Wein­bau­berater/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Weinbauberater

Tätigkeitsfeld:

Agrarwirtschaft

Abgeschlossenes Studium in:

Internationale Weinwirtschaft

BERUFENET:

Weinbauberater/in

Der Weinbau ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern in unserer Region auch ein starkes Kulturgut. Gleichzeitig erfüllt er Aufgaben der ­Landschaftspflege.

Ratgeber für die Rebe

Johannes Werner (27) ist Weinbauberater im Amt für Landwirtschaft in der Ortenau. Für die Winzer ist er ein wichtiger Ansprechpartner – sein Fachwissen hat er unter anderem im Bachelorstudium Internationale Weinwirtschaft erworben.

Vom rechten Oberrhein bis in die Vorgebirge des Schwarzwaldes reicht die Ortenau. Hier wachsen auf 2.500 Hektar Weinreben, die von über 2.000 Betrieben bewirtschaftet werden, darunter große Weingüter und genossenschaftlich organisierte Betriebe, viele im Nebenerwerb. Von den Terrassen im Flachland bis zu den Steillagen wachsen hier Weine, vom Riesling bis zum Spätburgunder.

Wer hier Reben anbaut und Rat sucht, wendet sich an Johannes Werner. Als Weinbauberater im Landratsamt in Offenburg ist er für Fragen rund um Düngung, Pflanzenschutz, Qualität, Sortenstruktur, Fördergelder sowie Neuigkeiten aus der Forschung zuständig. „Der Weinbau ist nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern in unserer Region auch ein starkes Kulturgut. Gleichzeitig erfüllt er Aufgaben der Landschaftspflege“, erläutert der 27-Jährige.

Beraten und kontrollieren

Viele, die bei ihm Rat suchen, sind Winzer im Nebenerwerb. Mit ihnen spricht er am Telefon, beantwortet Anfragen per Mail oder trifft kleinere Gruppen, mit denen er dann die Reben vor Ort inspiziert. „Im Nebenerwerb werden die Rebstöcke und das Handwerk oft in den Familien weitervererbt. Die gängigen Krankheiten sind diesen Winzern zwar bekannt, aber wenn zum Beispiel neue Schädlinge auftauchen oder die Witterung sehr ungewöhnlich ist, brauchen sie oft Beratung“, sagt Johannes Werner. „Wir besprechen bei den Terminen vor Ort aber auch Bodengegebenheiten oder gesetzliche Rahmenbedingungen.“

Der Arbeitsalltag von Johannes Werner beschränkt sich aber nicht auf die Beratung. Er prüft auch, ob Anbaurichtlinien eingehalten werden, oder verschickt einmal pro Woche Mailings mit Fachinformationen. Darin informiert er die Empfänger zum Beispiel darüber, woran sie erkennen, ob ihre Weinstöcke von Kirschessigfliegen befallen sind, wie sie die letzten Frostruten entfernen oder mit Wildschäden umgehen sollten. Und nicht zuletzt tauscht er sich ständig mit Kollegen aus anderen Regionen und mit Forschungsinstituten aus.

Handwerk und Hochschule

Johannes Werner kommt aus der Region, hat selbst das Winzerhandwerk gelernt und als Geselle auf verschiedenen Weingütern gearbeitet, bevor er an die Hochschule ging. Seinen Bachelor in Internationaler Weinwirtschaft absolvierte er an der Weinhochschule Geisenheim. „Man sollte auf jeden Fall so viele praktische Erfahrungen sammeln wie möglich. Nicht nur, um zu wissen, was in der Praxis passiert, sondern auch, um die vielen Sparten kennenzulernen, vom Vertrieb über Marketing bis zum Anbau“, betont er. Von den erfahrenen Winzern kann er trotz Studium noch viel lernen: „Man weiß längst nicht alles, wenn man von der Hochschule kommt. Der Weinbau wird ja nicht neu erfunden“, sagt er. „Viele Winzer haben über Jahre erfolgreiche Strategien entwickelt.“ Was sich stark verändert hat, ist die technische Seite, von der Robotik bis zum Drohneneinsatz: „Die technologischen Entwicklungen bekommt man natürlich an der Hochschule mit.“ Das Wichtigste in seinem Beruf ist für ihn aber sein guter Draht zu den Winzern. <<

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