Öko­tropho­loge/­Öko­tropho­login

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Ökotrophologin

Tätigkeitsfelder:

Wissenschaftliche Forschung; Lehrtätigkeit an Hochschulen

Abgeschlossenes Studium in:

Oecotrophologie (Bachelor), International Food Business & Consumer Studies (Master)

BERUFENET:

Ökotrophologe/Ökotrophologin

Ich nehme wirtschaftliche Zusammenhänge und Lobbyarbeit der Hersteller unter die Lupe.

Riskante Lebensmittel

Sonja Brandenburger (28) forscht und unterrichtet an einer Hochschule. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit untersucht die Ökotrophologin rechtlich-politische und wirtschaftliche Aspekte rund um Nahrungsergänzungsmittel.

Funktionelle Lebensmittel sind Sonja Brandenburgers Forschungsthema. Als solche werden zum Beispiel Sportlernahrung oder andere Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet, also Lebensmittel, denen eine bestimmte Funktion oder gesundheitlicher Mehrwert zugeschrieben wird. Die Ökotrophologin untersucht die rechtlich-politischen Aspekte dieser Lebensmittel und analysiert europaweit, wie deren Kontrolle und Regulierung funktioniert. „Ich nehme wirtschaftliche Zusammenhänge und Lobbyarbeit der Hersteller unter die Lupe: Welche rechtlichen Verordnungen gibt es, was ist erlaubt und was ist vielleicht gar nicht geregelt“, erklärt die 28-Jährige.

Hierzu reist die Wissenschaftlerin, die sich ihre Zeit weitgehend selbst einteilen kann, unter anderem nach Brüssel, um mit den dortigen Parlamentariern Interviews zu führen. Mit ihren Studierenden geht sie bisweilen den Quellen illegaler Nahrungsergänzungsmittel auf den Grund: „Beispielsweise gibt es in Europa verbotene Präparate, mit denen man sehr schnell abnehmen können soll. Im Internethandel sind solche Pillen oft problemlos zu beschaffen, obwohl ein erhebliches Risiko von ihnen ausgeht und ihre Wirkung niemals nachgewiesen wurde.“ Mit detektivischem Ehrgeiz verfolgt sie Spuren von Herstellern und gleicht die Rechtslage mit der realen Situation ab.

„Ziel meiner Forschungsarbeit ist es, das Risiko für Verbraucher messbar zu machen. Wo sollte mehr, wo weniger reguliert werden.“ Hierbei arbeitet die Ökotrophologin in einem engen Netzwerk mit Institutionen und Entscheidungsträgern zusammen.

Forschung und Lehre

Sonja Brandenburger hat an der Hochschule Fulda einen Oecotrophologie-Bachelor und im Anschluss daran an der Universität Kassel einen englischsprachigen, interkulturellen Master in International Food Business & Consumer Studies absolviert. Nach ihrem Abschluss erhielt sie eine Stelle an der Hochschule Fulda und begann mit ihrer Promotion. „Zunächst war ich über ein EU-Projekt angestellt, daraus wurde dann eine feste Stelle am Fachbereich.“ Ihre Arbeitszeit ist nun in Lehre und Forschung geteilt. „Vier Semesterwochenstunden lang gebe ich Seminare und Übungen. Die restliche Zeit widme ich meinen Forschungsarbeiten, wobei ich die Studierenden durch Studiengruppen auch miteinbeziehe.“

Selbstorganisation gefragt

In regelmäßigen Abständen publiziert die Ökotrophologin Artikel in Fachzeitschriften und bringt dabei komplexe Sachverhalte auf den Punkt. Ihre auf mehrere Jahre angelegte Promotion erfordert zudem ein gut durchdachtes Projektmanagement. „Ein so großes Thema kann einen leicht überfordern. Daher muss man sich die Arbeit gut einteilen und sich organisieren können, sollte dabei vor allem aber Spaß an der wissenschaftlichen Arbeit haben“, so Sonja Brandenburger, deren Kollegen neben Ökotrophologie auch Fächer wie Tourismus und Catering oder Public Health Nutrition studiert haben. Eine Alternative zu ihrer Arbeit in Forschung und Lehre wäre für sie beispielsweise eine Tätigkeit in der Lebensmittelindustrie, einer Behörde oder Verbraucherorganisation. <<

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