Gesell­schaft und Geschichte

Ornamente an einem antiken Tempel.

Ein Studium im Bereich Gesellschaftswissenschaften oder Geschichte vermittelt Erkenntnisse über den Menschen im Gestern, Heute und Morgen. Dieses Wissen und die erlernten Fähigkeiten eröffnen den Absolventen und Absolventinnen zahlreiche Einsatzbereiche.

Wenn du dich schon in der Schule für Fächer wie Geschichte, Sozialkunde und Philosophie interessiert hast, bietet dir ein Studium der Geschichts- oder Gesellschaftswissenschaften interessante Perspektiven – zum Beispiel in der Forschung oder bei Unternehmen der unterschiedlichsten Branchen.

Absolventen und Absolventinnen der Gesellschaftswissenschaften erforschen zum Beispiel das Verhalten von Gruppen, finden deren Einstellungen zu Parteien oder ihre Meinung über bestimmte Produkte heraus. Sie können auch politische Systeme analysieren, die Strukturen von Verbänden untersuchen oder die Leistungsfähigkeit von Bildungs-, Sozial- oder Wirtschaftssystemen erforschen.

Der Bereich Geschichte und Archäologie spannt einen weiten Bogen über sämtliche Epochen von der Ur- bis zur Zeitgeschichte. So breit gefächert wie das Spektrum der Studiengänge – unter anderem Ägyptologie, Altertumswissenschaften, Kunstgeschichte oder Latinistik – sind auch die beruflichen Möglichkeiten.

Egal ob es darum geht, eine Museumsausstellung zu organisieren oder eine Meinungsumfrage für die Bundestagswahl zu konzipieren: In vielen Berufen dieser Arbeitswelten gehört es zu den Aufgaben, Projekte zu planen und zu organisieren – und das teils in leitender Funktion. Viel Zeit verbringen Gesellschafts- und Geschichtswissenschaftler/innen am Schreibtisch mit Textanalysen und Recherchen – egal ob es dabei um römische Urkunden, Social-Media-Einträge oder Fachaufsätze geht. Sie verfassen Artikel, arbeiten Konzepte aus oder stimmen sich mit Kollegen ab. In manchen Berufen, etwa als Dozent/in oder Fachreferent/in, ist es zudem ihre Aufgabe, Wissen professionell und spannend zu vermitteln.

Im Studium lernst du wichtige Methoden des systematischen und wissenschaftlichen Arbeitens, die man auch im späteren Berufsleben gut gebrauchen kann: Wie recherchiere und überprüfe ich schnell und effizient Informationen? Wie werte ich diese aus? Wie fasse ich die Ergebnisse zusammen und präsentiere sie einem Publikum?

Grundvoraussetzungen für viele Aufgaben sind zudem Organisationstalent und eine strukturierte, exakte Arbeitsweise. Auch Eigeninitiative und Lernbereitschaft sind wichtig, ebenso wie eine gute Allgemeinbildung und Kommunikationsstärke: Wer beispielsweise Wissen in einem historischen Museum vermittelt, sollte es verstehen, Geschichte erlebbar zu machen.

Kaum eine Absolventengruppe hat solch breit gefächerte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt wie die Gesellschafts- und Geschichtswissenschaftler/innen. Zu einem Kernbereich gehört die sogenannte Kultur- und Kreativwirtschaft: Dazu zählen unter anderem Rundfunk- und Fernsehsender, Zeitungen und Nachrichtenbüros sowie Werbe- und Designagenturen, Verlage, Museen und Galerien.

Daneben gibt es noch viele andere potenzielle Arbeitgeber: Ob an Hochschulen oder Forschungsinstituten, in der Verwaltung, bei Verbänden und Parteien, bei Markt- und Meinungsforschungsinstituten oder bei weiteren Unternehmen jeglicher Branchen – überall, wo Experten und Expertinnen für das Recherchieren und Auswerten von Informationen benötigt werden, haben Gesellschafts- und Geschichtswissenschaftler/innen Beschäftigungschancen.

Obwohl sich die Arbeitsmarktsituation für Gesellschafts- und Geschichtswissenschaftler in den vergangenen Jahren tendenziell gebessert hat, ist die Lage nach wie vor nicht unproblematisch, wie Dr. Jens Stephani, Arbeitsmarktexperte der Bundesagentur für Arbeit, erklärt: „Besonders Berufseinsteigern fällt es schwer, eine adäquate Anstellung in diesem Berufsfeld zu finden. Die zunehmende Zahl von Geisteswissenschaftlern, die in der Privatwirtschaft, also zum Beispiel in der Kundenberatung, tätig sind, ist ein Indiz dafür, dass es nicht allen Absolventen gelingt, eine ihrem Studienfach entsprechende Tätigkeit zu finden."

Manche Absolventen und Absolventinnen aus diesem Bereich machen sich später selbstständig oder arbeiten als sogenannte „Freelancer“ auf eigene Rechnung für verschiedene Auftraggeber – zum Beispiel als freie/r Journalist/in oder Dozent/in. Die Herausforderung der Freiberuflichkeit besteht darin, dass man zwar viele Freiheiten hat, sich aber gut selbst organisieren und sich beständig um Aufträge bemühen muss. Manche Freelancer empfehlen sich durch gute Leistungen für eine spätere Festanstellung.

Da die Berufsbilder in diesen Arbeitswelten weniger klar umrissen sind als zum Beispiel in Jura oder in der Medizin, erfordert die berufliche Orientierung verstärkte Anstrengungen. Viele Studierende wissen anfangs noch nicht, was sie mit ihrem Abschluss später beruflich machen können oder möchten. Deshalb sind Praktika bereits während der Studienzeit entscheidend für den Berufseinstieg. So sammelst du nicht nur wichtige Praxiserfahrung, sondern erkennst auch, welcher Arbeitsbereich dir besonders liegt.

Praktika und Nebenjobs als studentische/r Mitarbeiter/in verschaffen dir zudem wichtige Pluspunkte im Lebenslauf und die nötigen Kontakte für spätere Bewerbungen. Wer zum Beispiel einmal als Journalist/in arbeiten möchte, hat ohne Vorerfahrungen im Verlags- beziehungsweise Redaktionsalltag kaum eine Chance. Und wer seine Zukunft in der Politik sucht, sollte sich gesellschaftlich engagieren und Kontakte zu Parteien oder Verbänden knüpfen.

Der Berufseinstieg ist oft bereits mit dem Bachelor möglich. Für bestimmte Aufgabenbereiche und bei manchen Arbeitgebern wird jedoch zusätzlich ein Masterabschluss oder sogar eine Promotion gefordert – zum Beispiel in der universitären Lehre oder für Führungspositionen, etwa Museums- oder Ausgrabungsleiter/in.

Wer bereits weiß, in welchem Bereich er arbeiten will, sollte seine Qualifikationen im Laufe des Studiums ausbauen und sich so gezielt auf die Anforderungen potenzieller Arbeitgeber vorbereiten. Wer in die Meinungsforschung strebt, sollte den Umgang mit Statistikprogrammen erlernen. Für eine Tätigkeit im Unternehmensmarketing oder im Fundraising eines gemeinnützigen Verbands (NGO) kann es sinnvoll sein, Kurse in BWL oder Projektmanagement zu absolvieren. Auch soziale Fähigkeiten, die sogenannten „Soft Skills“, lassen sich trainieren – beispielsweise in Seminaren zu Präsentationstechniken oder bei studentischen Projektarbeiten.

Nicht zuletzt sind Fremdsprachenkenntnisse ein großer Pluspunkt. Das gilt nicht nur, wenn du eine Tätigkeit bei einem international tätigen Unternehmen oder Verband anstrebst, sondern auch für eine Hochschulkarriere. Denn auch unter Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften ist es mittlerweile üblich, in internationalen Forschungsteams zu arbeiten und auf Englisch zu kommunizieren und zu veröffentlichen. Exzellente Sprachkenntnisse sowie Auslandserfahrung können darüber hinaus Perspektiven auf dem internationalen Arbeitsmarkt eröffnen – zum Beispiel bei der Europäischen Union, bei internationalen NGOs oder in der Entwicklungszusammenarbeit. <<

Egal für welches Studium du dich entscheidest: In den meisten Fällen steht dir mit einem Abschluss nicht nur ein bestimmter Beruf offen, sondern viele verschiedene – je nachdem, welche Inhalte ein Studiengang vermittelt oder welche Schwerpunkte du selbst setzt. Du hast einen Wunschberuf und möchtest wissen, welches Studium dafür geeignet wäre?

Auch hier hast du viele Möglichkeiten, denn ein Beruf ist in den meisten Fällen über verschiedene Studienfächer zu erreichen. Und selbst wenn du nach dem Abschluss bereits einen Beruf ergriffen hast, kannst du dich im Laufe des Arbeitslebens auf unterschiedliche Tätigkeitsbereiche spezialisieren.
Klingt ganz schön kompliziert? Die Infografik hilft dir anhand einiger Beispiele weiter. <<

http://berufsfeld-info.de/abi/berufsfeld/gesellschaft-geschichte