Museum und Kultur­vermittlung, Kultur­management

Ausstellung von Bildern von Andy Warhol

Die Arbeitswelt im Überblick

Für Kulturvermittler/innen und Kulturmanager/innen gibt es kein klar definiertes Berufsfeld. Sie sind an der Schnittstelle zwischen den Bereichen Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft, zwischen Kulturschaffenden und Kulturrezipienten tätig. Welche Trends sind hier zu beobachten?

Du bringst großes Interesse für Kunst und Kultur mit und willst andere ebenfalls dafür begeistern? Dann bist du in dieser Arbeitswelt richtig. Als Kunstvermittler/in, Museologe/Museologin oder Kunstpädagoge/-pädagogin spezialisierst du dich zumeist auf eine Sparte wie Bildende Kunst, Theater oder Kulturgeschichte und verfügst neben Fachwissen über didaktisches Know-how.

Kuratoren/Kuratorinnen oder Wissenschaftliche Mitarbeiter/innen eines Museums organisieren beispielsweise Ausstellungen und kümmern sich um den Bestand oder die Erweiterung einer Sammlung. Kulturpädagogen und -pädagoginnen bieten Führungen durch Ausstellungen oder kulturhistorisch interessante Stadtteile an. Oder sie entwickeln Konzepte und organisieren Projekte für kultur- und freizeitpädagogische Aktivitäten von Jugendzentren oder Freizeitparks. Da Events, Kurse und Führungen auch am Abend und Wochenende stattfinden, gibt es kaum feste Arbeitszeiten. Als Kunst- oder Kulturwissenschaftler/in kannst du auch als Wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in an einer Hochschule forschen. Allerdings sind die entsprechenden Stellen heiß begehrt.

Wenn du dich für einen Beruf aus dieser Arbeitswelt entscheidest, solltest du gut planen, organisieren und kommunizieren können. Denn du bist täglich in Kontakt mit Künstlern, Sponsoren und verschiedenen Dienstleistern und oftmals auch in die Finanzierung von Veranstaltungen und die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eingebunden. Als Kulturvermittler/in solltest du darüber hinaus ein Gespür dafür haben, wie man Kultur an die Frau oder an den Mann bringt. Bei vielen Berufen dieser Arbeitswelt wird erwartet, dass man neben Kommunikationsstärke und einer analytischen Arbeitsweise auch Mobilitätsbereitschaft mitbringt: Zwar lassen sich viele Tätigkeiten – etwa die Planung, Konzeption oder Kalkulation – vom Schreibtisch aus erledigen, doch zum Berufsalltag gehört es auch, zu Kunden und Auftraggebern zu fahren, um dort beispielsweise Veranstaltungen vor Ort zu betreuen. Zudem sind im pädagogischen Bereich Motivationsfähigkeit und manchmal auch Improvisationstalent sehr wichtig, zum Beispiel wenn du mit Kindern arbeitest.

Typische Arbeitgeber sind neben Museen auch Galerien, Theater und Konzertveranstalter. Zudem werden im Öffentlichen Dienst, also zum Beispiel bei städtischen Kulturämtern, Akademiker/innen benötigt, die Kultur vermitteln und Veranstaltungen organisieren. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich bei Verlagen und Reiseveranstaltern. Insbesondere für Pädagogen und Pädagoginnen sind Volkshochschulen oder Jugendzentren mögliche Arbeitgeber. Nicht zuletzt gibt es Stellen im Bereich der Forschung und Lehre an Hochschulen und Kunstakademien.

Für Freiberufler können sich Verdienstmöglichkeiten auch außerhalb des Kulturbetriebs ergeben, etwa in der Schulung von Nachwuchskräften aus unterschiedlichen Branchen. Beispielsweise können Theaterpädagogen jungen Fachkräften dabei helfen, Fähigkeiten auszubilden, die für Führungskräfte genauso wichtig sind wie für Schauspieler: eine feste Stimme, eine klare Körpersprache sowie ein präziser Ausdruck.

Den vielen Möglichkeiten zum Trotz weist Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, darauf hin, dass es sich bei der Kulturvermittlung um keinen einfachen Arbeitsmarkt handelt: „Es gibt nur sehr wenige Stellen, die für Kulturmanager/innen ausgeschrieben werden. Dem gegenüber stehen in den letzten Jahren tendenziell steigende Studierendenzahlen in Kulturmanagement-Studiengängen. Bei Bewerbungen treten sie in Konkurrenz zu Geisteswissenschaftlern und Betriebswirten. Auch im Museumsbereich sind feste Stellen rar und begehrt."

Veranstaltungen über Webseiten vermarkten, soziale Medien für die Öffentlichkeitsarbeit nutzen, Apps und Online-Spiele für die Kulturvermittlung einsetzen – im Kulturmanagement setzt man zunehmend auf das Internet und Digitalstrategien. Darüber hinaus kommt in vielen Bereichen mittlerweile spezifische Technik zum Einsatz, etwa im Museum: Ein Gebäude begutachten, das schon vor Jahrhunderten niedergebrannt ist? Dank digitaler Rekonstruktion ist das kein Problem. Auf dem aktuellen Stand in Sachen Technik zu sein ist in dieser Arbeitswelt folglich sehr wichtig. <<

Portraitaufnahme von Olaf Zimmermann

Interview mit Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Ehrenamtliches Engagement ist hilfreich

Herr Zimmermann, welche Branchentrends gibt es?
Olaf Zimmermann: Obwohl Kulturvermittlung inzwischen in vielen Kultureinrichtungen üblich ist, ist das Berufsbild immer noch durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse geprägt. Die wenigsten Kulturpädagogen haben eine gesicherte Stelle, viele sind in Projekten beschäftigt oder haben befristete Verträge. In zunehmendem Maße werden Vermittlungsaufgaben auch von Freiberuflern übernommen. Und im Kulturmanagement konkurrieren die ausgebildeten Kulturmanager mit Juristen und Betriebswirten.

Welche Anforderungen werden heute an Berufseinsteiger gestellt?
Olaf Zimmermann: In der Regel wird ein abgeschlossenes Studium vorausgesetzt, dazu sowohl praktische als auch wissenschaftliche Erfahrungen. Bei Kulturmanagern werden oft sogar fundierte Rechtskenntnisse erwartet. Für Kulturpädagogen ist beim Berufseinstieg ehrenamtliches Engagement im Bereich der Kulturvermittlung hilfreich. Überdies können dabei wertvolle Kontakte geknüpft werden, die den Berufsstart er-leichtern. Eine ausführliche Studie zum Kulturarbeitsmarkt sowie zu Frauen in Kultur und Medien kann auf der Seite des Kulturrates abgerufen werden. <<

Die Aufgaben- und Tätigkeitsfelder im Museum sind sehr vielfältig und reichen von Forschung über Museumspädagogik bis zu Pressearbeit und Marketing. Im Europäischen Hansemuseum arbeiten zum Beispiel neben Historikern auch Archäologen, Kunsthistoriker, Philosophen und Kommunikationswissenschaftler. Neben fachlichem Know-how sind insbesondere praktische Erfahrungen im Museumsbetrieb von Vorteil. Soziale Kompetenz und Kommunikationsgeschick sind unerlässlich und natürlich ganz besonders Teamfähigkeit. Denn Museumsarbeit ist vor allem eines: Teamwork.

Kultur- oder Eventmanager arbeiten in meiner Agentur zuerst als Assistenten, bei entsprechender Leistung und Qualifikation später auch als Projektleiter. Da wir ein kleines Unternehmen sind, betreuen sie unsere Kunden von der Angebotsabgabe bis hin zur Durchführung von Veranstaltungen. Bei der Personalauswahl ist mir wichtig, dass ein Bewerber ein sicheres Auftreten hat, offen ist, gut auf unterschiedliche Menschen eingehen und sich flexibel den wechselnden Themen und Kunden anpassen kann.

Die Beschäftigungschancen der Kulturpädagogen wachsen – nicht nur für die konkrete Umsetzung von Projekten der kulturellen Bildung, sondern auch im Bereich des Projektmanagements. Bei der Vergabe von Kulturmanagementstellen außerhalb dieses Bereichs treten Kulturpädagogen gegen eine starke Konkurrenz von Spezialisten an, zum Beispiel aus den Theater-, Kunst-, Literatur- und Musikwissenschaften. Insofern sind ihre Chancen stark vom Erwerb zusätzlicher Spartenkompetenzen und praktischer Erfahrungen in entsprechenden Institutionen abhängig.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Event-Management
  • Fachpublikationen erstellen
  • Kulturgeschichte
  • Kunsthandel
  • Kunstpädagogik
  • Kunstwissenschaft
  • Museumspädagogik
  • Religionsgeschichte
  • Vortragstätigkeit

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Eigeninitiative
  • Empathie
  • Kommunikationsstärke
  • Kooperationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Motivationsfähigkeit
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Präsentationsfähigkeit
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