Tier­medizin

Hund

Die Arbeitswelt im Überblick

Der Hund hat eine bakterielle Infektion? Eine Kuh hat Probleme beim Kalben? Tierärzte und Tierärztinnen helfen. Darüber hinaus stellen sie den Tierschutz sicher, bekämpfen Seuchen und leisten einen wichtigen Beitrag zum Verbraucherschutz.

Fernseh-Dokus über den Berufsalltag von Tierärzten und Tierärztinnen vermitteln oft ein verzerrtes Bild. Hier sieht der Umgang mit den Tieren einfach und angenehm aus, in Wirklichkeit ist oftmals harte körperliche Arbeit gefordert, bei der man vor Schmutz und den Ausdünstungen der Tiere nicht zurückschrecken darf.

Veterinärmediziner/innen untersuchen Tiere, stellen Diagnosen und verabreichen Schutzimpfungen. Bei Verdacht auf ansteckende Krankheiten entnehmen sie Gewebeproben und sezieren verendete Tiere. Sie tragen nicht nur eine große Verantwortung für die Tiere, sondern verhindern auch die Übertragung von Viren oder Bakterien auf den Menschen. Deshalb halten sie sich stets auf dem neuesten Stand der veterinärmedizinischen Forschung und der ihren Beruf betreffenden Gesetze.

Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge, etwa in Chemie und Biologie, ist Voraussetzung für ein veterinärmedizinisches Studium. Im Beruf sind neben dem Fachwissen aus dem Studium auch soziale Kompetenzen gefragt: Tiermediziner beweisen Kommunikationsstärke, wenn sie Tierhalter in Sachen artgerechte Haltung und Fütterung beraten. Muss ein Haustier operiert oder gar eingeschläfert werden, begegnen sie dem Besitzer mit Feingefühl. Probleme mit unregelmäßigen Arbeitszeiten sollten sie nicht haben: Bei Notfällen sind sie teils auch nachts oder am Wochenende im Einsatz.

Viele Tiermediziner/innen streben nach der staatlichen Berufszulassung (Approbation) und einer möglichen Promotion die Selbstständigkeit an. Voraussetzung dafür ist eine zweijährige Zeit als Assistenzarzt/-ärztin. Daneben gibt es in der Veterinärmedizin aber auch Möglichkeiten, im Angestelltenverhältnis zu arbeiten – zum Beispiel in Tierkliniken, in der Forschung oder im Zoo.

Überdies gibt es Optionen im öffentlichen Veterinärwesen. Als Amtstierarzt/-ärztin führt man beispielsweise Kontrollen in Schlachthöfen und Zuchtbetrieben durch, überprüft die Einhaltung der Hygiene- und Tierschutzvorschriften und trägt Sorge für die Qualität tierischer Lebensmittel. Eine weitere Möglichkeit ist eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft, zum Beispiel mit einer Spezialisierung auf Zuchthygiene. In der Pharmaindustrie kann man in der Entwicklung von Tierarzneien arbeiten. Schließlich gibt es Chancen in Forschung und Lehre, zum Beispiel an Hochschulen.

Die Perspektiven am Arbeitsmarkt beurteilt Dr. Jens Stephani, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, als durchaus positiv: „Bei Tierärzten und -ärztinnen herrscht Vollbeschäftigung. Arbeitslosigkeit spielt so gut wie keine Rolle. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung kommt der Tätigkeit als Selbstständiger eine hohe Bedeutung zu."

Eine eigene Kleintierpraxis für Hund, Katze & Co. zu betreiben ist der Traum vieler junger Menschen – dementsprechend groß ist aber auch die Konkurrenz, insbesondere in größeren Städten. Auch wenn der Markt insgesamt wächst, weil immer mehr Tierhalter bereit sind, auch aufwendigere Behandlungen zu bezahlen, ist es für Praxisbetreiber daher trotzdem wichtig, unternehmerisch zu denken und zu handeln. Eine Spezialisierung auf bestimmte Tierarten oder auf ein Fachgebiet, wie die tiermedizinische Chirurgie, kann beispielsweise hilfreich sein.

Auf dem Land – und ganz besonders im Schwerpunkt Nutztiere – ist die Fachkräftenachfrage dagegen ungleich höher: Absolventen und Absolventinnen der Veterinärmedizin, die nicht davor zurückschrecken, Kühe, Schweine oder Geflügel zu behandeln, bieten sich sehr gute Jobchancen beispielsweise als Landtierarzt mit eigener Praxis, im Veterinärwesen oder bei größeren landwirtschaftlichen Betrieben.

Eine besondere Herausforderung im Nutztierbereich ist es, Antibiotika und andere Arzneimittel verantwortungsvoll einzusetzen. Schließlich gilt es einerseits, den Ausbruch von Seuchen zu verhindern, andererseits aber auch, Resistenzen aufgrund von zu hohem Medikamenteneinsatz zu verhindern. <<

Portrait von Burkhard Wendland

Interview mit Dr. Burkhard Wendland, Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburg des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte

Nutztierbranche sucht Ärztenachwuchs

Herr Wendland, welche Arbeitsmöglichkeiten bieten sich jungen Tierärzten?
Burkhard Wendland: Die Arbeitsmöglichkeiten des Tierarztes sind vielfältig. Neben der Arbeit als praktizierender Tierarzt in Praxen und Kliniken ist ein Einsatz zudem in der Veterinärverwaltung oder in der Pharmaindustrie möglich. Auch in diagnostischen Labors der Humanmedizin ist ein Einsatz als Mikrobiologe, Virologe oder Parasitologe denkbar. Tierärzte können sich zusätzlich weiterqualifizieren, zum Beispiel für Nutztiere, Pferde, Kleintiere oder den Öffentlichen Dienst.

Gibt es derzeit besondere Entwicklungen in der Tiermedizin?
Burkhard Wendland: Viele Kollegen gehen in die Kleintiermedizin, dadurch ist ein Nachwuchsproblem in der Nutztierbranche entstanden. Für alle angehenden Tierärzte kann dies aber auch eine Chance bedeuten, da in diesem Bereich Tierärzte dringend gesucht werden. Die Abwanderung ins Ausland betrifft zwar stärker die Humanmedizin, dennoch ist auch in unserem Bereich eine Zunahme feststellbar. <<

In der Nutztierpraxis gewinnen die Bestandsbetreuung und die präventive Medizin wie Impfung, Tierseuchenbekämpfung, Diagnostik sowie Fütterungs- und Haltungsberatung immer mehr an Bedeutung. Daneben gehört natürlich auch die kurative Behandlung am Einzeltier, die Diagnostik und Therapie, zur Arbeit eines Nutztierpraktikers. Für Tierärzte und Tierärztinnen bestehen in diesem Bereich gute Chancen auf Beschäftigung. Auch sind die Einstiegsgehälter meist besser als in der Kleintier- oder Pferdepraxis. Neben der fachlichen Qualifikation ist für die nicht selten körperlich schwere Arbeit auch eine gewisse Fitness wichtig.

Das Land Niedersachsen bietet eine umfassende Ausbildung zum Amtstierarzt an, das sogenannte Veterinärreferendariat. Grundvoraussetzung ist die tierärztliche Approbation. In Niedersachsen werden Amtstierärzte in den kommunalen Veterinärämtern, im Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) und im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eingesetzt. Zulassungen, Überwachungen und Beratungen in den Bereichen Tierseuchen, Tierschutz, Lebensmittel- und Fleischhygiene sowie Tierarzneimittel gehören zu den Schwerpunktaufgaben.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Anamnese
  • Anatomie
  • Besamungstechnik
  • Diagnose
  • Medizinische Dokumentation
  • Parasitologie
  • Pharmakologie
  • Tierkrankheiten
  • Tierseuchenbekämpfung
  • Tierversuche, Labortierkunde
  • Veterinärmedizin

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • Durchsetzungsvermögen
  • Einfühlungsvermögen
  • Kommunikationsstärke
  • Lernbereitschaft
  • Mobilitätsbereitschaft
  • psychische und emotionale Stabilität
  • unternehmerisches Denken und Handeln (v.a. bei einer eigenen Praxis)
  • Verantwortungsbewusstsein
http://berufsfeld-info.de/abi/human-zahn-tiermedizin/tiermedizin