Physiker/in

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Wissenschaftler und Projektleiter

Tätigkeitsfelder:

Wissenschaftliche Forschung; Lehrtätigkeit an Hochschulen

Abgeschlossenes Studium in:

Physik

BERUFENET:

Physiker/in

Erkenntnisgewinn ist der Kern der Wissenschaft, wichtig ist aber auch der Austausch mit Kollegen und der Öffentlichkeit.

Suche nach neuen Materialien

Die Energieversorgung sonnenferner Raumsonden klingt für manche nach Science-Fiction. Für Johannes de Boor (34) ist sie Arbeitsalltag. Der Physiker entwickelt thermoelektrische Materialien, die nicht nur in der Raumfahrt eingesetzt werden.

In den Voyager-Sonden nutzen Radioisotopen-Batterien den Zerfall von Plutonium, um aus der Wärme über ein Thermoelement Strom zu gewinnen: „Das funktioniert seit über 30 Jahren ganz wunderbar“, erklärt Johannes de Boor, der am Institut für Werkstoffforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln arbeitet. Abwärme nutzen, um Energie zu erzeugen, macht nicht nur in der Raumfahrt Sinn, sondern auch in Fahrzeugen, Heizungsanlagen oder Kleinstromversorgungen. Ziel des Physikers ist es, neue, thermoelektrische Materialien zu entwickeln, die einen hohen Wirkungsgrad aufweisen und stabil funktionieren. Es geht dabei nicht nur um die Materialherstellung. „Wir entwickeln zum Beispiel die Messtechnik zum großen Teil selbst, um die Materialien möglichst gut zu verstehen. Da gibt es oft noch keine Standardlösungen.“

Riesige Datenmengen analysieren

Entsprechend vielfältig sind seine Aufgabenbereiche: Er tüftelt an den Hardwarekomponenten für die Messtechnik und überlegt, wie er das System designen muss, um Messfehler klein zu halten. Riesige Datenmengen müssen analysiert werden: „Für die Unmengen an Daten schreibe ich Algorithmen, um die Auswertung zu automatisieren.“ Er ist zwar experimenteller Physiker, verbringt aber mehr Zeit am Schreibtisch als im Labor. Es gibt viel zu organisieren, er muss sehr viel lesen und schreiben, Berichte und Aufsätze verfassen, Vorträge und Präsentationen ausarbeiten. „Erkenntnisgewinn ist der Kern der Wissenschaft, wichtig ist aber auch der Austausch mit Kollegen und der Öffentlichkeit“, betont Johannes de Boor. „Als Wissenschaftler müssen wir unsere Ergebnisse in einen Kontext stellen können, und da reicht es nicht, ein guter Physiker zu sein. Man muss sich auch in Worten ausdrücken können – und zwar sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch.“ Mehrmals im Jahr ist er unterwegs, im In- und Ausland, besucht Konferenzen, hält Vorträge.

Betreuung von Doktoranden

Er betreut einen Doktoranden sowie mehrere Abschlussarbeiten von Studierenden: „Das macht großen Spaß, zieht aber eine Reihe an administrativen Aufgaben nach sich.“ Im Institut ist er zudem für bestimmte Geräte verantwortlich, Ansprechpartner, wenn etwas kaputtgeht oder jemand Fragen dazu hat. Und dann ist da noch die Zusammenarbeit mit externen Partnern, die gemeinsam mit dem Institut Forschungsprojekte bearbeiten. Die Wissenschaftler/innen arbeiten an mehreren Projekten parallel, mal als Projektleiter, mal als Mitarbeiter. „Wir arbeiten sehr selbstständig und teilen uns die Zeit und die Aufgaben selbst ein.“ Überstunden gehören dazu.

Johannes de Boor hat sowohl sein Physikstudium als auch seine Promotion mit Auszeichnung bestanden, war als Student im Ausland und erst vor Kurzem als Gastwissenschaftler an einer amerikanischen Universität. „Als Wissenschaftler hat man gute Möglichkeiten, ins Ausland zu gehen, das wird auch oft erwartet, wenn man sich in der Forschung einen Namen machen will.“ <<

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