Sozial­arbeiter/in / Sozial­pädagoge/-pädagogin

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Sozialpädagoge

Tätigkeitsfeld:

Sozialberatung, -arbeit

Abgeschlossenes Studium in:

Pädagogik und Politikwissenschaften

BERUFENET:

Sozialarbeiter/in / Sozialpädagoge/-pädagogin

Die Jugendlichen sind Mitbewohner und manchmal auch Freunde.

Ein fast normales Familienleben

Wenn andere nach Hause fahren, fängt Jürgen Sauers Arbeit manchmal erst an. Der 32-jährige Sozialpädagoge betreut Jugendliche mit schwierigem sozialen Hintergrund in einer Jugendwohngemeinschaft.

Während seines Studiums der Pädagogik und Politikwissenschaften wusste Jürgen Sauer zunächst nicht, in welche Richtung er gehen sollte. Klar war ihm jedoch, dass er etwas bewegen wollte. Er entschied sich für eine Stelle in einer betreuten Jugendwohngemeinschaft im SOS-Kinderdorf Nürnberg, wo er es mit Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren zu tun hat. Alternativen wären eine Arbeit als Streetworker, beim Jugendamt oder auch als Vertrauensperson an Schulen gewesen.

Zu Jürgen Sauers Aufgaben gehört es, bei den Hausaufgaben zu helfen, mit den Jugendlichen einkaufen zu gehen, Streit zu schlichten, mit Lehrern und Ausbildern zu sprechen, bei Ärger in der Schule zu beraten, die Jugendlichen zu Ämtern zu begleiten – aber auch, einfach in den Abendstunden mit ihnen zusammenzusitzen und etwa Uno zu spielen. Jürgen Sauer und die anderen Mitarbeiter sind letztendlich ein Familienersatz, sie versuchen, die Schüler zur Selbstständigkeit zu erziehen. Das Betreuerteam und die Jugendlichen fahren auch gemeinsam in den Urlaub.

Arbeit im Schichtdienst

Die fünf Betreuer arbeiten in Schichten, einer von ihnen ist immer da, auch in der Nacht. Natürlich gibt es auch mal Überstunden. „In diesem Job kann man schlecht vorausplanen. Jeder Tag ist anders. Das macht den Beruf aber auch aus.“ Was ihm außerdem gefällt: „Wir haben in unserer Arbeit viel Freiraum und uns wird viel Vertrauen von Seiten der Leitung entgegengebracht“, sagt der 32-Jährige.

Seit Jürgen Sauer vor fünf Jahren in der Jugendwohngemeinschaft angefangen hat, wird er hin und wieder auch mal beschimpft von seinen Schützlingen. „Man darf das nicht persönlich nehmen. Bei uns geht es eben zu wie in normalen, wenn auch großen Familien.“ Die Jugendlichen haben schon einiges erlebt und mitgemacht, sie haben einen schwierigen sozialen Hintergrund. In der Gruppe ist außerdem immer ein Platz für ein bis zwei unbegleitete minderjährige Flüchtlinge frei.

Voraussetzung für die Stelle ist eine gute Portion Geduld, Durchsetzungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und eine dicke Haut. „Wertschätzung und Empathie sind in diesem Beruf auch sehr wichtig. Man darf sich von der Situation der Jugendlichen aber nicht runterziehen lassen.“ Für den Sozialpädagogen ist es großartig, wie die Gruppe zusammenhält: „Die Jugendlichen sind Mitbewohner und manchmal auch Freunde.“

Kleine Fortschritte

Jürgen Sauer redet viel mit den Jugendlichen, ist ihnen Vorbild. Dazu braucht er sehr viel Geduld und Ruhe, auch dann, wenn er zum hundertsten Mal dasselbe sagt. Fortschritte zeigen sich bei den Jugendlichen in sehr kleinem Umfang, Erfolge machen sich nach etwa einem halben Jahr bemerkbar: Manche lernen zum Beispiel, besser mit Konflikten umzugehen. Es gibt weniger Ärger in der Schule, die Noten werden besser, oder das Zusammenleben verläuft ruhiger. Dem Betreuer geht dann das Herz auf, wenn die Heranwachsenden eine Schulausbildung abgeschlossen haben.

Manchmal kommen seine Jungs und Mädels noch Jahre später zu Besuch und bedanken sich für die Unterstützung und die tolle Zeit. „Das gibt mir jedes Mal ein Glücksgefühl und erfüllt mich auch mit Stolz.“ <<

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