Wirt­schafts­mathe­matiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wirtschaftsmathematiker und angehender Aktuar

Tätigkeitsfeld:

Risikoanalyse und -management

Abgeschlossenes Studium in:

Wirtschaftsmathematik

BERUFENET:

Aktuar/in;
Wirtschaftsmathematiker/in

Ich berechne zum Beispiel, welche Schadenrückstellungen wir bilden müssen.

Vielseitiger Mathematiker

Wirtschaftsmathematiker Florian Christa (28) arbeitet bei einer privaten Krankenversicherung. Mithilfe von Software entwickelt der angehende Aktuar mathematische Modelle für das Unternehmen, um Tarife und Risiken zu berechnen.

Florian Christa war klar, dass Versicherungsunternehmen interessante Arbeitgeber für Mathematiker sind. Daher richtete er sein Wirtschaftsmathematik-Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg ganz auf Versicherungs- und Finanzthemen aus. Außerdem absolvierte er ein Praktikum im Aktuariat der privaten Krankenversicherungssparte der HUK-Coburg. Heute ist er in dieser Abteilung fest angestellt. Parallel zu seiner Arbeit macht er bei der Deutschen Aktuarsvereinigung die Weiterbildung zum Aktuar. Diese besteht aus zehn anspruchsvollen Prüfungen, die die Teilnehmer jedoch schrittweise absolvieren können.

Rückstellungen berechnen

Florian Christa und seine Kollegen prognostizieren mithilfe von mathematischen Modellen, welche Entwicklungen sich wie auf welche Tarife auswirken. Unter anderem mittels Sterbetafeln können sie zum Beispiel den genauen Beitrag für einen 30-Jährigen berechnen. Weil jeder eine andere Lebenserwartung hat, zahlt jeder einen anderen Beitrag. Sterbetafeln veralten aufgrund des medizinischen Fortschritts sehr schnell – daran müssen die Aktuare ihre Kalkulation ebenso anpassen wie an neue Gesetze oder veränderte Bedingungen am Kapitalmarkt.

„Ich arbeite an der Schnittstelle zum Rechnungswesen und zur Bilanzierung“, erzählt Florian Christa. „Ich berechne zum Beispiel, welche Schadenrückstellungen wir bilden müssen – also wie viel Geld wir für zukünftige Leistungsfälle zurücklegen.“ Bevor die Versicherung neue Tarife einführt, muss er zudem kalkulieren, wie diese sich auf die Bilanz des Unternehmens auswirken. Dabei arbeitet er mit Aktuarskollegen zusammen, die sich mit der Preisfindung beschäftigen – also damit, welche Beiträge die Versicherung für einen Tarif verlangen kann. Andere Aktuare im Unternehmen bewerten Risiken: Was würde es zum Beispiel kosten, wenn auch in Deutschland die lebensgefährliche Ebola-Krankheit ausbräche?

Für seine Aufgabe muss er sich nicht nur in mathematischen Fragen, sondern auch mit Gesetzestexten und Bilanzierungsrichtlinien auskennen. „Als Aktuar reicht mathematisches Inselwissen nicht aus, man muss sehr vielseitig interessiert sein“, betont Florian Christa. Von den 30 direkten Kollegen haben 20 einen mathematischen Hintergrund, aber auch Physiker und Statistiker arbeiten in Florian Christas Team.

Komplexes einfach erklären

„Da wir uns bei unserer Arbeit häufig auch mit Nicht-Mathematikern, etwa Betriebswirten, Juristen oder Versicherungskaufleuten austauschen, müssen wir Fachbegriffe und komplexe Vorgänge allgemein verständlich erklären können“, sagt Florian Christa. Teamfähigkeit ist ebenfalls besonders wichtig. Zu Überstunden kommt es bei ihm selten, dank Gleitzeit kann er sich seine Arbeitszeit selbst einteilen.

Mit seinen Kenntnissen aus dem Studium der Wirtschaftsmathematik könnte Florian Christa auch im Controlling oder als Risikoanalyst für große Unternehmen arbeiten. Und weil die deutsche Aktuarsausbildung im Ausland einen guten Ruf genießt, sind deutsche Versicherungsmathematiker auch bei ausländischen Versicherern gern gesehene Experten. <<

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