, weil sie sich früh spezialisieren wollte. Die 21-Jährige ist inzwischen im abschließenden der sechs Regelstudiensemester an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

Für das Bachelorstudium besteht ein lokaler Numerus clausus, der sich an den Bewerberzahlen orientiert. In den ersten zwei Jahren erhalten die Studierenden einen fundierten Überblick über mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagen. Danach werden Kenntnisse in Lebensmittelchemie vermittelt mit dem Schwerpunkt auf der Analytik von Lebensmitteln und deren Inhaltsstoffen. Das Studium hat mit begleitenden Laborpraktika zu den Vorlesungen einen hohen Praxisanteil. Dabei steht nicht nur der Umgang mit der Pipette auf dem Studienplan. „Lebensmittelchemie ist ein lebensnahes Fach, das mir Spaß macht: Wir lernen, lebensmittelrechtlich und warenkundlich die Qualität von Wein zu beurteilen, oder erfahren zum Beispiel etwas über die biochemischen Vorgänge, die einen Apfel braun werden lassen“, erklärt die Studentin.

Linda Kessler finanziert ihr Studium mithilfe von BAföG und einem Nebenjob als wissenschaftliche Hilfskraft in der Studienberatung. Nach ihrer Thesis, in der sie Lebensmittel analysiert, auf Inhaltsstoffe hin auswertet und rechtlich beurteilt, wird sie den konsekutiven Masterstudiengang anschließen. Als Lebensmittelchemikerin stehen ihr nicht nur die Wissenschaft und Industrie offen, sondern auch die öffentliche Verwaltung. Bachelor- und Masterstudium sind Bausteine für die Prüfung zum/zur staatlich geprüften Lebensmittelchemiker/in. <<

Interessen:

Chemie, Analytik, Freude an Labor­arbeit

siehe auch Arbeitswelt:

Lebensmittel und Getränke

BERUFENET:

Lebens­mittel­chemie

Nachhaltige Versorgung

Tobias Bochmann (23) lernt im Bachelorstudium Rohstoffingenieurwesen, wie man Rohstoffe gewinnt und auch wiederverwertet.

Nachhaltige Rohstoffgewinnung und Recycling werden immer wichtiger. Das Studium des Rohstoffingenieurwesens an der RWTH Aachen reizte Tobias Bochmann daher als Alternative zu anderen Ingenieurwissenschaften wie etwa Maschinenbau. „Damit kann ich etwas gesellschaftlich Relevantes studieren und dabei an technischen Innovationen mitarbeiten. Viele Industriezweige oder auch Umweltbehörden stehen mir dadurch anschließend offen“, sagt der 23-Jährige, der sich nach seinem Bachelor in einem Masterstudium spezialisieren und später Auslandserfahrung sammeln möchte. Sein Studium finanziert Tobias Bochmann mit Unterstützung seiner Eltern sowie als wissenschaftliche Hilfskraft.

Ein mindestens sechswöchiges Vorpraktikum in der Industrie ist Zulassungsvoraussetzung zum Bachelor. „So kann man im Voraus die Arbeitswelt sondieren.“ In den ersten vier Semestern vertiefte Tobias Bochmann seine mathematisch-naturwissenschaftlichen Kenntnisse und erarbeitete die Grundlagen der Ingenieurwissenschaften sowie der beiden Kernbereiche Rohstoffgewinnung und Prozesstechnik. Eine Spezialisierung ist im letzten Studienjahr möglich. „Die Auswahl an Fächern ist groß, von Aufbereitungsverfahren bis hin zur Recyclingwirtschaft. Das macht das Studium so interessant.“ Begleitet werden die Vorlesungen von Beginn an durch Laborpraktika.

Den sechssemestrigen Studiengang schließt Tobias Bochmann gerade mit seiner Bachelorarbeit in Kooperation mit einem Würzburger Industriepartner aus der Gips-Branche ab, zu dem er während seines Studiums Kontakt aufbauen konnte. „Mein Thema ist die Optimierung der Produktionsprozesse.“ Mit der Thesis kann er Studium und praktische Ingenieurarbeit verbinden. <<

Interessen:

Natur­wissen­schaften mit Elektro­technik verbinden, Funktion technischer Geräte

siehe auch Arbeitswelt:

Bergbau und Baustoffe

BERUFENET:

Roh­stoff­ingenieur­wesen

Maß der Dinge

Fertigungstechniken, Produktentwicklung und Unternehmensführung lernt Lea Kiefer (21) in ihrem Studium der Textil- und Bekleidungstechnologie.

Lea Kiefer studiert an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen Textil- und Bekleidungstechnologie. „Die Textilbranche umfasst sehr viel mehr als Bekleidung. Für mich kam daher ein reines Modedesign-Studium nicht infrage. Jetzt kann ich meine Freude an den verschiedenen Materialien, den dazugehörigen technischen Hintergründen und den spannenden Fertigungsabläufen ausleben“, erklärt die 21-Jährige.

Zulassungsvoraussetzung zum ingenieurwissenschaftlichen Bachelorstudiengang ist ein sechs- bis achtwöchiges Vorpraktikum. Lea Kiefer hat es in den ersten Semesterferien bei einem Hersteller von Herrenbekleidung nachgeholt. Im Grundstudium, den ersten beiden Semestern, wird ein ingenieurwissenschaftliches sowie mathematisch-naturwissenschaftliches Fundament für die industriellen Fertigungstechnologien und die chemisch basierten Textiltechnologien gelegt. In begleitenden Laborpraktika werden diese Kernbereiche – angefangen beim Anlagenbau über die Stichtypen bis hin zur Imprägnierung und Färbung – eingeübt. „Im Lauf des sehr anwendungsorientierten Studiums entwerfen und nähen wir textile Produkte selbst“, erklärt die Studentin. Ab dem dritten Semester, in dem Lea Kiefer gerade ist, kann man durch Wahlfächer Schwerpunkte setzen. Sie hat sich für Entwicklung, Qualität und Management textiler Produkte entschieden statt für Stricktechnik und Design. „Nach einem Masterstudium möchte ich ins Produktmanagement. Technische Textilien für die Automotive- oder Medizintechnik-Branche würden mich reizen.“ Bis dahin wird sie die sieben Regelstudiensemester jedoch noch mit einem Praxissemester in einem Unternehmen ihrer Wahl, einem Auslandsaufenthalt im sechsten Semester und ihrer Bachelorthesis füllen. Ihr Studium finanziert Lea Kiefer mit Unterstützung ihrer Eltern und als wissenschaftliche Hilfskraft. <<

Interessen:

Natur­wissen­schaften, Freude an Textilien und deren Funktionen, Nähen

siehe auch Arbeitswelt:

Textilien und Bekleidung

BERUFENET:

Textil-, Bekleidungs­technik

Es gibt verschiedene Studienabschlüsse. Mehr dazu erfährst du auf studienwahl.de. Die mit Abstand häufigsten Abschlüsse sind dabei Bachelor und Master.

Das Bachelorstudium ist ein grundständiges Studium, das in der Regel sechs Semester dauert. Es setzt sich zusammen aus Modulen mit Lehrveranstaltungen, für die es – je nach Aufwand – Credit Points (CP) gibt. Auch für die Bachelorarbeit am Ende des Studiums erhältst du CP. Frühestens nach drei Jahren Studium hast du die Möglichkeit, in den Beruf einzusteigen.
Oder du studierst weiter: im Masterstudium. Es kann anknüpfend an ein bestimmtes Bachelorstudium erfolgen oder sich einem anderen Themenbereich widmen. In jedem Fall erweitert ein Masterstudium deine Kenntnisse und Fähigkeiten. Außerdem ist ein Master die Voraussetzung für eine Promotion und für bestimmte Fach- und Führungspositionen. Den Abschluss bildet die schriftliche Masterarbeit.

Übrigens: Ein Masterstudium kannst du auch noch aufnehmen, wenn du als Bachelor schon einige Jahre gearbeitet hast. Manche erwerben den Master berufsbegleitend. Welche Hochschulart die richtige für dich ist, Universität, Fachhochschule oder Berufsakademie, das hängt ganz von dir ab: Wer vertieft forschen will, ist vielleicht an einer Universität besser aufgehoben als an einer Fachhochschule, wo der Fokus oftmals stärker auf der Praxisnähe liegt. Aber nicht alle Fächer können an allen Hochschultypen studiert werden. Hier gilt es, sich vorab gründlich zu informieren.

Die Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist abhängig vom Studiengang und der jeweiligen Hochschule. In manchen Fällen gibt es lokale Auswahlverfahren der jeweiligen Hochschulen. In anderen Fällen muss man sich über hochschulstart.de bewerben. Und manchmal kannst du dich einfach ohne Zulassungsbeschränkung einschreiben. In jedem Fall sind die Bewerbungs- und Einschreibefristen zu beachten.

Je nach Interesse und persönlichen Stärken kann auch eine Berufsausbildung sinnvoll sein. Hier wird zwischen dualen Ausbildungen, die im Betrieb und an der Berufsschule stattfinden, und schulischen Ausbildungen unterschieden.

Weitere Infos unter www.studium.abi.de, unter www.ausbildung.abi.de und unter studienwahl.de.

Ein Studium kostet Geld: Neben den Ausgaben für Lebensunterhalt und Bücher müssen an bestimmten Hochschulen auch Semester- oder Studiengebühren bezahlt werden. Studierende können jedoch als finanzielle Unterstützung BAföG beantragen. Ausschlaggebend dafür sind deine persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse sowie in den meisten Fällen die deiner Eltern. Das Beste daran: Ein Teil davon ist ein zinsfreies Darlehen, der Rest sogar ein Zuschuss. Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind: ein Stipendium von einer Stiftung oder auch ein Studienkredit, etwa von der staatlichen KfW-Bank. Während einer dualen Ausbildung oder bei einem dualen Studium erhältst du eine Vergütung, die allerdings stark variieren kann. Reicht diese nicht, um deinen Lebensunterhalt zu decken, kannst du Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beziehungsweise BAföG beantragen.

Weitere Infos zur Studienfinanzierung unter www.finanzen.abi.de

http://berufsfeld-info.de/abi/produktion-fertigung-studium