Verwaltungs­jurist/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Verwaltungsjurist

Tätigkeitsfelder:

Öffentliche Verwaltung; Rechtsberatung und -dienstleistungen

Abgeschlossenes Studium in:

Jura

BERUFENET:

Verwaltungsjurist/in

Wir müssen herausfinden, welche Lösung dem Willen des Gesetzgebers entspricht. Dazu legen wir die Gesetze aus.

Spezialist für Verwaltungsrecht

Mohamed Ahmad (28) weiß bestens über das Kommunalrecht Bescheid. Der Verwaltungsjurist erstellt Gutachten und klärt rechtliche Sachverhalte für eine Stadtverwaltung.

Köln ist die viertgrößte Stadt Deutschlands. Dafür, dass von der Abfallentsorgung über die Kinderbetreuung bis hin zur Zulassungsstelle alle Bereiche der öffentlichen Versorgung reibungslos funktionieren, sorgen die rund 17.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung. Alle Entscheidungen, die diese treffen, basieren auf rechtlichen Vorgaben, etwa dem Kommunalverfassungsrecht. Wann immer ein Mitarbeiter eine Frage dazu hat, wendet er sich an Juristen wie Mohamed Ahmad. Er und seine Kollegen gehen dem Sachverhalt auf den Grund und fertigen Stellungnahmen an. „Gesetzestexte sind für Nichtjuristen nicht so einfach zu verstehen – deswegen gibt es uns“, sagt Mohamed Ahmad.

Gesetze auslegen und Gutachten erstellen

Der Juraabsolvent nimmt an einem zweijährigen Traineeship für Verwaltungsjuristen teil und durchläuft in diesem Rahmen verschiedene Abteilungen der städtischen Verwaltung. Momentan ist Mohamed Ahmad im Amt des Oberbürgermeisters eingesetzt, wo er sich unter anderem mit rechtlichen Fragen rund um die Stadtratsarbeit befasst. Im Vorfeld einer Sitzung gibt es stets einiges zu tun. „Es kommen immer wieder Fragen zur Geschäftsordnung auf, zum Beispiel inwiefern ein Antrag noch fristgerecht eingereicht werden kann“, sagt er. Ein anderes Beispiel: Der Stadtrat hat verschiedene Ausschüsse und Unterausschüsse. Wer Ausschussvorsitzender werden darf, ist in der Gemeindeordnung genau geregelt – zu den Unterausschüssen steht dort aber nichts. „Wir müssen herausfinden, welche Lösung dem Willen des Gesetzgebers entspricht. Dazu legen wir die Gesetze aus. Wenn es keine explizite Regelung zum Thema gibt, leiten wir die Antwort aus den allgemeinen Rechtsgrundsätzen her.“ Hierfür schlägt er in Gesetzestexten und Gesetzeskommentierungen nach. Manchmal recherchiert er auch im Internet, insbesondere in juristischen Datenbanken.

Spätere Verbeamtung möglich

Mit den Aufgaben einer Stadtverwaltung hatte sich der Juraabsolvent bereits im Rahmen seines Rechtsreferendariats nach dem ersten Staatsexamen vertraut gemacht. „Als Referendar durchläuft man verschiedene Stationen, um die Arbeitsbereiche von Juristen kennenzulernen. Die Verwaltungsstation hat mir am besten gefallen.“ Nach der zweiten Staatsprüfung trat der frischgebackene Volljurist die Traineestelle als Angestellter der Stadt Köln an. Spezielle Vorkenntnisse rund um das Gemeinderecht brachte er aus dem Studium nicht mit. „Das Kommunalverfassungsrecht wurde an der Uni nur kurz angerissen. Aber man lernt, wie man mit Gesetzen umgeht und sie anwendet“, sagt Mohamed Ahmad. „Deshalb kann man sich als Jurist schnell in neue Fachgebiete einarbeiten.“

In welche Abteilung er als Nächstes kommt, steht noch nicht fest. Die Kämmerei reizt ihn besonders. Dort werden städtische Gesellschaften wie die Abfallwirtschafts- und Verkehrsbetriebe juristisch betreut. „Gesellschaftsrecht war einer meiner Schwerpunkte im Studium, das könnte ich dort gut einsetzen“, ist Mohamed Ahmad überzeugt. Nach dem Traineeship kann er sich auf eine Planstelle in der Stadtverwaltung bewerben. Dann wäre auch ein Wechsel vom Angestelltenverhältnis in eine Verbeamtung möglich. <<

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