Wirt­schafts­psycho­loge/-psycho­login

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wirtschaftspsychologin

Tätigkeitsfeld:

Psychologische Analyse, Beratung, Therapie

Abgeschlossenes Studium in:

Psychologie

BERUFENET:

Wirtschaftspsychologe/-psychologin

Ich will lieber schnelle Erfolge sehen.

Wie die Wirtschaftswelt tickt

Wie sich Menschen im Wirtschaftsleben und der Arbeitswelt verhalten, weiß Sophie Mickan (31). Die Wirtschaftspsychologin konzipiert Seminare für Unternehmen.

Es sind oft die einfachen Dinge, die eine große Wirkung haben. Eine Tasse mit heißem Kaffee etwa. „In Studien haben Wissenschaftler herausgefunden, dass Menschen, die in einem angenehm beleuchteten Raum auf einem bequemen Stuhl sitzen und eine warme Tasse in der Hand halten, bei Verhandlungen deutlich nachgiebiger sind, als wenn sie bei Neonröhrenlicht und kaltem Wasser auf einem harten Stuhl sitzen“, erzählt Sophie Mickan. Es sind genau solche Erkenntnisse aus der Psychologie, die sie in ihre Arbeit einfließen lässt und zur Anwendung bringt.

Sophie Mickan ist Wirtschaftspsychologin und arbeitet für das Unternehmen „[dwp] – die Wirtschaftspsychologen“. Sie und ihre Kollegen konzipieren Seminare speziell für Unternehmen und bieten auch offene Workshops an. „Dabei geht es etwa um Verhandlungsführung, aber auch darum, wie Chefs erkennen, welches Potenzial ihre Mitarbeiter haben und welche Persönlichkeitstypen dahinterstecken.“ Zudem hilft Sophie Mickan bei der Konzeption und Durchführung von Personalauswahlverfahren.

Ich will schnelle Erfolge sehen

Für Sophie Mickan war schon früh klar, dass sie Psychologie studieren wollte. Allerdings reichte ihr Abi-Schnitt hierfür nicht aus. Sie begann zunächst ein anderes Studium, bevor sie letztlich doch einen Platz in ihrem Wunschfach an der Uni Jena ergatterte.

Im Laufe des Diplomstudiums wurde der angehenden Psychologin bald klar, dass ihre Interessen nicht unbedingt im klinischen Bereich liegen. „Ich habe natürlich entsprechende Praktika gemacht und dabei auch mit depressiven Menschen gesprochen. Aber das konnte ich mir nicht für jeden Tag vorstellen. Außerdem braucht man in diesem Bereich wirklich sehr viel Geduld – und ich will lieber schnelle Erfolge sehen.“

Sie entschied sich für die Studienschwerpunkte Pädagogische Psychologie und Wirtschaftspsychologie. „Meine heutige Tätigkeit liegt jetzt eigentlich genau dazwischen.“ Die Wirtschaftspsychologie braucht sie für die inhaltliche Seite der Seminare, die Pädagogik für die Ausführung, also für die Vermittlung psychologischer Inhalte an Menschen ohne entsprechende Vorkenntnisse.

Spaß daran, vor Menschen zu sprechen

Die 31-Jährige betreut die Seminare von der Akquise und dem ersten Kundengespräch über die Konzeption bis hin zur Durchführung. „Man sollte in dem Beruf natürlich Spaß daran haben, vor Menschen zu reden“, sagt Sophie Mickan. Ein gesundes Selbstbewusstsein gehöre ebenfalls dazu. „Und es ist nun auch tatsächlich so, dass ich am Ende eines Seminars gleich Erfolge sehe“, sagt sie. Wenn etwa in einem Rhetorik-Seminar jemand anfangs erzählte, wie schwer es ihm falle, frei zu sprechen und er dann am Ende ohne Stocken einen freien Vortrag hält. „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen die Inhalte des Seminars gleich in ihrem Alltag umsetzen können.“

Sophie Mickan kann sich auch vorstellen, verstärkt in die strategische Richtung der Wirtschaftspsychologie zu gehen, also beispielsweise die Organisationsstruktur von Unternehmen aus psychologischer Sicht zu durchleuchten. „Der Nachteil wäre dann allerdings, dass ich weniger Kontakt mit Menschen habe – und der würde mir schon fehlen.“ <<

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