Sozial­wesen und Religion

Modernes sakrales Fenster.

Menschen mit Behinderungen unterstützen, eine Kirchengemeinde betreuen, Obdachlosen helfen, ein Pflegeheim leiten oder die Ansprüche von Versicherten prüfen: Das Berufsfeld Sozialwesen und Religion bietet ein breites Spektrum unterschiedlicher Aufgabenfelder.

Beratung und Lebenshilfe: Das sind die wichtigsten Themen für Hochschulabsolventen und -absolventinnen, die in der Arbeitswelt Sozialwesen und Religion beschäftigt sind. Zu den typischen Aufgaben gehört es, Menschen in ihren spezifischen Problemlagen zu beraten, ihnen Wege aus Krisen aufzuzeigen und sie über Hilfsangebote zu informieren.

Im Gesundheits- und Sozialmanagement organisieren Hochschulabsolventen und -absolventinnen den reibungslosen Ablauf der Pflege in Kliniken oder Heimen, berechnen Rentenleistungen oder klären Bürger über die Möglichkeiten der Altersversorgung auf. Auch können sie leitende Funktionen in sozialen Einrichtungen übernehmen.

Der Arbeitswelt „Sozialarbeit und Betreuung“ ist ebenfalls eine große Bandbreite von Berufen zugeordnet. Je nach Studium und Einsatzbereich geht es hier darum, zu erziehen, zu betreuen oder zu beraten – in Kindertagesstätten, Seniorenheimen, Behindertenwerkstätten, in der Drogenberatung oder in Haftanstalten.

Die Arbeitswelt „Religion und Kirche“ umfasst seelsorgerische aber auch wissenschaftliche Berufe. Wer den Dienst am Menschen als spirituelle Berufung sieht, dem bietet das kirchliche und religiöse Umfeld vielversprechende Beschäftigungsmöglichkeiten. Man kann beispielsweise als Seelsorger/in eine Gemeinde betreuen und Gottesdienste halten. Aber auch außerhalb des kirchlichen Bereichs gibt es Arbeitsstellen, etwa als Lehrer/in für Religionspädagogik.

Je nach Arbeitswelt und Beruf können sich die konkreten Tätigkeiten und Arbeitsschwerpunkte stark unterscheiden. Im Gesundheits- und Sozialmanagement kümmerst du dich zum Beispiel um die Personalplanung in sozialen Einrichtungen oder wertest Gesundheitsdaten am Rechner aus. Bist du bei einer Krankenkasse beschäftigt, kümmerst du dich beispielsweise um Abrechnungen und stehst dabei mit Krankenhäusern oder Arbeitgebern in Kontakt. Über aktuelle Gesetzesänderungen hältst du dich stets auf dem Laufenden – das gilt auch, wenn du in der Sozialarbeit oder Heilpflege arbeitest. In diesen Bereichen, ebenso wie bei den Berufen rund um Kirche und Religion, gehört es zu den typischen Aufgaben, anderen zuzuhören, ihnen Mut zu machen, sie zu motivieren und zu beraten sowie gemeinsam eine Lösung für Probleme zu finden. Hochschulabsolventen und -absolventinnen sind Ansprechpartner bei inneren wie äußeren Konflikten und versuchen, stets eine neutrale Position einzunehmen. Arbeitest du an einer Hochschule, vermittelst du – ebenso wie in der Religionspädagogik – Wissen an andere, bist aber auch mit Recherchen und Analysen beschäftigt.

Neben dem Fachwissen, das du dir im Studium erarbeitest – egal ob in BWL, Pädagogik oder Theologie –, solltest du bestimmte Fähigkeiten mitbringen, um in dieser Arbeitswelt glücklich und erfolgreich zu sein. Kommunikationsstärke wird hier in fast jedem Beruf erwartet. Im Management kommt es zudem auf Kundenorientierung, Durchsetzungsvermögen und Verhandlungsgeschick an. Wenn du in der Sozialarbeit, Pflege oder Seelsorge tätig bist, sind vor allem Einfühlungsvermögen, psychische und emotionale Stabilität sowie Teamfähigkeit wichtige Voraussetzungen. Auch Verantwortungsbewusstsein ist unverzichtbar, wenn du dich um andere Menschen kümmerst – egal ob Kinder, Menschen mit Behinderungen oder Demenzkranke.

Typische Arbeitgeber in diesem Bereich sind die Kirchen, Beratungsstellen, Pflegeheime und Krankenhäuser. Aber auch bei Behörden, Sozialversicherungsträgern, Wohlfahrtsverbänden oder an Hochschulen bieten sich Chancen. Dr. Jens Stephani, Experte der Bundesagentur für Arbeit, erklärt zur Beschäftigungssituation: „Der Arbeitsmarkt im Bereich des Sozialwesens hat sich zuletzt – auch demografiebedingt – positiv entwickelt. Religionsgemeinschaften, allen voran die Kirchen, treten dabei als große Arbeitgeber auf."

Abhängig von ihren Interessen und Zielen können Absolventen und Absolventinnen aus dem Bereich Sozialwesen und Religion entweder bereits mit dem Bachelor in den Beruf einsteigen oder zuvor noch einen Master oder sogar eine Promotion in Angriff nehmen. Gerade für eine Tätigkeit in der Forschung ist Letzteres unumgänglich. In der Theologie wird das Studium teilweise auch mit einer kirchlichen Prüfung abgeschlossen.

Manche Abiturienten und Abiturientinnen entscheiden sich für eine Berufsausbildung anstelle eines Hochschulstudiums, zum Beispiel zum/zur Erzieher/in. Ein Studium kann man, wenn man das möchte, auch später noch anschließen. In manchen Fachgebieten, etwa im Pflegebereich oder bei den Sozialversicherungen, werden zudem sogenannte duale Studiengänge angeboten, die eine akademische mit einer berufspraktischen Ausbildung kombinieren.

Generell gilt: Ein Abschlusszeugnis kann Persönlichkeit und Praxiserfahrung nicht ersetzen – Kriterien, auf die Arbeitgeber in diesem Berufsfeld meist ebenso viel Wert legen wie auf gute Noten. Da die Einsatzmöglichkeiten im Sozialwesen sehr vielfältig sind, sollte man zudem schon möglichst früh im Studium Schwerpunkte setzen. Generell kann man seine beruflichen Chancen stark verbessern, indem man frühzeitig Praxiserfahrung sammelt, etwa im Rahmen von Orientierungspraktika. Auf diese Weise findest du nicht nur heraus, was dir am besten liegt, sondern punktest auch bei möglichen Arbeitgebern.

Nicht alle Absolventen in Sozialwesen und Religion erhalten sofort nach dem Studium eine feste Anstellung. Beim Berufseinstieg sind insbesondere in der Sozialen Arbeit befristete Arbeitsverträge und Teilzeitstellen üblich. Manche führt der Weg auch in die Selbstständigkeit. Als freiberufliche Honorarkraft etwa wird man zeit- oder projektbezogen bezahlt – das kann mehr Freiheit bedeuten, aber auch ein je nach Auftragslage schwankendes Einkommen. Ebenso bieten sich in diesen Arbeitswelten Chancen zur Unternehmensgründung: Gerontologen können eine Beratungsstelle für Senioren und pflegende Angehörige eröffnen, Pflegeexperten einen ambulanten Pflegedienst gründen. Und warum sollte ein Sozialarbeiter nicht auf eigene Faust Abenteuerpädagogik anbieten?

Der erfolgreiche Einstieg ins gewünschte Tätigkeitsfeld ist erst der Anfang. Wer einige Jahre Berufserfahrung gesammelt hat, kann auch eine leitende Funktion übernehmen – vorausgesetzt, man bringt entsprechende Zusatzqualifikationen mit. Für Leiter/innen einer Abteilung oder einer sozialen Einrichtung sind Organisationstalent und Managementfähigkeiten, Kenntnisse in Mitarbeiterführung sowie Projektmanagement notwendig.

Um stets auf dem Laufenden zu bleiben und seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, sollte man sein Studienwissen durch gezielte Fort- und Weiterbildungen auf den neuesten Stand bringen – zum Beispiel durch berufsbegleitende Masterstudiengänge. Übrigens: In manchen Berufen – etwa als Seelsorger/in oder Pflegewissenschaftler/in – gibt es auch die Möglichkeit, für eine gewisse Zeit im Ausland zu arbeiten. <<

Egal für welches Studium du dich entscheidest: In den meisten Fällen steht dir mit einem Abschluss nicht nur ein bestimmter Beruf offen, sondern viele verschiedene – je nachdem, welche Inhalte ein Studiengang vermittelt oder welche Schwerpunkte du selbst setzt. Du hast einen Wunschberuf und möchtest wissen, welches Studium dafür geeignet wäre?

Auch hier hast du viele Möglichkeiten, denn ein Beruf ist in den meisten Fällen über verschiedene Studienfächer zu erreichen. Und selbst wenn du nach dem Abschluss bereits einen Beruf ergriffen hast, kannst du dich im Laufe des Arbeitslebens auf unterschiedliche Tätigkeitsbereiche spezialisieren.
Klingt ganz schön kompliziert? Die Infografik hilft dir anhand einiger Beispiele weiter. <<

http://berufsfeld-info.de/abi/berufsfeld/sozialwesen-religion