Religions­wissen­schaftler/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Religionswissenschaftlerin

Tätigkeitsfelder:

Kunst-, Kulturmanagement; Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Abgeschlossenes Studium in:

Vergleichende Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Religion und Tradition des Islam

BERUFENET:

Religionswissenschaftler/in

Ich erarbeite gemeinsam mit einem Leitungsteam eine Agenda für die Sitzungen.

Jeder nach seinem Glauben

Die Religionswissenschaftlerin Juanita Villamor-Meyer (30) baut ein Forum aus, in dem Angehörige verschiedener Religionen sich austauschen können. Sie ist Impulsgeberin, Netzwerkerin, Fundraiserin und Wissenschaftlerin in einem.

Juanita Villamor-Meyer leitet das Berliner Forum der Religionen. „Das ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 Menschen aus verschiedenen Religionsgemeinschaften, spirituellen Bewegungen und interreligiösen Initiativen, die an einem Dialog der Religionen untereinander aber auch mit anderen Menschen interessiert sind.“

Es gibt einen interreligiös besetzten Koordinierungskreis, der monatlich tagt und der wiederum die Ideen und Projekte in die Gemeinden und Initiativen trägt: „Ich erarbeite gemeinsam mit einem Leitungsteam eine Agenda für die jeweilige Sitzung, mache Themenvorschläge, für die ich im Vorfeld recherchieren muss.“ Als Ideengeberin sucht sie nach Anregungen, die die Religionen im Hier und Jetzt geben können: Stehen Wahlen an, macht sie sich etwa Gedanken dazu, welche Werte der Kreis vertritt und wofür die einzelnen Parteien stehen. Um diese Themen vorzubereiten, wälzt die Religionswissenschaftlerin einschlägige Werke und sucht nach Anregungen, die sie in die Sitzungen einbringen kann.

Hohes Maß an Selbstorganisation

„Es gibt aber auch Tage, an denen ich für anstehende Feste Kostenvoranschläge für Zelte und Getränke einhole, Listen erstelle oder Flyer gestalte.“ Neben der Mitwirkung an Projekten wie etwa der Langen Nacht der Religionen, an der sich das Forum beteiligt, organisiert sie Gruppen und Aktionen. Das Forum ist ein eingetragener Verein und auf Spendengelder angewiesen. Daher gehört es auch zu den Aufgaben der 30-Jährigen, Mitglieder zu gewinnen und Spenden zu sammeln.

Einen geregelten Bürojob hat sie nicht. Sie vertritt das Forum auf vielen Veranstaltungen, meist abends und an den Wochenenden. Das kann das Fastenbrechen der Muslime sein, ein Auftritt des Chors der Kirche Jesu Christi, ein Tag der offenen Tür einer Berliner Begegnungsstätte oder ein hinduistisches Fest. Sie schüttelt Hände, knüpft Kontakte und vernetzt sie neu: „Die Gemeinden sind häufig so in ihre Arbeit eingebunden, dass sie nicht mitbekommen, welche Angebote es in anderen Glaubensgemeinden gibt. Hier kann ich oft Kontakte vermitteln.“

Die eigene Stelle schaffen

Wer einen festen Vertrag mit detaillierter Beschreibung der Aufgaben braucht, könnte die Arbeit von Juanita Villamor-Meyer sicherlich nicht übernehmen: Sie schafft ihre eigene Stelle, füllt diese mit Inhalten und Aufgaben. „Das Forum wurde vor zwei Jahren auf Anregung des regierenden Bürgermeisters initiiert, und die Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten gab die Infrastruktur. Ziel war es aber, eine selbstständige Organisation zu schaffen. Und dieser Prozess begann nun mit meiner Stelle.“ Ihre Stelle wird über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert.

Die Netzwerkerin ist überzeugt: „Wenn man sich außerhalb der Universität und Forschungsinstitutionen mit Religion befassen will, muss man ideenreich sein, Projekte selbst voranbringen.“ Ihren Bachelorabschluss hat sie in Vergleichende Religionswissenschaften mit dem Schwerpunkt Religion und Tradition des Islam absolviert. Im Nebenfach hat sie Politik studiert. „Mein Berufsweg hat mit einem Praktikum bei einem islamischen Verein in Frankfurt begonnen. Darüber hat sich der Kontakt zur Langen Nacht der Religion in Berlin ergeben – und so kam eins zum anderen.“ <<

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