Musik

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Die Arbeitswelt im Überblick

Nur wer Selbstdisziplin mitbringt und sich mit der praktischen Seite des Musikbetriebs ebenso auskennt wie mit der Theorie, kann im professionellen Musikgeschäft bestehen. Welche Trends zeichnen sich ab?

Viele Stunden anstrengender Proben, bei denen an jedem Detail gefeilt wird, gehen jenem Moment voraus, der die ganze Mühe wert ist: Das Publikum applaudiert begeistert, die Kritiker loben das neue Album, die Musikschüler spielen das einstudierte Stück erstmals fehlerfrei.

Wenn dich die Arbeitswelt Musik interessiert, hast du die Wahl zwischen unterschiedlichen Berufsbildern: Komponisten und Komponistinnen schaffen neben klassischen Orchesterwerken auch Popsongs, experimentelle elektronische Werke oder Filmmusik. Musiker/innen und Sänger/innen sind im Orchester oder in der eigenen Band aktiv. Als Tonmeister/in beziehungsweise Toningenieur/in ist man für Studioaufnahmen, den guten Klang bei Festivals oder das digitale Nachbereiten der Soundeffekte beim Film oder Fernsehen verantwortlich.

Wer sein Instrument liebt und beherrscht, bringt normalerweise viel Selbstdisziplin mit – diese ist im Berufsleben unverzichtbar. Denn egal, ob man bei den Berliner Philharmonikern oder in einem kleinen Jazz-Ensemble spielt: Die Stücke müssen lange zusammen geprobt werden. Das erfordert auch Durchhaltevermögen, Team- und Kritikfähigkeit sowie Kommunikationstalent. Flexibilität ist ebenfalls ein Muss, etwa wenn es gilt, für ein mehrmonatiges Engagement in eine neue Stadt zu ziehen. Nicht zuletzt sollte man einen starken Willen mitbringen sowie die Bereitschaft, Eigenmarketing zu betreiben.

Professionelle Musiker/innen finden Arbeitsmöglichkeiten bei Sinfonieorchestern, Opernhäusern oder Bands jeder Art, als Komponisten von Filmmusik oder Werbejingles. Einen festen Vertrag haben jedoch nur die wenigsten. Stattdessen gibt es vor allem Gastspielverträge oder befristete Verträge. Viele arbeiten auch als Selbstständige und werden auf Stunden- oder Auftrittsbasis bezahlt. Wer später unterrichten möchte, dem bietet sich neben dem Lehramt der Unterricht an Musikschulen oder die Tätigkeit als Privatlehrer/in. Auch viele freischaffende Musiker/innen verdienen sich etwas mit Musikunterricht hinzu.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, schätzt den Arbeitsmarkt für Musiker/innen als schwierig ein: „Theater und Konzerthäuser beklagen die zunehmend knapper ausfallenden Zuschüsse der öffentlichen Haushalte. Dies wirkt sich auf den Arbeitsmarkt für Musiker/innen aus. Daher fällt es vielen schwer, eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu finden. Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Musiker/innen ist selbstständig tätig."

Du kennst das vielleicht von dir selbst: Du hörst einen guten Song im Radio, findest schnell den Titel mithilfe deiner Musikerkennungs-App heraus und lädst das Lied auf dein Smartphone. Die Musikindustrie hat das Potenzial des Onlinevertriebs erkannt und versucht, ein attraktives Angebot für die Kunden von Bezahldiensten zu schaffen. Insbesondere Musik-Streaming-Dienste weisen große Wachstumsraten auf. Der Vorteil für die Nutzer: Für eine monatliche Pauschale können sie überall und auf allen internetfähigen Geräten unbegrenzt Musik hören – egal ob Pop oder Klassik. Dank dieser neuen Erlösquellen ist die Musikindustrie nach Jahren der Umsatzeinbußen in Ländern wie Schweden, Norwegen und Finnland – die als Vorreiter des digitalen Wandels und als Trendindikator für den Rest Europas gelten – zuletzt wieder etwas gewachsen. Der Klassikbetrieb wandelt sich ebenfalls. Ein Beispiel: Erste Orchester haben digitale Konzerthallen eingerichtet, die Live-Übertragungen ermöglichen oder Archivkonzerte aus mehreren Jahrzehnten anbieten.

Das Internet eröffnet auch bei der Finanzierung von Projekten neue Möglichkeiten. Über das sogenannte Crowdfunding können Fans ihrer Lieblingsband per Internetplattform Geld für die Produktion eines anstehenden Studioalbums spenden. Als Dank bekommen sie das fertige Produkt und kleine Extras, etwa Poster oder Autogrammkarten. Trotz Digitalisierung: Zuletzt erlebte die gute alte Schallplatte ein Revival. Ihr Klang ist für Fans ungleich wärmer und authentischer als der Sound von CDs, das größere Cover bietet die Chance für eine aufwendige Gestaltung. Musikliebhaber sind daher gerne bereit, Geld für in Kleinserien produzierte und kunstvoll gestaltete Schallplatten auszugeben. <<

Portrait von Christian Hoeppner.

Interview mit Professor Christian Höppner, Instrumentallehrer, Musikpädagoge, Cellist, Dirigent und Generalsekretär des Deutschen Musikrats

Musikalische Exzellenz zählt

Herr Höppner, welche Anforderungen werden im Bereich Musik an Berufseinsteiger gestellt?
Christian Höppner: Zuallererst musikalische Exzellenz und die Begeisterung für die Musik und das angestrebte Berufsfeld. Dazu kommen die Lust, mit anderen Menschen zu kommunizieren, und die Bereitschaft –insbesondere für freie Musiker –, sich am Markt zu präsentieren.

Welche Branchentrends gibt es?
Christian Höppner: Es wird zunehmend wichtiger, über rechtliche Rahmenbedingungen Bescheid zu wissen. Also zum Beispiel, wie es mit dem Urheberrechtsschutz und dem Leistungsschutzrecht aussieht. Im digitalen Zeitalter ist es unerlässlich, sich mit den Chancen und Risiken gerade im Hinblick auf die Selbstvermarktung zu befassen. Wirtschaftliches Denken ist sicher nicht schädlich.

Beim Stichwort „Musiker“ denkt man zunächst an Orchestermitglieder oder Musiklehrer. In welchen Bereichen arbeiten studierte Musiker noch?
Christian Höppner: Sie sind etwa als Komponisten, Kirchenmusiker, Produzenten, Musikjournalisten und -verleger oder als Eventmanager tätig oder arbeiten im Bereich der Musiktherapie. Auch das Handwerk bietet Möglichkeiten – etwa für Instrumentenbauer. <<

Das Tonmeisterstudium ist für meine Tätigkeit Voraussetzung. Es ist ein klassisches Musikstudium an einer Musikhochschule, gleichzeitig absolviert man technische Fächer wie etwa Akustik und Elektrotechnik und erwirbt Praxis in Übungsstudios. Wichtig im Berufsalltag ist die Liebe zur Musik, Flexibilität, das Fingerspitzengefühl für Künstler und die Fähigkeit zur Teamarbeit, nicht nur unterwegs im Ü-Wagen oder bei großen CD-Produktionen. Wer Tonmeister werden will, wählt in der Regel die Freiberuflichkeit, denn es gibt nur wenige feste Stellen, zum Beispiel beim Rundfunk.

Die vielfältigen Abschlüsse an Musikhochschulen eröffnen sehr unterschiedliche Berufsperspektiven: Musiker/in und Sänger/in in Ensembles, Orchestern, Chören, Lehrer/in an Musikschulen oder an allgemeinbildenden Schulen, Kirchenmusiker/in, Musikvermittler/in, beispielsweise im Bereich der Elementaren Musikpädagogik, Dirigent/in oder auch Komponist/in. Egal, wohin die Reise geht: Ein Musikstudium setzt nicht nur ein hohes technisches Können an einem Instrument oder mit der eigenen Stimme voraus, sondern auch Beharrlichkeit, Kreativität, Einfühlungsvermögen und viel Disziplin.

Musikwissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen eröffnet sich ein breites Spektrum von Möglichkeiten im kulturellen oder Kultur vermittelnden Sektor. Dazu gehören Positionen als Lektoren, bei Musikredaktionen von Verlagen und Medienunternehmen, bei öffentlichen Kulturinstitutionen – von Orchestern bis hin zu Museen – sowie bei Verbänden des Kultursektors oder auch in Kulturmarketingabteilungen von Wirtschaftsunternehmen. Zu den spezialisierten Arbeitsfeldern mit eigenen Ausbildungsangeboten zählen beispielsweise die Tätigkeit als Dramaturg an Konzert- und Opernhäusern oder bei Festivals sowie das Kulturmanagement und die Kulturpolitik.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Akustik
  • Didaktik
  • Gesang
  • Harmonielehre
  • Instrumentalmusik
  • Kirchenmusik
  • Komposition
  • Konzerttätigkeit
  • Rhythmik
  • Tonmischen
  • Tontechnik

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Kritikfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Motivationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Selbstbewusstsein
  • Selbstdisziplin
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/musik-tanz-schauspiel-kulturwirtschaft/musik-2