Verkehrs­psycho­loge/-psycho­login

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Senior Researcher

Tätigkeitsfelder:

Lehrtätigkeit an Hochschulen; Wissenschaftliche Forschung

Abgeschlossenes Studium in:

Psychologie

BERUFENET:

Verkehrspsychologe/-psychologin

Ich will an der Uni bleiben, vielleicht mal eine Professur übernehmen.

Forschung auf der Straße

Tibor Petzoldt (33) sammelt Daten über das Geschehen auf Deutschlands Straßen. Der promovierte Verkehrspsychologe nimmt Autofahrer genau unter die Lupe.

Was lenkt Autofahrer im Verkehr am meisten ab, wie entstehen Unfälle und wie sieht es mit dem Verhältnis zwischen Autofahrern, Fahrradfahrern und Fußgängern aus? Fragen, denen Tibor Petzoldt in verschiedenen Forschungsprojekten auf den Grund geht. Der promovierte 33-Jährige forscht an der TU Chemnitz im Bereich Verkehrspsychologie.

„Es war eher Zufall, dass ich in diesem Spezialgebiet gelandet bin“, erzählt er. Während seines Psychologie-Studiums fand er etwa die Sozialpsychologie deutlich spannender. „Die angewandten Bereiche der Psychologie hatte ich eigentlich gar nicht auf dem Schirm.“ Eine mündliche Prüfung zum Vordiplom machte er dann bei einem Professor, der im Bereich Verkehrspsychologie forscht. „Das lief wohl nicht so schlecht – er bot mir danach eine Stelle als Hilfswissenschaftler an.“

Interesse am Forschen geweckt

Tibor Petzoldt nahm an. „Und mit der Zeit merkte ich, dass die doch ganz spannende Sachen machen.“ Zudem habe die Verkehrspsychologie einen entscheidenden Vorteil: „Dadurch, dass wir einen Bezug zur Industrie haben – was ja manche andere Bereiche der Psychologie nicht haben –, ist relativ viel Geld für Projekte da.“ Tibor Petzoldt schrieb seine Diplomarbeit am Institut, blieb als Mitarbeiter und promovierte schließlich auch in der Verkehrspsychologie. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit dem Thema Fahrerablenkung.

Auch nach der Promotion blieb Tibor Petzoldt an der Uni und ist mittlerweile als Senior Researcher verantwortlich für das Management einer ganzen Reihe von Projekten. „Genau das finde ich das Spannende an der Tätigkeit an der Uni: Man beschäftigt sich nicht jahraus, jahrein mit einem Thema, sondern gut eineinhalb Jahre intensiv mit einem Projekt – und dann kommt das nächste.“ Das sorge gleichzeitig dafür, dass man gezwungen sei, sich ständig weiterzuentwickeln.

Bei vielen Projekten gehe es zunächst darum, Daten zu sammeln. „Wir statten dann Autofahrer oder auch mal Elektrofahrradfahrer mit Kameras und Sensoren aus – und erfassen über einen bestimmten Zeitraum alle Daten“, erklärt Tibor Petzoldt. Aus diesen lassen sich dann ganz verschiedene Dinge ablesen: etwa wie Unfälle entstehen und wie sie vermieden werden, ob die Menschen mit einem Elektrofahrrad tatsächlich schneller fahren oder einfach weniger in die Pedale treten. Zudem kommt es vor, dass sich Autohersteller mit einem Forschungsanliegen direkt an das Institut wenden.

Freiheiten an der Universität

Die Lehre ist ebenfalls Teil seiner Tätigkeit an der Universität. „In diesem Jahr halte ich eine Vorlesung zum Thema Ingenieurpsychologie.“ Tibor Petzoldt schätzt die Freiheiten, die er an der Universität hat. „Das heißt aber auch, dass man viel Eigeninitiative zeigen muss. Da kommt niemand und gibt einem Anweisungen.“ Zudem sollte man flexibel sein. „Gerade bei der Projektarbeit gibt es Tage, an denen man auch mal länger beschäftigt ist.“ Einen Job bei einem Unternehmen strebt der 33-Jährige nicht an. „Ich will an der Uni bleiben, vielleicht mal eine Professur übernehmen.“ Und das gerne auch im Ausland. „Durch die Projekte habe ich bereits europaweit Kontakte.“ <<

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