Sucht-, Drogen­berater/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Drogenberater

Tätigkeitsfeld:

Sozialberatung, -arbeit

Abgeschlossenes Studium in:

Pädagogik und Soziologie

BERUFENET:

Sucht-, Drogenberater/in

Wir wollen die Menschen nicht bevormunden, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnen. Die Selbstbestimmung der Hilfesuchenden ist ein wichtiger Ausgangspunkt für unsere Arbeit.

Möglich machen, was geht

Sandro Rösler (31) arbeitet seit Jahren mit jungen Drogenkonsumenten und hilft, wo sie es zulassen.

Im Nürnberger Raum ist mudra eine Instanz, wenn es um die Arbeit mit Drogenkonsumenten geht. Der Verein bietet ambulante und stationäre Hilfen an, berät Konsumenten und deren Angehörige, arbeitet in der Prävention, im Streetwork, führt Therapien durch und stellt Beschäftigungs- und Qualifizierungsprojekte auf die Beine. „Wir wollen die Menschen nicht bevormunden, sondern ihnen auf Augenhöhe begegnen. Die Selbstbestimmung der Hilfesuchenden ist ein wichtiger Ausgangspunkt für unsere Arbeit“, erklärt Sandro Rösler. Er ist einer von drei Mitarbeitern im enterprise Büro, das speziell mit jugendlichen Konsumenten im Alter von zwölf bis 21 Jahren arbeitet.

„Die meisten Jugendlichen, die illegale Drogen konsumieren, sind zwischen 16 und 21 Jahre alt. Ein Drittel kommt freiwillig zu uns, weil sie ihr Konsumverhalten ändern möchten. Viele haben es schon alleine versucht, es aber nicht geschafft und suchen nun professionelle Hilfe.“ Die Eigenmotivation ist eine sehr gute Voraussetzung.

Zieloffene Beratung

Häufig hat Sandro Rösler es aber mit Jugendlichen zu tun, die mit einer geringen Menge Cannabis erwischt worden sind und vom Jugendgericht, der Führerscheinstelle oder der Schule die Auflage haben, in die Beratung zu gehen: „Wenn man per Gerichtsbeschluss in die Beratung muss, ist die Gesprächsbereitschaft meist nicht sehr groß. Da muss ich in den ersten Gesprächen erst einmal Vertrauen aufbauen. Drogen zu nehmen ist etwas sehr Intimes“, weiß der Berater.

Neben den Konsumenten kommen Eltern und Angehörige zu ihm. Gearbeitet wird zieloffen: „Wir geben kein Ziel vor, sondern unterstützen auch Konsumenten, die nicht aufhören können oder wollen. Dann versuchen wir, ein Risikobewusstsein zu schaffen, um die negativen Folgen des Konsums zu minimieren.“

Ein Job mit geregelten Arbeitszeiten ist das nicht, meint Sandro Rösler: „Wenn wir Termine mit den Jugendlichen oder Eltern ausmachen oder Veranstaltungen planen, legen wir die Zeiten so, dass möglichst viele sie wahrnehmen können.“ Sein Tag fängt meist nicht vor zehn Uhr an und geht gerne mal bis in die späten Abendstunden.

Man muss ein Typ dafür sein

Die Drogen- und Subkultur ist dynamisch, er muss am Puls der Zeit bleiben, gleichzeitig aber auch eine stabile Persönlichkeit mitbringen: „Man darf die Schicksale nicht mit nach Hause nehmen.“ Hier helfen Supervision und darüber hinaus der kollegiale Austausch.

„Um die junge Zielgruppe zu erreichen, muss ich selbst aber auch ein wenig Querdenker und Freigeist sein. Sonst wird es schwierig, eine gemeinsame Ebene zu finden. Auch alternativen Lebenskonzepten stehe ich sehr offen gegenüber“, sagt Sandro Rösler. Die Probleme sind vielschichtig, angefangen von illegaler Drogenbeschaffung bis zum Leben auf der Straße: „Ich erreiche die Leute nicht, wenn ich ihre Lebenswelt pauschal ablehne. Ob jemand mit Drogenkonsumenten arbeiten kann, lässt sich daher auch nur in einem Praktikum herausfinden.“

Mit seinem Magisterstudium der Pädagogik und Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg ist er die Ausnahme. Viele haben einen Abschluss in Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik. „Ich habe zwei Praktika in verschiedenen Bereichen der mudra gemacht und gemerkt, dass mir das Arbeitsfeld und die Arbeitsweise sehr gefallen. Über einen anschließenden Nebenjob bin ich dann im enterprise Büro gelandet.“ <<

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