Beamt(er/in) – Archiv­dienst (geh. Dienst)

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Archivinspektor

Tätigkeitsfelder:

Öffentliche Verwaltung;
Informationsbeschaffung, -erschließung und -aufbereitung

Abgeschlossenes Studium in:

Archivwissenschaft

BERUFENET:

Beamt(er/in) – Archivdienst (geh. Dienst)

Ich stehe auch mal buchstäblich im Keller, um Akten zu sichten. Archivwürdiges Material nehme ich mit ins Büro.

Vergangenheit bewahren – vorausschauend denken

Marcel Werner (30) ist nicht nur Experte für historische Dokumente, sondern engagiert sich auch für die digitale Zukunft von Archiven. Der Berufsalltag des Archivinspektors im gehobenen Dienst umfasst weit mehr als verstaubte Akten.

Lässt sich eine digitale Textdatei in 100 Jahren noch öffnen? Fragen zur Archivierung von elektronischem Material beschäftigen Marcel Werner ebenso wie etwa historische Personalakten eines Schulamtes, die er kürzlich für das Landesarchiv Nordrhein-Westfalen erschlossen und konserviert hat. Der Beamte arbeitet in der Abteilung Westfalen in Münster. Diese vertritt er im Projekt „Digitales Archiv NRW“, das zum Ziel hat, die digitalen Unterlagen aller öffentlichen Einrichtungen des Bundeslandes in einem Langzeitarchiv zur Verfügung zu stellen. „Dafür müssen Kriterien definiert werden, etwa dafür, wie E-Mails oder Textdateien dauerhaft erhalten und zugänglich gemacht werden“, erläutert der 30-Jährige. Für entsprechende Softwarelösungen muss er Anforderungen definieren sowie die technische Umsetzung koordinieren und testen. Ein Interesse an Informatik ist für die Archivarbeit zwar hilfreich, aber nicht zwingend notwendig: „Digitale Bestände zu archivieren wird nach meinen Erfahrungen gerne an jüngere Kollegen übergeben, vieles kann man sich aber im Berufsalltag aneignen – oder man entscheidet sich einfach für andere Schwerpunkte.“

Beraten, recherchieren, archivieren

Täglich beantwortet Marcel Werner Anfragen von Archivbenutzern, die zu den unterschiedlichsten Themen recherchieren. Am häufigsten sind das Familienforscher, Wissenschaftler und Studierende, die nach Material über ein historisches Thema suchen. Sind entsprechende Akten vorhanden, informiert er zu den Benutzungsmodalitäten. Einmal in der Woche hat er Beratungsdienst im Lesesaal, wo die Nutzer das Archivmaterial einsehen können. Regelmäßig berät er zudem Behörden, wenn es darum geht, die Archivwürdigkeit der Akten einzuschätzen, die nicht mehr benötigt werden. „Bei den Personalakten eines Schulamtes sind fürs Archiv alle Unterlagen der ehemaligen Schulleiter interessant und von Lehrern, die vor 1910 geboren wurden“, erläutert der Archivinspektor beispielhaft. Neues Archivgut zu erschließen heißt mitunter die Ärmel hochzukrempeln: „Ich stehe auch mal buchstäblich im Keller, um solche Akten zu sichten. Archivwürdiges Material nehme ich mit ins Büro und pflege es in unseren Bestand ein.“

Interesse für Geschichte

Die praktische Ausbildung für seine Tätigkeit im gehobenen Dienst hat Marcel Werner beim „Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz“ in Berlin absolviert, den theoretischen Teil an der Archivschule in Marburg, einer Hochschule der Öffentlichen Verwaltung. Das sei der einfachere Weg in den Beruf, findet er. Denn je nach Bundesland steht der Weg in den Archivdienst auch Bewerbern aus anderen Hochschulen offen. Manche seiner Kollegen im höheren Dienst etwa haben Geschichte, Rechtswissenschaften oder Wirtschaftsinformatik studiert und anschließend promoviert.

Geschichtliches Interesse sieht der 30-Jährige als wesentlich für seinen Beruf, ebenso wie Fremdsprachenkenntnisse in Englisch, Latein und Französisch. Er selbst möchte sich noch intensiver mit digitaler Archivierung beschäftigen und absolviert deshalb aktuell ein berufsbegleitendes Informatik-Fernstudium. <<

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