Neuro­psycho­loge/-psycho­login

Kurz & Knapp

Ausgeübter Beruf:

Neuropsychologin

Tätigkeitsfeld:

Psychologische Analyse, Beratung, Therapie

Abgeschlossenes Studium in:

Psychologie

BERUFENET:

Neuropsychologe/-psychologin

Die kognitiven Störungen, die aufgrund der Verletzung entstehen, sind sehr unterschiedlich

Dem Gehirn beim Lernen helfen

Katharina Kiele (31) ist Neuropsychologin in einer Reha-Klinik und behandelt Menschen mit schweren Hirnschäden. Durch Einfühlungsvermögen und spezielle Übungen versucht sie, verloren gegangene Fähigkeiten wieder zu trainieren.

Schon während ihres Psychologiestudiums hatte Katharina Kiele erste Erfahrungen als wissenschaftliche Hilfskraft in der Neuropsychologie gesammelt. „Mich hat die klinische Psychologie sehr interessiert, und außerdem wollte ich Menschen helfen“, erinnert sich die 31-Jährige. Nach Diplom und Elternzeit arbeitet Katharina Kiele nun in der Neurologischen Frührehabilitation des Zentrums für Schwerst-Schädel-Hirnverletzte des Vivantes Krankenhauses in Spandau. Hier werden Menschen unmittelbar nach der Akutbehandlung auf der Intensivstation stationär behandelt.

Die Krankheitsbilder und der Grad ihrer neurologischen Beeinträchtigung sind dabei sehr verschieden. „Neben Patienten mit einem Infarkt haben wir auch Patienten mit Hirnblutungen oder schweren Schädel-Hirn-Traumata“, erklärt Katharina Kiele. „Die kognitiven Störungen, die aufgrund der Verletzung entstehen, sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Das können Störungen der Wachheit, der visuellen Wahrnehmung oder der Handlungsplanungs- und Kontrollfunktion sein sowie schwere Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisstörungen. Auch Depressionen oder schwere Antriebsstörungen als Folge der Hirnverletzung kommen häufig vor.“

Diagnosen stellen

Was genau fehlt dem Patienten? Welche kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen liegen vor? „Manchmal sind die Patienten in einem Zustand minimaler Responsivität, das heißt, der Patient hat zwar geöffnete Augen und kann Gegenstände fixieren. Ansonsten ist er aber nicht in der Lage, bei neurologischen Tests mitzuarbeiten. Das macht die Diagnose sehr schwer“, so die Neuropsychologin. Gerade die Angehörigenarbeit spielt in solchen Fällen eine wichtige Rolle. „Hierbei ist ein hohes Einfühlungsvermögen gefragt, um Partner oder Familie in der neuen Lebenssituation zu beraten.“ Ihre 20-Stunden-Woche kann sich Katharina Kiele flexibel einteilen und so auch individuelle Beratungsgespräche mit den Angehörigen wahrnehmen.

Ist das Störungsbild erkannt, kann darauf aufbauend ein spezifisches Training gestörter Funktionen beginnen. In Einzelsitzungen von 30 bis 45 Minuten versucht Katharina Kiele, die kognitiven Störungen zu trainieren, den Patienten allgemein zu aktivieren oder sein psychisches Wohlbefinden zu steigern. Ist der Patient zu sehr eingeschränkt, wird er auch schon vor der Diagnostik kognitiv angeregt und aktiviert. So verschieden die Störungsbilder, so vielfältig sind auch die Therapiemethoden. „Ich nutze computerbasierte Trainings oder auch Paper-Pencil-Methoden, um mit den Patienten zu üben.“

Interdisziplinäres Team

Neben den Therapiesitzungen spricht sich die Psychologin regelmäßig mit den Kollegen anderer Disziplinen ab. Neben Neuropsychologen behandeln auch Ärzte, ein Pflegeteam, Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden die Patienten in ihrer Klinik. „Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz“, meint Katharina Kiele. „Alle ziehen an einem Strang, um den Zustand des Patienten zu bessern.“ <<

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