Sozial­arbeiter/in – Straf­vollzug

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Sozialarbeiterin im Strafvollzug

Tätigkeitsfeld:

Sozialberatung, -arbeit

Abgeschlossenes Studium in:

Sozialpädagogik

BERUFENET:

Sozialarbeiter/in – Strafvollzug

Ich möchte es schaffen, die Klienten zu einem Veränderungswillen zu bewegen.

Arbeiten hinter Gittern

Elvira Damm (30) ist Sozialarbeiterin im Strafvollzug und leistet für die Inhaftierten Hilfe zur Selbsthilfe. Das Arbeiten im Zwangskontext ist ein Spagat zwischen Brücken bauen und professionellem Abstand.

Während sich draußen die Welt weiterdreht, heißt es für die Inhaftierten im geschlossenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg erst einmal innehalten. „Zum einen geht es bei einer Freiheitsstrafe um den Schutz der Allgemeinheit vor weiteren Straftaten. Zum anderen sollen die Insassen darauf vorbereitet werden, ein Leben ohne Straftaten zu führen. Sie sollen vor einer Rückfälligkeit bewahrt werden und ein Leben in sozialer Verantwortung übernehmen können“, umreißt Elvira Damm den Sinn und Zweck einer Freiheitsstrafe gemäß dem Bayerischen Strafvollzuggesetz.

Motivationsarbeit

So weit die Theorie. In der Praxis ist dieser Weg jedoch nicht immer einfach: „Die Inhaftierten bringen vielfältige Schwierigkeiten und Probleme mit, sie sind nicht zufällig in diese Situation geraten. Hinzu kommt, dass Vollzug ein Zwangskontext ist“, erläutert Elvira Damm. Auch wenn die Voraussetzungen schwierig sind, nimmt sie die Inhaftierten dort an, wo sie gerade stehen, und versucht, an dem Punkt weiterzuarbeiten. In der JVA Nürnberg betreut ein Sozialarbeiter im Durchschnitt an die 90 Gefangene. „Ich arbeite sehr nah mit den Menschen, versuche sie zu motivieren, auch wenn ein Veränderungs- und Handlungswille zunächst nicht immer gegeben ist. Das darf man aber nicht persönlich nehmen.“

Am Anfang, wenn Inhaftierte den Vollzug antreten, führt sie Zugangsgespräche: „Es geht darum, die Persönlichkeit kennenzulernen und auch praktische Dinge zu klären: Hat die Person eine Wohnung oder Arbeit, die weiter erhalten bleiben kann oder muss? Müssen Sozialhilfe-Anträge gestellt werden? Hat die Person ein Suchtproblem?“

Während der Haft führt Elvira Damm immer wieder Einzelgespräche und begleitet die Inhaftierten während des gesamten Vollzugs. Innerhalb der Fachdienste, zu denen etwa der Sozialdienst und der Psychologische Dienst gehören, tauschen sich die Kollegen aus: „Transparenz ist in unserem Bereich sehr wichtig.“ Zur Entlassungsvorbereitung werden Themen wie Wohnraum, Arbeit, Finanzen, Versicherungen und soziale Kontakte erörtert. Allein könnten die Sozialarbeiter das Spektrum an Angeboten gar nicht abdecken. Die Kontaktpflege zu anderen Beratungsstellen wie der Sucht- und Berufsberatung ist ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich.

Vieles ist Berufserfahrung

Ihr Arbeitsalltag ist ein Spagat zwischen Empathie und Professionalität: „Ich möchte es schaffen, die Klienten zu einem Veränderungswillen zu bewegen, sie bei der Bewältigung ihrer problematischen Lebenslagen zu unterstützen und eine Basis aufzubauen. Dabei muss ich aber die Geschichten nach Dienstschluss hinter mir lassen können.“ Das lernt man im Arbeitsalltag. Studiert hat Elvira Damm Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Resozialisierung auf Diplom an der Technischen Hochschule Georg-Simon-Ohm in Nürnberg: „Mich hat schon früh interessiert, wie man Menschen, die in schwierigen Lebenssituationen stecken und in vielerlei Hinsicht benachteiligt sind, unterstützen kann.“ Das Studium vermittelt die Theorie und den rechtlichen Rahmen. „Einblicke in den Arbeitsalltag einer JVA bekommt man aber nur über Praktika.“ Sie hat zudem als Ehrenamtliche im Studium Inhaftierte betreut. Ihre Überzeugung: „Auch wenn man vielleicht nur wenige erreicht, ist schon viel gewonnen!“ <<

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