Bühne und Film

Kamera  in einem Fernsehstudio

Die Arbeitswelt im Überblick

Es ist schon ein besonderer Menschenschlag, der sich für die Welt der Schauspielhäuser, Filmstudios und Kleinkunstbühnen entscheidet. Welche Trends zeichnen sich ab?

Die Menschen dieser Arbeitswelt eint vor allem der Wunsch nach einem Beruf, der mehr ist als ein Broterwerb, nach einem Arbeitsfeld, das Kreativität und Fantasie verlangt. Die Palette der Möglichkeiten im Bereich Bühne und Film ist vielfältig. Der Bogen spannt sich von künstlerischen über handwerklich geprägte bis hin zu organisatorischen Tätigkeiten.

Regisseure und Regisseurinnen entwickeln die Ideen und Bildfolgen für einen Szenenablauf und erarbeiten ein Regiebuch oder Storyboard. Im Bereich Tanz übernehmen Choreografen und Choreografinnen diese Aufgabe. Dann gibt es natürlich noch die Akteure im Rampenlicht, also Schauspieler/innen, Tänzer/innen und Sänger/innen. Sie bringen sich mit ihrem persönlichen künstlerischen Ausdruck ein und geben einem Stück eine eigene, unverwechselbare Note. Damit Filme und Theaterstücke authentisch wirken, sind im Hintergrund die Bühnen-, Kostüm- und Maskenbildner/innen zugange.

Glanz und Glamour lassen oft vergessen, wie hart Ruhm und Ehre erarbeitet werden müssen. Das gilt für alle am Prozess einer Inszenierung, Choreografie oder Filmproduktion Beteiligten. Viele Proben gehen voraus, bis alle Szenen und Einstellungen perfekt sitzen. Unregelmäßige Arbeitszeiten, spätabends und am Wochenende, sind dabei durchaus üblich. Daher sind neben dem notwendigen Talent auch Ehrgeiz, Einsatzbereitschaft, zeitliche Flexibilität und Leidenschaft unverzichtbar für den Erfolg. Zudem braucht es Selbstdisziplin – das Gesangsstück oder der Text für die Rolle müssen eingeübt werden. Nicht zuletzt ist in vielen Berufen auch die Bereitschaft wichtig, Eigenmarketing zu betreiben – ohne Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und ein Netzwerk an Kontakten geht es häufig nicht.

Mögliche Arbeitgeber sind Theater, Konzertveranstalter, private Spielstätten und Kleinkunstbühnen. Hinzu kommen zum Beispiel Filmproduktionsfirmen, Fernsehanstalten, Tonstudios und Tanzschulen. An Hochschulen oder in Kulturämtern der Kommunen bieten sich ebenfalls Einstiegsmöglichkeiten. Doch die Regel bei den Berufen rund um Tanz, Schauspiel, Film und Maske ist die selbstständige Tätigkeit.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, beurteilt den Arbeitsmarkt in diesem Bereich als schwierig: „Wer Schauspieler werden will – ob bei Film und Fernsehen oder am Theater – braucht neben künstlerischem Talent auch Ausdauer und einen stark ausgeprägten Erfolgswillen. Es sind regionale Mobilität und viel Eigeninitiative notwendig. Vieles läuft über persönliche Kontakte beziehungsweise kurzfristige Engagements."

Schauspieler/innen sowie Regisseure und Regisseurinnen müssen die gesellschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungen im Blick behalten und reflektieren. So können Theater und auch der deutsche Film eine zeitgemäße, intelligente Darstellung von Gegenwart und Vergangenheit bieten und auch ein jüngeres Publikum ansprechen.

Die Globalisierung macht sich überall, auch in deutschen Theatern, bemerkbar: So sind Gastauftritte internationaler Theatertruppen auf deutschen Bühnen nichts Ungewöhnliches mehr. Umgekehrt sind deutsche Theaterhäuser und freie Schauspieler zunehmend im Ausland aktiv. Künstlerkollektive finden sich in ganz Europa. Wer an entsprechenden Projekten teilnehmen will, benötigt Fremdsprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen. Schauspielhäuser zeigen aber auch vermehrt Stücke mit lokalem oder regionalem Bezug. Als Schauspieler/in, Regisseur/in oder andere Theaterfachkraft musst du dir hierfür umfangreiches Wissen über historische oder regionalspezifische Themen aneignen.

Nicht nur in den USA, sondern auch hierzulande werden Video-on-Demand-Dienste immer beliebter. Dieser Trend könnte sich auf den Arbeitsmarkt rund um Film und Fernsehen auswirken: Einerseits könnten die etablierten Fernsehsender ihre Investitionen zurückfahren, andererseits entstehen neue Umsatzchancen über die digitale Distribution – immer mehr Nutzer scheinen bereit zu sein, für hohe Qualität auch Geld auszugeben. <<

Portraitaufnahme von Michael Brandner

Interview mit Michael Brandner, Vorstandsmitglied Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS)

Schnelllebiges Geschäft

Herr Brandner, welche Trends gibt es im Schauspielerberuf?
Michael Brandner: Sowohl Theater als auch Film und Fernsehen sind von sinkenden öffentlichen Kultur-etats betroffen. Das wirkt sich natürlich negativ auf die Gagen aus. Insgesamt ist das Geschäft schnelllebiger geworden: Jungschauspieler werden heute leichter entdeckt, es kann aber auch schneller abwärtsgehen.

Welche Fähigkeiten sollte man mitbringen?
Michael Brandner: Die Schauspielerei ist harte Arbeit. Man braucht unglaublich viel Fleiß und Disziplin, zudem natürlich Talent, Neugierde, Sprachbegeisterung und Rhythmusgefühl – denn Drehen ist vor allem gutes Timing. Nicht zuletzt sollte man auch ein gesundes, aber realistisches Selbstbewusstsein sowie Frustrationstoleranz mitbringen.

Wie kann der Einstieg gelingen?
Michael Brandner: Kleinere Theaterbühnen oder auch Daily Soaps sind meist ein guter Einstieg. Aber nach der Schauspielschule ist es oft schwer, ein erstes Engagement zu finden. Dann darf man sich nicht hängen lassen. Vielmehr sollte man die Zeit nutzen, um sich weiterzubilden und Netzwerke zu pflegen. Außerdem sollte man immer Alternativen schaffen, um berufliche Durststrecken zu managen. <<

Flexibilität, hohe Belastbarkeit, Kommunikationsfähigkeit, Durchsetzungskraft, Einsatzbereitschaft, Einfühlungsvermögen, dazu Interesse an Menschen und am Zeitgeschehen sind eigentlich Voraussetzung. Das sind die Eigenschaften, die erforderlich sind, um in Berufen rund um Theater, Film und Tanz erfolgreich zu sein. Zudem sollten finanzielle Interessen nicht im Vordergrund stehen. Genauso wichtig ist es, ganz früh Kontakte zu knüpfen, schon während des Studiums ein Netzwerk aufzubauen und so schnell und so viel wie möglich praktische Erfahrungen zu sammeln.

Die sogenannte Freie Darstellende Kunst gewinnt immer mehr an Bedeutung. Genreübergreifende Arbeitsweisen, Performances in Ergänzung zum klassischen Schauspiel, Kooperationen zwischen Stadttheater und Freien sind mittlerweile an der Tagesordnung. Parallel erfolgt in Bereichen der kulturellen Bildung eine enorme Aufwertung. Die Arbeit mit sogenannten Problemgruppen im Kinder- und Jugendbereich oder inklusive Projekte mit Geflüchteten beispielsweise wären ohne die professionelle Arbeit der Freien nicht denkbar. Eine gute Ausbildung und kreatives Engagement bieten großes individuelles Entfaltungspotenzial.

Neben Talent und großer Leidenschaft für die Bühne brauchen Musicaldarsteller eine fundierte Ausbildung an staatlichen Hochschulen oder privaten Akademien in den drei Sparten Gesang, Schauspiel und Tanz. Um im Berufsalltag bestehen zu können, sind zudem Disziplin und Flexibilität gefragt. Produktionsgebundene Engagements und Ortswechsel sind ebenso normal wie Arbeitszeiten abends und am Wochenende. Eine stabile persönliche Verfassung, um den jeweiligen Anforderungen der Rolle, des Theaters und des Umfelds begegnen zu können, ist ebenfalls wichtig.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Atem-, Stimm- und Sprechgestaltung
  • Ausstattung (Film, Fernsehen, Bühne), Szenografie
  • Bühnen-, Theatertechnik
  • Choreografie
  • Dramaturgie
  • Gesang
  • Inszenieren
  • Interpretieren
  • Konzeption (Theater, Film, Fernsehen, Ausstellung)
  • Produktion (Bühne, Film, Fernsehen, Video, Audiovision)
  • Regie
  • Spielplangestaltung
  • Tanzen
  • Theaterwissenschaft

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz
  • Flexibilität
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kreativität
  • Kritikfähigkeit
  • Mobilitätsbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • psychische und emotionale Stabilität
  • Selbstbewusstsein (Auftritte auf der Bühne)
  • Selbstdisziplin
  • Selbstorganisation
  • Teamfähigkeit
  • Überzeugungsfähigkeit
http://berufsfeld-info.de/abi/musik-tanz-schauspiel-kulturwirtschaft/buhne-und-film