Biologie

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Die Arbeitswelt im Überblick

Biologen und Biologinnen gewinnen Erkenntnisse über die belebte Natur und helfen uns, die Prozesse in Organismen besser zu verstehen. Sie sind nicht nur in der Forschung gefragte Experten, sondern beispielsweise auch im Gesundheitswesen und in der Industrie. Welche Trends sind wichtig?

Die Biologie umfasst unterschiedlichste Disziplinen, etwa Botanik, Zoologie, Ökologie, Mikrobiologie und Molekularbiologie. Je nach Spezialisierung befassen sich Biologen und Biologinnen beispielsweise mit Aspekten der Pflanzen- oder Tierwelt, mit Mikroorganismen oder mit den biologischen Prozessen im menschlichen Körper. Ziel ihrer Arbeit kann es einerseits sein, naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen. Andererseits kann biologische Forschung auch die Grundlage für neue Produkte sein, etwa Kosmetika oder Medikamente.

In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Berufsbilder an der Schnittstelle zwischen der Biologie und anderen Fachbereichen entstanden. Bioinformatiker/innen etwa entwickeln die Software, mit der sich biologische Versuchsreihen auswerten lassen. Fachhumangenetiker/innen sind beispielsweise an der Diagnose von Erbkrankheiten beteiligt. Ingenieure und Ingenieurinnen für Biotechnologie wiederum übertragen naturwissenschaftliche Forschungsansätze auf die technischen Abläufe in den Labors oder auf die Produktionsanlagen in der Industrie.

Wichtig für einen Beruf in dieser Arbeitswelt sind neben umfangreichem biologischen Fachwissen auch Kenntnisse in Nachbarwissenschaften, etwa in Chemie, Physik und Mathematik. Außerdem solltest du eine sehr sorgfältige Vorgehensweise an den Tag legen und gerne mit komplexen Apparaturen arbeiten. Des Weiteren sind Planungs- und Kommunikationsstärke sowie Fremdsprachenkenntnisse gefordert.

Interessante Arbeitgeber für Absolventen und Absolventinnen dieser Arbeitswelt finden sich in der Biotechnologiebranche. Hochschulen, Analyselabors sowie die Unternehmen der chemisch-pharmazeutischen Industrie bieten ebenfalls zahlreiche Arbeitsplätze. Weitere Chancen gibt es unter anderem im Öffentlichen Dienst, bei Naturschutzeinrichtungen oder bei zoologischen und botanischen Gärten.

Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, berichtet: „Die Beschäftigung von Biologen und Biologinnen hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt.“ Trotzdem beurteilt er die Situation für Berufseinsteiger als nicht einfach: „Es gibt nur relativ wenige Stellenangebote, die sich direkt an Biologen richten. Hochschulabsolventen sollten also flexibel sein."

Die Arbeitswelt ist von stetigen Neuerungen gekennzeichnet. In der Agrarbiologie arbeiten Forscher/innen beispielsweise an neuen Zuchtmethoden, um Nutzpflanzen zu optimieren: Mithilfe von Computersimulationen versuchen sie, das Wurzelwerk von Pflanzen so anzuordnen, dass diese mit weniger Dünger auskommen. Hochleistungsrechner können auch bei der Behandlung von Pflanzenkrankheiten von Nutzen sein: Wissenschaftler/innen haben unter anderem eine Methode entwickelt, um aus Verfärbungen an Blüten oder Blättern die Art der Infektion abzulesen. Bei solchen softwaregestützten Verfahren, bei denen riesige Datenmengen mittels spezieller Algorithmen ausgewertet werden, spricht man auch von „Big Data“.

Im Bereich der medizinischen Biologie setzt man große Hoffnungen in die Genforschung. Hinsichtlich der Diagnose von Erbkrankheiten wurden bereits große Erfolge gefeiert. Nun geht es für Biotech- und Pharma-Unternehmen darum, entsprechende Therapien zu entwickeln. Das bietet neue berufliche Chancen für Akademiker/innen aus den Bereichen Biologie, Life Science und Biotechnologie.

Andere Experten dieser Arbeitswelt forschen daran, gentechnische Verfahren für die Landwirtschaft oder die Industrie nutzbar zu machen. Die gentechnische Veränderung natürlicher Organismen ist aber gesellschaftlich höchst umstritten. Wenn es gilt, die langfristigen Auswirkungen solcher Technologien auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit zu erforschen, sind Biologen und Biologinnen gefragt. <<

Portraitaufnahme von Dr. Carsten Roller

Interview mit Dr. Carsten Roller, Ressort Ausbildung & Karriere beim Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland e.V. (VBIO)

Spezialwissen gefragt

Herr Roller, welche Branchentrends gibt es in der Biologie?
Carsten Roller: Der Bereich der roten Biotechnologie, also der medizinischen Biotechnologie, ist weiterhin die Jobmaschine der Biologie. Gentechnische Produkte wie Insulin oder Antikörper haben die Chemie in der Pharmabranche verdrängt, und Biologen bieten sich somit gute Berufschancen.

Welche Anforderungen werden an Berufseinsteiger gestellt?
Carsten Roller: Eine solide, breite Ausbildung sowie Kenntnisse und Fähigkeiten in firmenrelevanten Forschungsbereichen ermöglichen in der Regel den ersten Einstieg. Auslandsaufenthalte und individuelle Zusatzqualifikationen sind für Arbeitgeber interessanter als ein schnelles 08/15-Studium.

Welche Eigenschaften helfen bei einer Karriere im Bereich der Biologie weiter?
Carsten Roller: Vor allem Neugier und Beharrlichkeit sind Tugenden, die einen Biologen ausmachen. Da sich das biologische Wissen alle drei Jahre verdoppelt, braucht man nicht nur Spezialkenntnisse, sondern muss bereit sein, laufend dazuzulernen. <<

Bei den Umweltbehörden ist die Personalsituation angespannt. Im Zuge der europäischen Umweltrichtlinien gibt es für Biologen trotzdem ein gewisses Potenzial, um in Behörden, in Ingenieurbüros oder als Freiberufler und Freiberuflerin zu arbeiten. Vorzugsweise bringen Interessenten Erfahrungen im Gewässer- und Landschaftsmanagement mit. Außerdem sind Kenntnisse hinsichtlich ökologischer Bewertungsverfahren sowie von Umweltrichtlinien und -gesetzen vonnöten. Da Berufseinsteigern, leider auch im Öffentlichen Dienst, meist nur befristete Stellen angeboten werden, ist ein hohes Maß an Mobilität notwendig.

Die Arbeit in einem genetischen Untersuchungslabor erfordert umfassende molekularbiologische Kenntnisse, wie sie in einem Masterstudiengang Biologie vermittelt werden. Falls das Berufsziel jedoch in einer eigenverantwortlichen Tätigkeit in der Humandiagnostik oder -genetik angesiedelt ist, sollte auf die Naturwissenschaft zugunsten eines Medizinstudiums verzichtet werden: Das Gendiagnostikgesetz hat hier zu einer klaren Verschlechterung der beruflichen Möglichkeiten für Naturwissenschaftler außerhalb der reinen Forschung geführt.

Die Arbeit in einem Planungsbüro, beispielsweise für Landschaftsplanung, ist für Biologen interessant. Das Studium der Biologie hilft hierbei beim Verständnis ökologischer Zusammenhänge und bei der Artenkenntnis, auch wenn diese im Studium im Regelfall nur unzureichend vermittelt werden – Eigeninitiative ist deshalb gefragt. Kenntnisse der Rechtsgrundlagen und Planungszusammenhänge werden im naturwissenschaftlichen Studium gar nicht vermittelt. Hier sind Umweltrecht oder Landschaftsplanung als Nebenfach zu empfehlen. Wer ein Büro gründen möchte, sollte auch mal bei den BWL-Studierenden vorbeischauen.

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende fachliche Kenntnisse gefragt sein:

  • Anthropologie
  • Botanik
  • Entwicklungskompetenz
  • Forschung und Lehre
  • Genetik
  • Laborarbeiten, Labortechnik
  • Molekularbiologie
  • Paläontologie
  • Versuchsdurchführung und -auswertung
  • Zoologie

Für die Berufe in dieser Arbeitswelt können im späteren Berufsleben beispielsweise folgende persönliche Anforderungen an dich gestellt werden:

  • analytische Arbeitsweise
  • Hygienebewusstsein
  • Lernbereitschaft
  • Planungs- und Organisationsfähigkeit
  • Selbstorganisation
  • Sorgfalt
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
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